Assad ist der einzige gemeinsame Nenner

Analyse | Gudrun Harrer
4. Juli 2012, 18:25
  • Das syrische Oppositionstreffen in Kairo: Zu diesem Zeitpunkt war noch alles friedlich, später wurden Teilnehmer handgreiflich.
    foto: dapd/nabil

    Das syrische Oppositionstreffen in Kairo: Zu diesem Zeitpunkt war noch alles friedlich, später wurden Teilnehmer handgreiflich.

Die syrische Opposition weiß weiter nur, was sie nicht will: das Assad-Regime

Bei einer Konferenz in Kairo gab es nicht nur kein nennenswertes Ergebnis, sondern handfeste Auseinandersetzungen.

 

Kairo/Damaskus/Wien - Die Hoffnung, dass sich mit einer neuen Führung des Syrischen Nationalrats (SNC) die Opposition konsolidieren würde, hat sich Dienstagnacht in Kairo zerschlagen: Nicht nur, dass die inhaltliche Ausbeute des Treffens denkbar gering war, es kam sogar zu Handgreiflichkeiten zwischen Teilnehmern. Die syrischen Oppositionellen misstrauen einander so sehr, dass die einen die anderen verdächtigen, den Zwischenfall absichtlich provoziert zu haben, um der Sache zu schaden.

Auslöser des Zwists war der Auszug von Kurden aus der Konferenz, die ihre nationalen Aspirationen für die Post-Assad-Zeit nicht erfüllt sehen. Es war gehofft worden, dass das Vertrauen der Kurden angesichts des neuen SNC-Chefs Abdulbaset Sida, der Kurde ist, wachsen würde. Die meisten Kurden stehen dem syrischen Regime, das vielen von ihnen die Staatsbürgerschaftsrechte verweigert, negativ gegenüber. Aber die starke Rolle der Türkei in der Allianz gegen Assad stößt vor allem jene Kurden ab, die der PKK nahe stehen. Außerdem fürchten viele, dass das neue Syrien noch "arabischer" sein könnte als das alte - und minderheitenfeindlich.

Zwar hieß es in Kairo, man habe sich auf Grundzüge, wie das Post-Assad-Syrien aussehen sollte, geeinigt. Aber nach dem Verlesen des Schlusskommuniqués gaben etliche Oppositionelle dazu Einzelerklärungen ab, die einander widersprachen. Sida versicherte, die Unterstützung der Free Syrian Army sei einhellig. Am SNC - dem vorgeworfen wird, von den Muslimbrüdern dominiert zu sein - scheiterte jedoch die Bildung eines Oppositionskomitees auf breiterer Basis. Denn dieses Komitee hätte wohl die SCN-Rolle als wichtigster Repräsentant der Opposition geschmälert.

Die Opposition streitet auch über die Frage, ob sie die internationale Gemeinschaft um eine Intervention in Syrien ersuchen soll, und um die Rolle der Religion im neuen Syrien. Von einem Teil der syrischen Diaspora wird geleugnet, dass der Aufstand auch eine sunnitisch-islamische Konnotation hat. In der Tat ist schwer zu beurteilen, ob der Islam im Moment nicht nur hauptsächlich Mittel der Mobilisierung gegen den Alawiten Assad ist. Andererseits rechnet kaum jemand damit, dass Syrien als Staat, in dem der Islam nicht Staatsreligion ist, bestehen bleibt.

Der einzige Konsens in Kairo war also einmal mehr, dass eine Lösung nur im Abgang von Assad bestehen kann - etwas, was die Aktionsgruppe der Freunde Syriens am Samstag in Genf auf Druck Moskaus nicht so klar gesagt hatte. Sie ließ offen, ob Assad an einer von der Aktionsgruppe geforderten Übergangsregierung beteiligt sein könnte oder nicht. Russland führt weiter alle Behauptungen, dass es von Assad abrücken könnte, ad absurdum. An einem Treffen der "Freunde Syriens" am Freitag in Paris wird es nicht teilnehmen.

Für die internationale Gemeinschaft bedeutet das Scheitern von Kairo, dass sie weiter ohne Partner auskommen muss, von dem sie sagen kann, dass er Syrien repräsentiert. Das Vertrauen schwindet, dass im Fall eines Sturz des Regimes eine nationale Einheit hergestellt werden kann. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, 5.7.2012)

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ich für meinen Teil bin schon auf die Veröffentlichung des Emailverkehrs nach und aus Syrien gespannt, Wikileaks wird diese demnächst veröffentlichen, interessant auch: ~60000 Emails in russischer Sprache AUS Syrien...

Laut Sohr haben Assads Truppen Khan Shaykoun

eingenommen.

https://www.facebook.com/permalink... 5461256134

Wie es ausschaut startet Assad mit seinen Truppen eine Gegenoffensive...

...von Hama, Khan Sheykun.
Dort sind sie konzentriert und gut aufgestellt.

