Grazer Neonazi-Prozess vertagt

4. Juli 2012, 13:28
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Antrag auf Ausscheidung eines Verfahrens abgelehnt - Fortsetzung frühestens im August

Graz - Am Grazer Straflandesgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen zehn Männer wegen NS-Wiederbetätigung fortgesetzt worden. Es wurde mit den Verlesungen verschiedener Texte fortgesetzt, außerdem wurde beantragt, das Verfahren gegen einen der Beschuldigten auszuscheiden, was der Richtersenat aber ablehnte. Der Prozess wird nun für einige Wochen unterbrochen und vermutlich im August fortgesetzt.

Der Hauptangeklagte Franz Radl soll an einer rechtsradikalen Internetseite beteiligt sein und intensiven Kontakt mit Holocoust-Leugner Gerd Honsik haben. Auf Wunsch des Verteidigers wurden am Mittwoch Passagen aus dessen Buch "Freispruch für Hitler?" vorgelesen. Radl zückte sein eigenes Exemplar des Buches - verborgen hinter einem Supermarkt-Prospekt - und kontrollierte, ob der Richter wohl kein Wort ausließ. In dem Werk will Honsik nachweisen, dass es im Dritten Reich keine Massenvernichtungen gegeben haben kann.

Im Großen und Ganzen ist der Prozess schon erledigt, die Zeugen wurden gehört und alle möglichen Anträge gestellt, die meisten davon abgelehnt. Zusätzliche Sachverständige wird es keine geben, wohl soll aber eine Videokonferenz zur Befragung von Honsik stattfinden. Er befindet sich derzeit in Spanien und könnte auch von den dortigen Behörden über ein Amtshilfeverfahren vernommen werden, dann hätten aber die Verteidiger keine Möglichkeit, nachzufragen. Richter Raimund Frei hat daher diese Form der Einvernahme bewilligt, ein genauer Termin dafür steht noch nicht fest. Der Prozess wird voraussichtlich im August fortgesetzt werden. (APA, 4.7.2012)

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