Der Wind als Hund

Gregor Fauma, 10. Juli 2012, 17:12
  • Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Dem Gärtner treibt dieser jedoch mitunter die Tränen in die Augen.
    foto: ap/martin meissner

    Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Dem Gärtner treibt dieser jedoch mitunter die Tränen in die Augen.

Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen - Gregor Fauma über den Feind der zarten Blüte

Zu den schönsten Gartenpflanzen gehören die Einjährigen. Die leben nicht lange und können daher die gesamte Kraft in die lockenden Eigenschaften ihrer Blüten investieren. Farben, Größe und Duft sind jene Parameter, in denen sie den Mehrjährigen oft aus Gärtnersicht überlegen sind. Um die Pracht zum Zweck der Fortpflanzung entwickeln zu können, sparen die Einjährigen woanders. Sie verzichten ganz gerne auf das Holz und belassen ihre Stängel weich und biegsam. Verholzende Pflanzen können überwintern, müssen dafür aber recht viel Energie in die Verholzung stecken. Diese Energie haben die Nichtverholzenden für Blüten und Blumen übrig.

Vom Winde verweht

Und jetzt kommt der Wind ins Spiel. Er testet die Einjährigen, ob sie geschmeidig und biegsam genug sind, um seiner Kraft nachzugeben, statt sich gegen diese zu stellen. Der Wind, so weiß der Gärtner, der Wind ist ein Hund. Endlich blüht der Garten den Vorstellungen entsprechend. So auch eine der entzückendsten Rosen dieser Welt, die "New Dawn". Eine schnellwüchsige Kletterrose, die eine Blüte nach der anderen rausschleudert und den Betrachter mit zart zitronig-vanilligem Duft verwöhnt. Sie hat nur eine Schwäche: Die Blütenblätter sitzen nicht gerade über Gebühr an der Blüte fest. Ein bisserl ein Wind, und schon schneit es weiß-rosa Blütenblätter durch den Garten, und Tränen der Gärtner folgen.

Stetiger Wind kann einen schönen Garten ziemlich herrichten. Es vergeht kein Tag, an dem der geneigte Gärtner nicht ein Bambussteckerl in die Erde rammt, um die windverbogenen Nachtkerzen wieder aufzurichten. Es vergeht kein Tag, an dem die geneigte Gärtnerin nicht metallene Stützbögen auf Lee in die Beete steckt, um der Indianernessel-Rabatte wieder vertikale Orientierung zu verpassen. Und es vergeht kein Tag, an dem die Wasserschläuche die windgetrockneten Kübel und Südbeete nicht unter Wasser setzen, um der Evaporation entgegenzuwirken.

Wenn der Pflanze die Luft wegbleibt

Der Wind, der ist ein Hund, und diese Antwort reicht den Kindern aber trotzdem nicht, wenn sie fragen, wie er entsteht und woher er kommt. Wenn man den G'schrappen dann sagt, dass der Wind eine maximale Entropie anstrebt, so geben sie dann Ruhe und ergänzen, dass dies, gemäß dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik wohl so ist, aber seine Herkunft noch nicht erklärt. So muss als Folgeantwort Irland herhalten. Oder auch die Tatsache, dass Wind durch unterschiedlichen Luftdruck unterschiedlicher Luftmassen entsteht, wenn diese quasi einen Druckausgleich suchen. Streicht nun ein warmer Juniwind über Blattoberflächen, so verdunstet er dort kleine Wassermengen. Diese Wassermengen geben die Blätter über ihre Spaltöffnungen her. Über die Spaltöffnungen wird aber auch das von uns ausgeatmete Kohlendioxid eingeatmet.

Wenn das arme Pflanz also nicht verdunsten und ergo die Spaltöffnungen schließen möchte, so bleibt ihr sprichwörtlich die Luft weg. Es ist so, als ob man beim Aufguss in der Sauna das Atmen einstellen müsste. Und, pardautz, es gibt Pflanzen, die können das. Die verschieben das Atmen in die kühle Nacht, schließen bei Hitze und Wind die Spaltöffnungen und sparen so das wenige Wasser, das ihnen zur Verfügung steht. Mittagsblumen, Fetthennen und Portulak sind solche Vertreter, die man getrost Crassulaceen nennen darf. Doch was hilft das den anderen? Sie leiden gemeinsam mit ihren Gärtnerinnen und Gärtnern unter dem starken Wind, der, seien wir einig, noch selten etwas Gutes gebracht hat. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 6.7.2012)

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11 Postings
Dass der Wind noch selten etwas Gutes gebracht hat, können Gärtner aus ganzer Seele bestätigen

Dass der Fauma noch selten etwas Gutes gebracht hat, kann ich aus ganzer Seele bestätigen.

