Brauereikatze

Kolumne |
  • Schnurrende Schädlingsbekämpfer gelten als letzter Schrei in der Brauerei.
    foto: dapd/ sakchai lalit

    Schnurrende Schädlingsbekämpfer gelten als letzter Schrei in der Brauerei.

Conrad Seidl über Biere, die nach Katzen heißen - und eine mögliche Erklärung

Was Tomme Arthur da wieder eingefallen ist? Auf der großen Tafel im Tasting Room seiner Port Brewing Company in San Marcos, Kalifornien, sind alle Biere mehr oder weniger genau beschrieben. Nur beim "Mongo Double IPA" steht einfach "dead cat".

Tote Katze im Bier? Undenkbar! Oder ist einem Verkoster keine bessere Assoziation eingefallen? In manchen Verkostungsnotizen liest man ja gelegentlich von nassen Hunden oder frischem Pferdemist. Und ist nicht der Johannisbeergeruch von Mercaptomethylpentanon dem von Katzenurin ähnlich? Keine Sorge. Nichts davon ist im über acht Prozent starken Mongo Ale: Harz, das ja - in diesem extrem gehopften Bier sind die Hopfenharze von Columbus-, Centennial-, Cascade- und Amarillo-Hopfen zu schmecken. Wo bleibt die Katze? Nun: Tomme Arthur hat sein Bier einfach nach einer verstorbenen Brauereikatze benannt.

Monster Ale oder: des Brauers Liebe zu Katzen

Und das ist wieder kein so ungewöhnlicher Vorgang: Auch in der Brooklyn Brewing Company wird ein "Monster Ale" gebraut, Braumeister Garrett Oliver hat es nach der der Brauerei zugelaufenen Katze "Monster" genannt. Und wenn er über diesen etwas zur Fettsucht neigenden Kater spricht, dann tut er es mit demselben Enthusiasmus, den er sonst für Bier entwickelt - dass das Monster Ale mit seinen mehr als zehn Prozent Alkohol und seinem enormen Reifungspotenzial von seinem Braumeister gelobt wird, versteht sich von selbst. Aber wie kommt es zur Liebe der Brauer für Katzen?

Ganz einfach, weil Katzen Mäuse jagen - und Mäuse für eine Brauerei ein massives Problem darstellen, weil sie die gelagerte Gerste und das fertige Malz nicht nur anknabbern, sondern durch Verunreinigung auch unbrauchbar machen. Garrett Oliver versichert, dass der sonst so friedlich wirkende Kater eine verlässliche biologische Schädlingsbekämpfung darstellt. Erfahrene Brauer (und andere Verwalter von Getreidevorräten) haben früher sogar Schälchen mit Milch neben ihre Getreidesilos gestellt, um streunende Katzen willkommen zu heißen und Nagetiere fernzuhalten. Auch bei Port Brewing macht sich inzwischen wieder ein schnurrender Schädlingsbekämpfer nützlich. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 6.7.2012)

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