Eine fette Leber macht anfällig für Leberkarzinome

4. Juli 2012, 10:40
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Karzinome nicht nur durch chronischen Alkoholkonsum und Hepatitis bedingt - Auch durch Adipositas und Diabetes

Wien - Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass das Leberzellkarzinom (HCC) - die häufigste Form von Leberkrebs - in Europa immer häufiger auftritt. In den meisten Fällen sind eine chronische Hepatitis B- und C-Infektion oder Alkoholmissbrauch die Ursache. Doch eine vor kurzem veröffentlichte Studie erbrachte deutliche Hinweise darauf, dass auch die nichtalkoholische Fettleber ein bedeutender Risikofaktor für HCC ist.

Jean-Francois Dufour von der United European Gastroenterology (UEG), Spezialist von der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin in Bern (Schweiz): "Die 'reine' (nicht alkoholische oder durch chronische Virusinfektionen bedingte, Anm.) Fettleber steht in engem Zusammenhang mit Adipositas und Diabetes, zwei Erkrankungen, die in ganz Europa immer häufiger auftreten." Die Ergebnisse dieser wichtigen Untersuchung legten nahe, dass die Anzahl der HCC-Diagnosen parallel zur Zunahme von Adipositas- und Diabetesfällen beträchtlich steigen wird. Das werde die Gesundheitssysteme vor eine enorme Herausforderung stellen. Auch in Österreich wachsen die Adipositas- und Diabetes-Raten ständig.

Spektrum an Lebererkrankungen

Die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) umfasst ein ganzes Spektrum von Lebererkrankungen, die mit Insulinresistenz, Diabetes und Adipositas zusammenhängen. Sie beginnt in der Regel mit Einlagerungen von Fett in der Leber (Steatosis), zu denen sich in einem fortgeschritteneren Stadium aber auch eine Entzündung mit Schädigung der Leberzellen gesellen kann (Steatohepatitis). Letztlich kann sie zur Leberzirrhose (Fibrose oder Vernarbung) und deren Komplikationen, insbesondere Leberkrebs, fortschreiten.

Derzeit besteht die einzige Methode zum Erkennen einer Fettleber in einer Leberbiopsie, einem invasiven Verfahren, das für die Vorsorgeuntersuchung bei Risikopatienten ungeeignet ist. NAFLD entwickelt sich gegenwärtig zu einer der häufigsten Lebererkrankungen in Europa und stellt heute ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit dar.

"Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Millionen Europäer von NAFLD betroffen sind. Nach einigen Studien tritt sogar bei bis zu einem Drittel der allgemeinen Bevölkerung eine Form dieser Erkrankung auf. Um das Entstehen von Leberkrebs bei Menschen mit fortgeschrittener Fettleber zu vermeiden, müssen wir die Öffentlichkeit über diese Lage aufklären und Vorsorgeuntersuchungen für HCC-gefährdete Personen - insbesondere Leberzirrhosepatienten - gemäß den Empfehlungen der neuesten europäischen Richtlinien einführen", erklärte Dufour.

Bedenkliche Erkenntnisse

Die Studie "Fatty Liver: Inhibition of Progression" (FLIP) wurde 2010 mit dem Ziel gestartet, ein besseres Verständnis von Lebererkrankungen bei Patienten mit NAFLD zu erlangen. In die wissenschaftliche Studie wurden HCC-Patienten aus Großbritannien, Italien, Frankreich, Brasilien, der Schweiz und Deutschland aufgenommen, die keine chronischen Lebererkrankungen und keine anderen Risikofaktoren außer der reinen Fettleber aufwiesen.

Laut den Autoren der Studie wurden über einen Zeitraum von 22 Monaten insgesamt 160 Fälle von Leberzellkarzinom erfasst. Dufour: "Die wohl bedenklichste Erkenntnis ist die Tatsache, dass 43 Prozent dieser Fälle bei Patienten auftraten, die nicht an Leberzirrhose, chronischer Hepatitis B oder C oder Alkoholismus litten und deshalb nicht zur Zielgruppe für Leberkrebs-Vorsorgeprogramme gehören würden." "Gastroenterologen müssen sich unbedingt darüber im Klaren sein, dass die nichtalkoholische Fettleber ein Vorzeichen für eine bösartige Erkrankung sein kann und ihre Patienten entsprechend behandeln", lautet das Fazit des Experten. (APA, 4.7.2012)

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