Gefühlsverwirrungen in der Betonwüste

4. Juli 2012, 17:18
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Wolfgang Böck strampelt sehr brav als Malvolio in "Was ihr wollt"

Kobersdorf - Wolfgang Böck, Intendant der Schloss-Spiele Kobersdorf, muss ziemlich nervenzerfetzende Stunden durchgemacht haben. Denn schon zu Beginn der Premiere von "Was ihr wollt" kündigte starker Wind ein heftiges Gewitter an. Doch das Glück war Böck hold: Die ersten Tropfen fielen erst Sekunden vor der Pause.

Manch einer nutzte diese zur Flucht: Die solide, aber wenig inspirierte Inszenierung schien ein Verweilen nicht zwingend notwendig zu machen. Der Hang, ein Stück in der Gegenwart zu verorten, um die allgemeine Gültigkeit eines Stoffes zu betonen, ist bekanntlich groß. Auch Regisseur Werner Prinz erlag der Versuchung. Leider. Denn ein Duell auf Leben und Tod mit wattierten Boxhandschuhen auszutragen ist wohl die falsche Metapher.

Bühnenbildner Erich Uiberacker fügte sich ins Konzept: Er baute einen betont schlichten, zubetonierten Hafenkai mit Pollern und Hochwassermesslatte in den Schlosshof. Sehr massiv und mit Drehbühne (mit der Werner Prinz nichts anzufangen wusste), aber wenigstens so niedrig, dass die Arkaden des Hofes miteinbezogen werden konnten.

Da zu Shakespeares Zeiten der Schauplatz Illyrien, an dessen Strände das schiffbrüchige Geschwisterpaar Viola und Sebastian gespült wird, am Balkan gelegen haben soll, verwendet Prinz als Intro und Zwischenmusik diverse fetzige Nummern der Roma-Brass-Band Fanfare Ciocarlia. Und das Ensemble, von Gerti Rindler-Schantl punkig eingekleidet, mimt dazu die Musikanten.

Die Gefühlsverwirrungen plausibel zu machen interessiert Prinz nicht. Dass sich Viola (Sophie Berger) gerade in den gelackten, Polo spielenden Herzog Orsino (Alexander Strömer) verliebt? Kaum zu glauben. Wolf Bachofner zumindest gibt als Tobias von Rülps einen prächtig subversiven Clochard. Und natürlich versteht sich auch der Intendant als Malvolio in Szene zu setzen: Böck zeichnet den Gutsverwalter, der Opfer einer bösen Intrige wird, als kleinkarierten, akkuraten Beamten, der sich andauernd seine fünf Haare kämmt. Wenn er mit Helm im ersten Gang auf dem Damenrad über die Bühne strampelt, dann johlt das Publikum wenigstens einmal.

Doch alle, die in der Pause das Weite suchten, haben etwas versäumt. So plötzlich, wie der Regen eingesetzt hatte, hörte er auch auf. Und gerade im Schlussteil gelingen amüsante, versöhnlich stimmende Szenen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 5.7.2012) 

Bis 29. Juli

  • Bittere Intrige: Wolfgang Böck und Wolf Bachofner.
    foto: wolfgang voglhuber

    Bittere Intrige: Wolfgang Böck und Wolf Bachofner.

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