Mimoserl, was soll das Geraunze?
Den Wind gibts schon länger als die Menschheit und die Natur hat sich mit ihm arangiert.

was von ihnen bisher interessantes zu lesen war,

ist aber auch eine frage die ohne antwort bleiben muss.

ihre wortspende soll genau welchen erkenntniswert liefern? in dem text steht mehr, als sie gewusst haben dürften.

hier handelt es sich hier um eine kolumne und diese funktion wird erfüllt. und ja: wind erhöht die evapotranspiration und nötigt dazu, mehr zu gießen (wenn man nicht die entsprechenden pflanzen hat). jetzt habens was gelernt, immerhin.

Windbestäubung

.. dass der Wind noch selten was Gutes gebracht hat:
Noch nie was von Windbestäubung gehört?
Ursprünglich sogar vorherrrschende Bestäubungsart, die heute noch bei vielen heimischen Pflanzen vorhanden ist. Ohne Wind würden sich diese Pflanzen nicht vermehren.
Der Wind ist außerdem keine "Naturgottheit" die man besänftigen oder verdammen muss sondern bestimmt die Wetterdynamik der Erdatmosphäre mit.
Warum man bei gelegentlich vorkommendem Starkwind herumsudern muss, dass die Pflanzen dabei umkippen und vom Gärtner wieder aufgerichtet werden müssen verstehe ich nicht. Das ist gärtnerischer Alltag
Wenn die Pflanzen clever gesetzt sind bzw. die Befestigungsstange ordentlich sitzt und die Pflanzen angebunden, stellt sich dieses Problem nicht

am thema vorbei. hier geht es u. a. um den austrocknenden effekt des windes und der ist eine realität. zumindest in einer für viele pflanzen sehr

schwierigen jahreszeit (wenn der sommer so verläuft wie heuer).
bes. in einer windigen gegend wie der donauraum und o-öst. allgemein, ist es durchaus in ordnung, seine gedanken und erfahrungen dazu zu teilen.

dass einige pflanzen aufgrund der gegenwärtigen verhältnisse ohne wässern probleme bekommen (und allgemein, wie etwa tomaten, noch mehr gewässert werden muss), ist eine tatsache - und dazu trägt eben auch der wind bei.

dass die vermehrungsfähigkeit der pflanzen von der stärke des windes abhängt, ist mir neu. auch in windarmen gebieten, gelingt es den pflanzen bestens, sich zu vermehren.

ach ja, noch ein argument für ihre these: die olivenfliege tobt in windigen anbaugebieten weniger als anders wo, aber eben auch off topic.

Oh! Sie heulen mit Fauma im Rudel gegen den Wind?

danke für die gekonnt durchargumentierte antwort.

ich wusste nicht, das auch das vestehen meines postings einen derartigen geistigen kraftakt darstellt. also noch einmal: ich heule nicht und mir macht der wind nichts, aber was oben steht stimmt großteils.

Aber gerne! In der Kürze liegt die Würze.

PS:
Ich streng mich wenigstens an um den Sinn zu verstehen, was sie, im Glauben der Größte zu sein, anscheinend unter ihrere Würde sehen.

was die würze betrifft haben sie - so hoffe ich - noch viel potenzial nach oben. kürze alleine ist ein bisschen dürftig.

wie auch immer, verbessern werden auch sie sich.
mir erschließt sich auch nicht, was an ihrer haxlbeisserei und binsenweisheiten groß zu verstehen sein soll.

durch heftigkeit ersetzt der irrende, was ihm an wahrheit und an kräften fehlt. goethe muss an sie gedacht haben.
viel spass noch.

Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.

Ebenda.

Ich glaube das mit der Haxelbeisserei haben sie falsch verstanden. Ihre Weisheiten habe ich auch erst jetzt registriert. Um bei Goethe zu bleiben: Es gibt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren, verstünden sie auch. Anscheinend gehöre ich nicht dazu.

War jetzt ein bisserl übertrieben,

jedoch er schwächelt momentan tatsächlich wie das Salatblatt im Föhnwind...

Naja Wind-Hund ist der Fauma halt auch keiner ;-)

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