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Wien - "Wenn es ausschaut wie eine Ente, watschelt wie eine Ente, quakt wie eine Ente, wäre es schon viel Pech, wenn es nach Fisch schmeckt." So fasste der theoretische Physiker Wolfgang Lucha vom Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien den Stand der Dinge beim Nachweis des Higgs-Teilchens zusammen. Alles spricht dafür, dass es sich bei den bei Teilchenkollisionen im Teilchenbeschleuniger LHC des Kernforschungszentrums CERN bei Genf entstandenen Spuren um das lange gesuchte Teilchen handelt, es gibt aber eine gewisse Restunsicherheit: "Es wäre schon viel Pech, wenn es kein Higgs wäre", so Lucha.
"Ein großer Tag für die Forschung" ist es für HEPHY-Direktor Christian Fabjan, es sei ein neues Fenster zum Verständnis des Aufbaus unseres Universums aufgestoßen worden, "ein neuer Meilenstein, auf den wir aufbauen können". Für den stellvertretenden Direktor des HEPHY, Manfred Krammer, handelt es sich um eine "fundamentale Erkenntnis" und "sicher eine der wichtigsten Entdeckungen" in den vergangenen Jahrzehnten. Lucha verglich das heutige Ergebnis mit der Entdeckung der Eichbosonen, wie den W- und Z-Bosonen, die für die Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Materieteilchen verantwortlich sind.
"Klar haben wir ein neues Teilchen gesehen"
"Dass wir ein neues Teilchen gesehen haben, ist klar", betonte Fabjan, per Video vom CERN zugeschalten, wo man nach 20 Jahren Arbeit "voller Emotionen ist". Alle bisherigen Daten seien verträglich mit der Annahme, dass es sich um das Higgs-Teilchen handelt. Fraglich sei noch, und das sollen weitere präzise Messungen klären, ob es sich um das Higgs-Teilchen handelt, das in die klassische Standardtheorie der Physik passt, die nahezu perfekt fast alle bekannten Phänomene des Mikrokosmos erklärt.
Es könnte aber auch besser in eine übergeordnete Theorie des Standardmodells passen. Denn weil den Physikern "nahezu perfekt" nicht reicht, suchen sie seit Jahren schon nach Erweiterungen des Standardmodells. Eine solche ist die Supersymmetrie, wonach jedem bekannten Teilchen spiegelbildlich ein Partner gegenübersteht. In der Supersymmetrie gäbe es aber nicht nur ein, sondern mindestens gleich fünf Higgs-Teilchen. "Wir sehen derzeit ein Higgs-artiges Teilchen, dessen genaue Natur muss noch erforscht werden", sagte Fabjan.
Derzeit finden pro Sekunde eine Milliarde Kollisionen von Protonen im Large Hadron Collider (LHC) statt. Es übersteigt die technischen Möglichkeiten, das zu speichern und auszuwerten, sagte Wolfgang Adam vom HEPHY, zudem sei der größte Teil davon ohnedies nicht zu verwenden. Am HEPHY hat man große Teile des Trigger-Systems gebaut hat, das im Detektor CMS hilft, aus den Milliarden Kollisionen "die Handvoll Ereignisse herauszusuchen, die vielleicht ein Higgs beinhalten".
"Die große Arbeit kommt erst"
Das Higgs ist ein völlig instabiles Teilchen, das sofort in bekannte andere Teilchen, etwa Photonen, zerfällt. Erst aus der Analyse dieser Zerfallserscheinungen kann man auf das Higgs rückschließen. Tatsächlich sind es nur ein paar Hundert Zerfallsereignisse, die auf das Higgs hindeuten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in einer Welt ohne Higgs solche Zerfälle beobachten könnte, liegt bei eins zu drei Millionen, sagte Adam.
Laut Krammer erhöht sich die Signifikanz durch die unabhängigen Messungen eines zweiten Detektors am LHC, dem ATLAS-Experiment, das die Masse des Higgs bei 126 Gigaelektronenvolt (GeV) sieht, während bei CMS 125 GeV gemessen wurden. Beide Werte würden vollkommen innerhalb der Messfehler liegen, größere Exaktheit erwartet man sich von der Kombination der Messergebnisse der beiden Detektoren, die bis Ende des Jahres vorliegen soll. "Die große Arbeit kommt erst, die Präzisionsmessung ist noch viel schwieriger", sagte Lucha. Laut Krammer wird man mit LHC die Masse des Higgs auf 100 Megaelektronenvolt (MeV) genau bestimmen können, man denke aber bereits über den Bau spezieller Beschleuniger, sogenannte "Higgs-Factories" nach, so Krammer. (APA, 4.7.2012)
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