Ferien bei der Oma

5. Juli 2012, 17:17
  • Bei der Oma urlaubt die gesegnete Nachkommenschaft oftmals im Schlaraffenland.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Bei der Oma urlaubt die gesegnete Nachkommenschaft oftmals im Schlaraffenland.

Oma erscheint nachgerade als göttliches Wesen oder neuerdings isst das Kind auch Roggenbrot mit Schnittlauch

Pro: Ewige Verschwörung
Von Karl Fluch

Wenn es heißt, Mutti sei die Beste, was bedeutet das erst für Muttis Mutter? Oma erscheint nachgerade als göttliches Wesen. Derlei illuminierten Blödsinn beiseitegelassen, ist Urlaub bei Oma schon eingedenk der Toleranz super, die Mutter nie aufgebracht hat. Oma jedoch, vom ersten Schnaufer Mutters mit deren Unzulänglichkeiten vertraut, war immer verständnisvoll.

Das führte während der Pubertät zu einer Konspiration zwischen Oma und Enkelkind. Wir reden von Dingen, die bei den ersten Versuchen zu erheblichen Kollateralschäden für das Eigenheim, das familiäre Ansehen und das Erbteil hätten führen können, hätte Oma nicht mit all ihrer Finesse und Erfahrung diskret Schadensbekämpfung betrieben.

Oma deshalb im Urlaub heimzusuchen bringt nicht nur Freude in das Leben einer alten Dame. Die gemeinsam erlebten Kriegsgeschichten zaubern ihr ein Lächeln ins Antlitz und lassen sie im Anekdotischen Lebensfreude tanken. Und Mutter? Bis heute vollkommen ahnungslos, freut sie sich über diese engen familiären Bande.

 

Kontra: Was zu viel ist, ist zu viel
Von Mia Eidlhuber

Mama, sagt das Kind, ich mag jetzt Tomaten. Die aus Omas Garten schmecken gaaaaanz anders! Die pflücke ich mir zum Frühstück! Das Kind, das sonst nach Weißbrot schreit, isst neuerdings auch Roggenbrot mit Schnittlauch. Die Oma kauft mir auch niiiie ein Eis, kichert das Kind. Ich brauche nur zur Tiefkühltruhe gehen. Ja, natürlich! Das gibt es gleich nach dem Tomaten-Schnittlauch-Brot-Frühstück und nach dem Plantschen im See dann noch einmal.

Mama, schreit das Kind ins Telefon, und gestern waren wir am Schafberg. Ja, ja, die Zahnradbahn, sage ich müde. Nein, nein, zu Fuß, sagt das gehfaule Kind. Das war schön! Wir haben Brombeeren gefunden, und auf der Hütte ... Wenn der Regen kommt, wird genäht, gemalt, gebastelt. Fernseher gibt es noch immer keinen.

Fürs Enkelkind wird gebeamt. Eingerollt in kuschelige Decken gibt es kleine Privatkinovorstellungen. Nachhaltige Dokus, Tierfilme oder Filmklassiker. Fehlt nur noch biologisches Popcorn. Alles gut und schön, aber so geht das auch nicht. Wo kommen wir denn da hin? (Rondo, DER STANDARD, 6.7.2012)

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17 Postings
mein firmkind

zu dem ich wie die jungfrau zum kind gekommen bin, verbringt vom letzten schultag bis zum letzten ferientag die ferien bei den großeltern im sommerhaus an einem begehrten öst. see. unterbrechung gibts, wenn sie mit der mama auf urlaub fährt. ich habe mich davon überzeugen können, dass es das kinderparadies ist: jeden tag reiten, die menagerie ist im garten untergebracht, bis halb elf schlafen, die großeltern sind gesellige, verständige und gscheite leute. noch hat sie heuer in der nacht bei der oma im bett geschlafen. am liebsten würde sie am land leben. es sei ihr unbenommen, wenn es sie glücklich macht.