Khan Sheykoun ist mit Artillerie und Hubschraubern attackiert worden, bevor die Truppen in den Süden der Stadt eingedrungen sind.
Das Ziel wird sein, den Highway nach Aleppo wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Der ist vor Saraqib unterbrochen.
Jedoch verliert Assad im Norden immer mehr an Boden.
Die Enklave bei Azaz schrumpt,
die Rebellen haben Salqin an der türkischen Grenze übernommen und sie haben eine Stadt entlang der Verbindung Aleppo Raqqa übernommen.
Die Rebellen werden Assads Truppen bei Hama einkesseln wollen, westwärts von Hama nach Rastan und Houla vorstossen und somit die Verbindung zur Küste abschneiden.

Assads Truppen attackieren Khan Sheykun...

...berichtet Reuters.

http://www.reuters.com/article/2... EY20120705

Rebel fighters suffered heavy loses during battles late on Wednesday night in Khan Sheikhoun, a town in rural Idlib province that straddles the strategic western highway linking Damascus and Aleppo.

Assads Regime versucht seit Monaten an der Macht zu bleiben.Mit massivem Einsatz der Truppen, des Stasigeheimdienstes, der Schlägertruppen von der Schabiha. Alles wird aufgefahren,was die Diktatur zu bieten hat.

Assads Tage sind gezählt, auch wenn dies noch Monate dauert.

...und dieser gemeinsame Nenner agiert nicht gerade wie ein blindwütiger Tyrann!

Das Interview auf SANA (wird natürlich im Standard nicht erwähnt) zeigt ein deutlich differenzierteres Bild der Lage als das so mancher "schwarz/weiß-Demokrat" vermitteln und mit allen unlauteren Mitteln durchsetzen möchte.

http://www.sana.sy/eng/21/20... 429322.htm

Schade, dass DerStandard nach den Artikeln zwar aufs "Wetter in Nirgendwo" o.ä. verweist, nicht aber auf Quellen für detailliertere oder weiterführende Information!
Nur NICHT weiter so!

Hätten sie 1940 auch den Stürmer zitiert, wenn es darum geht, die Existenz von KZ's zu rechtfertigen / leugnen ?

nsnbc ?? vom christof lehman?? ernsthaft??

das zeigz deutlich,dass sie ueberhaupt nicht zwischen quellen unterscheiden koennen.
den christof lehman wollen sie hier als serioese quelle verkaufen? wie SANA??

haben sie auf SANA schon mal regime- oder assadkritisches gelesen...dann bitte her damit.

man kann leider auch sie nicht ernst nehmen.
schon mal berichte ueber libyen gelen,welche transformationsprojekte in arbeit sind.

schon mitbekommen,dass in aegypten freie wahlen statt gefunden haben.

und wenn sie den arabischen fruehling mit dem angriff von bush auf den irak vergleichen......bleiben sie lieber bei der krone oder der bildzeitung.

Wen stört's II

Finden in Libyien nicht täglich Anschläge der Rebellen statt, Scharmützel rivalisierender Milizen, ganz zu schweigen von dem zunichte gebombten Volksvermögen der Demokratiebewegung? Ist Bildung immer noch kostenlos, Trinkwasser in den Großstädten vorhanden und Benzin/Transport leistbar?
Wer verdient an den Geschäften mit Libyen nun?

Wieso darf man den erfundenen Krieg gegen den Irak nicht mit den an den Haaren herbeigezogenen Kriegsvorbereitungen gegen Syrien vergleichen?
Sind die Hintergründe denn so unterschiedlich?

Ich glaub, es würde auch Ihnen gut tun, neben dem APA-Newsticker einen arabischen zu lesen. Der Tellerrand ist niedriger als viele fürchten ;-)

"Sind die Hintergründe denn so unterschiedlich?"

sorry, sie sind leider auch nur eine unterforderung.

Wen stört's?

Lassen Sie doch Quellen unterschiedlicher Sichtweise zu oder haben Sie Angst, dass Ihre Scheuklappen dafür zu eng sind?
Die westl. Einheizpresse vertritt doch auch seit Beginn des Konflikts nur eine Seite. Oder haben Sie schon mal Assad"freundliche" Artikel gesehen?
Selbst nach der Luftraumverletzung durch die Türkei?
Nach dem offensichtlichen Einschleusen ausländischer Söldnerbanden inklusive dem CIA-Gespenst "Al-kaida"?

Ringt nicht in Ägypten gerade das Militär mit den Muslimbrüdern um die Macht und hat sich dadurch das Verhältnis mit "dem Westen gebessert"?

SANA?? ernsthaft?? ;)))))))

Wen stört's`?

Syrische Online-Zeitung? Ernsthaft.

Sie können's aber auch auf Al Jazeera lesen, wenn Sie's nicht glauben
http://english.alarabiya.net/articles/... 24405.html

oder "worldpress.com"
http://nsnbc.wordpress.com/2012/07/0... o-peoples/

oder Al Arabiya
http://english.alarabiya.net/articles/... 24405.html

Der Typ weiß, wem sein Land gegenübersteht. Und ihm dürft der Angstschweiß auf der Stirn stehen, wenn er an Libyen, Irak, Ägypten etc. etc. denkt.
Alles befriedete, demokratische Länder, den Leuten dort ist's niemals besser genangen.

