Chef der Großbank Barclays verteidigt sich

Sebastian Borger
4. Juli 2012, 18:01

Britische Regierung und Opposition streiten über den besten Weg zur Aufklärung der Affäre, in die gut ein Dutzend globale Geldhäuser verstrickt sind

Im Libor-Manipulationsskandal hat der zurückgetretene Barclays-Vorstandschef Bob Diamond seine Bank verteidigt. Das " tadelnswerte Verhalten" geldgieriger Trader dürfe nicht dauerhaft den Ruf des weltweit tätigen Instituts beschädigen, sagte der Amerikaner vor dem Finanzausschuss des Unterhauses in London. "Die Aufsichtsbehörden haben uns für unsere Kooperation mit ihrer Untersuchung ausdrücklich Lob ausgesprochen."

Vergangene Woche akzeptierte Barclays eine Strafe von 360 Mio. Euro, seither sind die Exmanager Diamond, Jerry del Missier sowie der Aufsichtsratschef Marcus Agius zurückgetreten. Premierminister David Cameron verurteilte das "zwielichtig und wahrscheinlich illegale" Verhalten der Barclays-Angestellten, machte aber die Regierung Gordon Browns für den Skandal mitverantwortlich: "All diese Dinge passierten, während Labour im Amt war."

Feindselige Fragen

Im überfüllten Verhandlungssaal musste sich Diamond am US-Nationalfeiertag teilweise feindselige Fragen gefallen lassen. Der 61-Jährige füllte mehrfach sein Wasserglas nach, fingerte nervös an seiner Brille herum und machte immer wieder einen schlecht vorbereiteten Eindruck. Er selbst habe die Einzelheiten des Skandals erst im vergangenen Monat herausgefunden, kurz vor der Veröffentlichung durch die Finanzaufsicht FSA. Diamond zählt seit langem zu den meistgehassten Akteuren der City of London; seit seiner Zugehörigkeit zum Barclays-Vorstand hat er in sieben Jahren Vergütungen von knapp 150 Mio. Euro erhalten.

Bei der Untersuchung der Aufsichtsbehörden beiderseits des Atlantiks geht es um den täglich neu festgelegten Zinssatz im Handel zwischen großen Banken, den Libor (London interbank offered rate); dieser beeinflusst weltweit Sparverträge, Hypotheken und andere Finanzdeals im Umfang von Hunderten von Billionen Dollar. Zu den Instituten unter Manipulationsverdacht gehören auch Deutsche Bank und Lloyds. Finanzminister George Osborne hat namentlich Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, Citibank sowie die Schweizer UBS erwähnt. Insgesamt liefern bis zu 18 Geldhäuser ihre Daten für den Libor. Unklar ist, ob gegen alle anderen Banken die gleichen Vorwürfe erhoben werden wie gegen Barclays.

Politischer Streit

Der politische Streit in Großbritannien dreht sich um falsche Libor-Angaben zu einem anderen Zweck: In der globalen Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman-Brothers im September 2008 geriet Barclays ins Gerede, weil die Bank kontinuierlich höhere Zinssätze meldete als die Konkurrenz. Nach einem Gespräch des damaligen BarCap-Chefs Diamond mit BoE-Vize Paul Tucker stürzte Barclays' Zinssatz plötzlich ab. Diamond machte aber darauf aufmerksam, dass just zu jener Zeit sein Institut eine Milliarden-Finanzspritze von arabischen Investoren erhalten habe. Barclays hat aber eingeräumt, dass gleichzeitig am Zinssatz manipuliert worden war. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 5.7.2012)

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14 Postings
Wer noch Zweifel darüber hat, welche Rolle die (in PRIVATEM Besitz befindlichen) National -pardon, ZENTRAL-Banken spielen, sollte das ein weiterer Augenöffner sein…

…Die BoE war federführend in den Anweisungen, …
http://tinyurl.com/d24mefo

…wie denn die Banken IHRE Einkünfte sichern, während die Einleger bluten müssen!-Empfehlenswertes FS3-VIDEO dazu:
http://tinyurl.com/cexyscr

Und wie es der Teufel, oder der entsprechende "Gouverneur" will, begeht gleich darauf ein Mitarbeiter der BoE "Selbstmord" -mit Stichen in die Brust(!) und aufgeschlitze Pulsadern:
http://tinyurl.com/cu6swa8

Klar war der Arme "gestresst", aber weniger vor seinem Tode, als BEI seinem -äh- "Selbstmord".

Eine kleine Geschichtsreise zur BoE:
http://tinyurl.com/bl3uojz

Die BoE unterstützt *Marxismus*…
http://tinyurl.com/bv9qqh6

…wie auch:
http://tinyurl.com/cx5rrz5

Die BoE ist in *privatem* Besitz:
http://tinyurl.com/cpkuokr

Ich gehe davon aus, daß in der Nationalbank schon heftig gerechnet wird, um wieviel Geld österreichische Gebietskörperschaften hier via Zinsswaps uä geprellt worden sind.

