Schaulaufen an der Siegessäule

Mehr als 50 Shows stehen bis zum Wochenende auf dem Programm - Es geht nicht um Haute Couture wie gerade in Paris, sondern um tragbare Trends und Kollektionen

Berlin - Über dem Berliner Tiergarten liegt ein Hauch von Parfum. Im Zelt an der Siegessäule flackert das Blitzlicht. Rockstar Bryan Adams und Boris Beckers Sohn Noah sind am Mittwoch, 4. 7., beim Start der Berliner Fashion Week dabei. Auf der Modewoche ist ein bisschen Stoff zum Tuscheln wichtig: Im Jänner rauschte Miss Piggy an, dieses Mal kommen Dieter Bohlen und der Stylist von Lady Gaga.

Mehr als 50 Shows stehen bis zum Wochenende auf dem Programm. Es geht nicht um Haute Couture wie gerade in Paris, sondern um tragbare Trends und Kollektionen, von Marken wie Michalsky, Hugo, Rena Lange und Guess. Model Franziska Knuppe ist unter den ersten Gästen und hat Tipps für den Sommer parat: "Viel Farbe, viel Prints - aber nicht mischen." Auch Teile in Nude findet sie zum Kombinieren immer noch gut.

In ihrer elften Ausgabe hat sich die Modewoche spürbar etabliert. US-Designer Marc Jacobs ist wieder als Schirmherr eines Talentwettbewerbs dabei. Zum Auftakt gibt es bei Escada Sport eine Prise Saint-Tropez: luftige Hosen, Streifenbikinis und wallende Kleider.

Totenköpfe und Rosenblüten

Ein Höhepunkt zum Auftakt: Die Grazer Designerin Lena Hoschek zeigte ihre Models im Stil des mexikanischen Totenfests geschminkt. In die dicken Zöpfe der Mannequins waren Rosenblüten geflochten, und auch die mit reichen Stickereien, Ornamenten und Borten geschmückten Kreationen erinnerten an die Malerin Frieda Kahlo.

Die neue Kollektion der Modemacherin mit Atelier in Wien, die für ihre äußerst feminine, den Geist der 40er und 50er Jahre feiernde Linie bekannt ist, ist von Rücken, Spitzen und betonten Kurven geprägt, enthält diesmal aber auch vermehrt Hosen.

Der Laufsteg beginnt schon vor dem Zelt. An der Siegessäule finden Blogger reichlich Chancen, die durchgestylten Gäste fürs Internet zu fotografieren. Ein Trend, der zugenommen hat, wie Fashion-Week-Sprecher Daniel Aubke beobachtet. "Soviel Zirkus war früher nicht vor der Haustür."

Neues Denim-Hoch

Die Partystimmung auf der Modewoche täuscht etwas, denn die Branche kann Aufwind vertragen. Die Streetwear-Messe Bread & Butter mit ihren fast 700 Ausstellern zeigt sich wie immer optimistisch, muss aber ohne Größen wie Bench und Levi's auskommen.

Man hofft nach dem Siegeszug von Chinos, den omnipräsenten Stoffhosen, auf ein blaues Wunder. "Es wird immer noch viel Chino verkauft", sagt der Chef der Bread & Butter, Karl-Heinz Müller. "Wir glauben aber, dass wir vor einem neuen Denim-Hoch stehen." (APA/red, 4.7.2012)

Share if you care