Ernsthaft ;-)))))))

also das gemeinsame ziel der opposition ist sehr gut!!

und betreff libyen: menscherl die jetzt schon/immer noch den ghaddafi-umsturz und den aufstand diffamieren und glauben eine transformation sei eine sache von monaten und ein paar jahren, sollten sich mal zu abwechslung einlesen, wenn sie wirklich am land und den menschen interessiert sind. scheint leider nur bei denen der fall zu sein, die fuer den umsturz ghaddafis waren und jetzt auch fuer den umsturz assads sind.

http://www.securitycouncilreport.org/site/pp.a... rintmode=1

Da wird der Kuchen schon geteilt, bevor überhaupt Eier gekauft wurden.

..an einem Treffen der "Freunde Syriens" ..

wer solche 'freunde' hat..
hat auch eine 'freie armee' und wird in seinen aktionen von einer 'freien presse' auch immer und voll unterstuetzt.
ist das nicht schoen ??

ironie: aus

ach ja Harrers Weltweit geschätzte analysen, besonders gut finde ich die über Libyen und wie guts denen ohne Gadaffi gehen würde...

irak 2.0... allerdings sind die irakischen christen nach syrien geflüchtet... wohin flüchten nun die in syrien lebenden christen + der syrischen christen? nach europa... ich heisse diese menschen willkommen, aber die euroaffen die zum sturz des systems beitragen wollen diese menschen dann nicht aufnehmen, im gegenteil, sie werden gegen diese flüchtlinge hetzen... absurd.

2007:A spokesman for the Reform Party of Syria told Ynet that those responsible for hanging Ghadry's posters were "tired of all the war, tired of not having any real future... they

want the Israelis to understand that the Syrian people aren't the extremists the Israelis think they are.
http://www.ynetnews.com/articles/... 00,00.html

http://syriamonitor.typepad.com/news/oppo... _in_syria/

2008:Syrian opposition TV channel goes off the air after nine days
http://blogs.rnw.nl/medianetw... -nine-days

Harsh Sentences for Democratic Opposition
http://www.unhcr.org/refworld/... c3f3c.html

2009:Kritik am Präsidenten oder seiner Baath-Partei ist für diese Parteien wie für das gesamte Parlament jedoch tabu.
http://www.dw.de/dw/articl... 16,00.html
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die probleme der syrischen opposition sind nur allzu verständlich

denn die syrische diktatur hat das mißtrauen der menschen untereinander perfektioniert .. etliche geheimdienste überwachen nicht nur die normalbürger, sondern sie überwachen sich auch gegenseitig .. ein ausscheren hatte und hat fatale konsequenzen .. nur so konnte sich eine kleine machtelite so lange halten .. bei gestapo und stasi sind sie in die schule gegangen ...

Nein, ich glaub', die Geheimdienste wurden vom KGB aufgebaut. Von daher auch diese irrationale Unterstützung Assads vonseiten der Stalinisten.

"Es war makaber, russische Kommunisten in Eintracht und inniger Freundschaft (inklusive Küsschen) mit ägyptischen, syrischen, irakischen oder algerischen Diktatoren zu sehen, während arabische Kommunisten in den Kellern der jeweiligen Geheimdienste und in Folterlagern in der Wüste starben. Ostdeutsche Spezialisten sowie KGB-Experten bauten den syrischen Geheimdienst mit auf."

http://taz.de/Prominenz... en/!88869/

heute war die wiederholung des interviews

mit herta müller in ö1; was sie da über die rumänische securitate sagte erinnerte auch sehr stark an die syrischen geheimdienste..

Die Uneinigkeit der syrischen Opposition darf man nicht überbewerten,

sondern man sollte darin einen Ausdruck von Pluralismus, der zu den Merkmalen des künftigen syrischen Regierungssystems gehört. Zu Handgreifflichkeuten durfte es nicht kommen, egal wie gross die Differenzen zwischen den Beteiligten sind. Die syrischen Oppositionellen müssen lernen, dass Demokratie Spielregeln hat, über die man sich nicht hinwegsetzen darf. Doch den Syrern fehlt die Übung nach einer 50jährigen Diktatur. Das Wesentliche an der Tagung von Kairo war aber die Verabschiedung von zwei wichtigen politischen Dokumenten, die den Weg zum Nach-Assad-Syrien und die Grundzüge des künftigen Syriens festlegen. Dieses Syrien wird zivil, rechtsstaatlich, demokratisch und pluralistisch sein.Die Syrer haben jegliche Art von Diktatur satt.

Man weiß ja nicht, wie das ganze letztendlich ausgeht, aber eines ist sicher:

Es wird nach Assad für Jahrezehnte sicher keine "pluralistische Demokratie" geben. Soviel ist sicher.

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