Es gilz zu beachten, dass der LIBOR ja im Vgl. zu den Interbankmärkten zu TIEF gefixt wurde, dh. wer einen LIBOR basierenden Kredit hat, hat davon profitiert! Das trifft somit für die CHF auch auf den klassischen österr. Häuslbauer zu!

der LIBOR

bestimmt die Angebotszinsen im Interbankengeschäft, und wird eher für nur sehr kurze und monatliche, bis hinauf zu maximal einjährigen Notierungen fixiert. Er hat m.E. sehr wenig Bedeutung im Häuslbauer-Kreditgeschäft, da es sich dabei in der Regel um langfristige Kredite handelt, bei denen zur Berechnung der Kreditzinsen daher ebenfalls eher langfristige Aspekte am Kapitalmarkt bzw. die Beurteilung des Pfandes (Wert und Wertentwicklung der Immobilie, generelle Entwicklungen am Immobiliensektor) im Vordergrund stehen.

Wenn ich jemandem auf der Strasze Geld stehle werde ich verhaftet, wenn ich aber ein Verbrechen begehe, das im Grunde auf etwas ähnliches hinausläuft, es aber einfach kompliziert mache, muss ich schlimmstenfalls zurücktreten? Tolle Sache!

Ich verstehe echt nicht, warum ein derartiger Skandal keinen größeren Aufschrei hervorruft. Weil 99,99 % der Menschen - inklusive der Politiker ("wahrscheinlich illegal" LOL) - es nicht verstehen?

Ich bin echt im falschen Beruf...

Von welchem LIBOR ist die Rede?

Ich lese immer nur "LIBOR manipuliert" - von welchem ist die Rede? Es gibt ihn für die unterschiedlichsten Währungen..... USD, Pfund, CHF, YEN etc......

Würd mich wirklich interessieren, an welcher Währungsschraube so heftig gedreht wurde!

Geredet wird immer vom USD LIBOR, aber auch der CHF oder GBP LIBOR ist betroffen - ersterer ist aber kein so großes Thema, ausser in Ö w/ CHF Kredit - hier hat die falsche Art zu fixieren aber den Kunden einen Vorteil verschafft, da der Indikator tiefer war als gerechtfertigt.

der Markt ist ein politisches Konstrukt

warum sollte ausgerechnet der Geldmarkt keines sein?

ach so, allzu offensichtlich sollt's nicht sein,
sonst wird des Volkes Sinn gar aufsässig.

Diese Früchtchen sind es, deren VERTRAUEN wir unbedingt erwerben müssen, durch Sozialabbau, Verzicht auf Investitionen, Lohndrückerei usw.

Da kann man dann schon ein bisserl ärgerlich werden.

die machen aber nichts Illegales; der Staat hat ihnen das so erlaubt.

Und nun müssen wir durch Sozialabbau, Lohndruck, etc. deren Gewinnerwartung / deren Wachstum wieder gesunden.

Womit wir am perfiden Punkt des Systems sind: wir kommen nur gerade über die Runden, wenn die fette Gewinne einstreifen.

z.B.:
vor dem Rettungsschirm war Griechenland mit 300 Mrd bei Banken und Co verschuldet.

Jetzt sind's mit 360 Mrd bei den Europäischen Werktätigen in der Kreide - die Banken sind fein raus; die Griechen haben aber nix mehr zum Essen.

Zuerst waren es korrupte Banker,
dann unfähige Manager,
dann orientierungslose Politiker.

Zu guter Letzt hat man endlich das faule Staatsvolk entdeckt, das über seine Verhältnisse lebt und keine Steuern zahlt

nicht diese oder jene Früchtchen
- eine Systemkrise des KAPITALISMUS

Sie unterschätzen die Bedeutung des Vorganges. Die City IST der Kapitalismus.

(In gewisser Weise wird hier, per G-77 und anderswo, schon längst verhandelt, was nachher kommt. Tun Sie's nicht verschlafen!)

Wie ist möglich,

dass der Euribor sinkt, während die Ratings der Banken dauernd schlechter werden ?

Wer da wohl manipuliert ?

In Großbritannien gibt es noch die Todesstrafe für Terroristen und Entführer

In GB darf es per inoffizieller Weisung bei Flugzeugentführungen und Terroristen keine lebenden Gefangenen geben. Finazterroristen sollte man nicht ausnehmen.

Da schimpft er, der Sepp. Aber ich würde mich um mein Traderjahresgehalt (was ca. gleich mit dem einens Mechanikers oder Dackdeckers ist) wetten trauen wenn er 150.000.000,-- Euro im Jahr verdienen könnte, dann würde er auch solche Sachen machen.

Sorry, ist jetzt nicht persönlich gemeint aber ich denke dass die Gesellschaft einfach zu Geldgierig ist. Egal ob es der kleine Sparefroh ist, oder doch der CEO eines Weltkonzerns.

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