Als Oma (oder Opa)

... lebt es sich ausgezeichnet: Die eigene Brut hat es schon zum eigenen Nachwuchs gebracht, auch eine Leistung. Und sie trägt sogar die Verantwortung und die Erziehung für diesen Nachwuchs selbst, tagein, tagaus: So darf man sich als Oma (Opa) auf die paar Stunden, Tage oder Wochen freuen, bei denen man die Enkelkinder bei sich austoben lassen kann: hätte man ja alles der eigenen Brut auch gerne erlaubt, aber: Elternverantwortung und tagein, tagaus.

Bis die Enkelkinder zu anstrengend werden, sind sie schon wieder abgeliefert, und man kann sich ganz ungeniert in dem Gefühl sonnen, für sie immer die liebe, lustige, verständnisvolle und großzügige Oma (Opa) zu sein. Eine späte Genugtuung fürs einstige Elternsein.

Das war die herrlichste ferienzeit. Mit dem einen grosselternpaar urlaub am bauernhof, bi den anderen grosseltern einen riiiiiieeeeesen garten mit jeglichem obst das das kinderherz begehrt: erdbeeren, himbeeren, ogrosln, zwetschken, birnen- und äpfelbäume zum klettern Usw. Reingehen? Nur zum Essen und schlafen........ Herrlich
Meine kinder sind in der glücklichen lage pensionierte grosseltern zu haben die auch viel mit ihnen unternehmen - sie Sind genauso gerne bei Oma+opa wie ich es war. Erleichtert die ferienplanung ungemein ;))

wer macht

heute noch Ferien bei der Oma? Die meisten sind doch noch berufstätig oder anderwärtig eingespannt (Vereine, Pfarre...) sodass wenig Zeit für die Enkel bleibt.
Ausserdem wie viele haben noch eine Oma mit Haus am Land???

ein fall für die gleichbehandlungsanwaltschaft

War mir leider nicht vergönnt

meine Grosseltern zu kennen. Beide Opas in den letzten Kriegsmonaten gefallen, eine Oma gestorben als ich 2 Jahre alt war, zweite Oma (väterlicherseits) war mit meiner Mutter zerstritten (war auch gegen die Hochzeit ihres "Buben" mit meiner Mutter), verweigerte jeglichen Kontakt.
Schade, denn ich glaube dass die Beziehung Grosseltern/Enkel eine ganz besondere ist, bzw sein kann.

Den Artikel könnte ein Kind geschrieben haben.

word!

Meine Omi war un-schlag-bar! Unvergessene Ferienzeiten habe ich bei ihr verbracht.

Und mein Mann bekommt jetzt noch feuchte Augen, wenn er von seinem geliebten Opa spricht, der 1981 im einundachtzigsten Lebensjahr gestorben ist. Mein Mann war damals gerade 20 und Opa war sein engster Vertrauter.

ich verstehe das kontra nicht.

haben sie was dagegen wenn ihr kind eine schoene zeit verlebt?

Hat sie doch gar nicht, sie ist halt nur ein bisschen eifersüchtig

Manche Eltern

überlebt man mit Hilfe einer größeren Verwandschaft. Und überhaupt ist zur Erweiterung des kindlichen Horizonts eine große Verwandschaft nicht schlecht. Ohne meine Onkel wär`s für mich sehr unwitzig gewesen. Von den täglichen Ausflügen zu Oma`s Dorf mit dem Rad als Bub ganz abgesehen. Meine Oma war teilweise harte alte Schule - aber ich hab da eine Menge für`s Leben gelernt was Garten, Kleinviehaltung und Kochen angeht.

Hä?

"Gott kann nicht überall sein, deshalb erschuf er/sie die Omas!"
Ohne meine Großmutter hätt ich Zeiten in meiner Kinderzeit nicht leicht ausgehalten.

Also mir ..

.. waren die Opas, so ganz undifferenziert, lieber.

Weil die haben immer gesagt "komm nachher ned plärren deswegen", wo die Omas "pass auf weil, blablablahabnichtzugehört" gemeint haben ;-)

Und überhaupt, was heisst da "Oma" - "Grosseltern" muss das heissen, weil ich hatte alle lieb - gleich. Ganz politisch gender-korrekt, schon im Kindesalter.

Ok, stimmt.

Aber ICH hoffe einmal von meinen - noch nicht vorhandenen Enkeln --so gesehen zu werden.

Oma in spe.

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