Wiener Deserteursdenkmal: Opferkomitee gegen Integration in Krypta

4. Juli 2012, 20:25
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Wadani: Abwendung der Deserteure vom Konsens des Krieges soll auch symbolisch-räumlich sichtbar sein

Wien - Die Krypta am Äußeren Burgtor des Heldenplatzes soll inhaltlich wie formal komplett umgestaltet werden. Gleichzeitig will die Wiener Stadtregierung ein Deserteursdenkmal errichten, wobei der Heldenplatz als Standort in Erwägung gezogen wird. Das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" ortet nun eine Verquickung der beiden Projekte, was "inakzeptabel" sei, wie Ehrenobmann Richard Wadani - selbst ehemaliger Wehrmachtsdeserteur - am Mittwochnachmittag in einer Aussendung betonte.

Heidemarie Uhl, Historikerin am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, hatte am Dienstag im APA-Gespräch erklärt, dass sie eine Einbindung des Deserteursdenkmals in die bestehende Gedenkstätte "sehr sinnvoll" fände: "Es wäre wichtig, dass es ein gemeinsames Gedenken gibt."

Wadani: "Gemeinsames Gedenken" vergangenheitspolitischer Rückschritt

Wadani hält das für "völlig unverständlich". Ein "gemeinsames Gedenken" wäre ein gewaltiger vergangenheitspolitischer Rückschritt, würde das nationale Opferkollektiv der 80er Jahre rekonstruieren und die symbolische Vollendung des Ausspruchs von Adolf Hitler bedeuten: "Der Soldat an der Front kann sterben, der Deserteur muss sterben."

Das Personenkomitee vertrete die Auffassung, "dass die Abwendung der Deserteure vom Konsens des Krieges im Zuge der Denkmalsgestaltung auch symbolisch-räumlich sichtbar werden sollte, weshalb sich ein Standort auf der anderen Seite des Heldenplatzes anbieten würde". Stattdessen habe die SPÖ offenbar vor, "uns nach fast 70 Jahren wieder in Reih und Glied mit Wehrmacht und Waffen-SS" zu stellen, empörte sich Wadani.

Der Heldenplatz ist einer von fünf möglichen Standorten, wo die rot-grüne Stadtregierung ein Denkmal für Opfer der NS-Militärjustiz bis spätestens Ende 2013 errichten will. Um die Gedenkstätte dort errichten zu können, muss man sich allerdings noch mit dem Bund einig werden. Schließlich wird der Heldenplatz von der Burghauptmannschaft, die dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist, verwaltet.

Stadt arbeitet "in Richtung Heldenplatz"

Die rot-grüne Stadtregierung hat nun Standortpräferenzen bei der Realisierung des projektierten Wiener Deserteursdenkmals erkennen lassen. Obwohl die vier anderen in Erwägung gezogenen Plätze noch nicht vom Tisch seien, "arbeiten wir momentan in Richtung Heldenplatz", sagte ein Sprecher von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) am Mittwochnachmittag auf APA-Anfrage. Erste Gespräche mit ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner habe es bereits gegeben.

Der Heldenplatz befindet sich nicht im Eigentum der Stadt, sondern gehört dem Bund. Er wird von der Burghauptmannschaft verwaltet, die in Mitterlehners Ministerium angesiedelt ist. Der Minister habe bisher durchaus positiv auf die Denkmalpläne reagiert, versicherte der Sprecher des Kulturstadtrats. Konkret käme die Gedenkstätte auf das Areal zwischen Burgtor und Völkerkundemuseum.

Man werde in den nächsten Monaten noch prüfen. Der Sprecher betonte jedenfalls, dass das Denkmalprojekt nichts mit der Umgestaltung der Krypta zu tun habe: "Natürlich wird das mitgedacht. Es wäre ja blöd, wenn man hier aneinander vorbei plant." Allerdings handle es sich um zwei eigenständige Vorhaben. Man werde auch mit der Umsetzung des Deserteursdenkmals nicht warten, bis die Arbeiten an der Krypta abgeschlossen sind, hieß es.

Anderer Standort möglich

Abgesehen vom Heldenplatz kann sich Rot-Grün auch vorstellen, die Gedenkstätte am unweit gelegenen Ballhausplatz zu errichten. Als weitere mögliche Standorte wurden der Julius-Raab-Platz bei der Urania, der Grete-Rehor-Platz zwischen Parlament und Justizpalast sowie die Rossauer Lände genannt.

Nach der endgültigen Standortentscheidung soll das Vorhaben ausgeschrieben werden, wobei die konkrete Realisierung vom KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) abgewickelt wird. Als zeitliches Realisierungsziel hat man Ende 2013 ins Auge gefasst.(APA, 4.7.2012)

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