Private Investoren sollen Nicaragua-Kanal bauen

5. Juli 2012, 16:56
  • Frachter im nicaraguanischen Hafen Corinto: bald soll es eine Alternative zum Panamakanal geben
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    foto: reuters/oswaldo rivas

    Frachter im nicaraguanischen Hafen Corinto: bald soll es eine Alternative zum Panamakanal geben

51 Prozent des Kanals bleiben in Staatsbesitz - Parlament beschloss Bau einer neuen Schiffsverbindung zwischen Atlantik und Pazifik

Managua - Die Idee faszinierte Abenteurer, Ingenieure und Politiker schon im 19. Jahrhundert. Nun ist sie wieder aktuell: Nicaragua soll einen Kanal bekommen, der Atlantik und Pazifik verbindet. Mit dem Projekt, das Milliarden verschlingen würde, aber noch viel mehr Geld einbringen soll, will die Regierung des zentralamerikanischen Landes dem Panama-Kanal Konkurrenz machen. Das Parlament stimmte dem Vorhaben am Dienstag mit großer Mehrheit zu. Kritiker halten das Vorhaben aber für unrealistisch - und werfen der Regierung vor, nur von der Armut im Land ablenken zu wollen.

Für das Vorhaben, die zwei Weltmeere durch eine Wasserstraße zu verbinden, bietet Nicaragua günstige geografische Voraussetzungen. Schon während des kalifornischen Goldrauschs zur Mitte des 19. Jahrhunderts verlief durch das Land eine der wichtigsten Routen von der Ost- zur Westküste der USA, da sich der zentralamerikanische Isthmus dort großteils auf natürlichen Wasserwegen - dem Fluss San Juan und dem Nicaragua-See - durchqueren ließ.

Schon früh kam in den USA auch die Idee eines Kanals durch Nicaragua auf - doch  schließlich schafften es Investoren in das Panama-Projekt, den US-Kongress von ihrem Ansinnen zu überzeugen, indem sie das Gerücht verbreiteten, der Momotombo-Vulkan sei ausgebrochen und gefährde die Schifffahrt in Nicaragua. Als Beweis legten sie eine nicaraguanische Briefmarkenserie vor, die den rauchenden Vulkan zeigt.

Franzosen scheiterten

Nachdem die Franzosen mit ihrem Kanalbau-Projekt in Panama dramatisch gescheitert waren, verfolgten die USA den Bau später weiter. 1914 eröffneten sie den Kanal, den sie bis 1999 kontrollierten. Dann übergaben sie die Kontrolle an Panama. Durch den Kanal fließen derzeit rund fünf Prozent des Welthandels. Er erspart den Schiffen den langen und mühsamen Umweg um das Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas. Seit Panama den Kanal selbst verwaltet, bescherte er dem Land jährliche Einnahmen von einer Milliarde Dollar (aktuell rund 792 Millionen Euro).

Diese Zahl ist verlockend für das bitterarme Nicaragua. Deshalb schreckt die Regierung auch nicht vor den Rieseninvestitionen zurück, die sie mit 30 Milliarden Dollar angibt. Fließen sollen die Milliarden teils vom Staat, teils von privaten Geldgebern: Bisher hätten Unternehmen aus Brasilien, China, Japan, Russland, Südkorea und Venezuela Interesse angemeldet, versichert die Regierung. Der nicaraguanische Staat selbst will 51 Prozent am Kanal halten. Geprüft werden sollen nun zunächst sechs mögliche Strecken für die 200 Kilometer lange Wasserstraße, fertig sein soll sie in zehn Jahren.

Breiter und tiefer als der Panama-Kanal

Die Linksregierung von Präsident Daniel Ortega sieht Bedarf für den Kanal. Der Welthandel werde weiter wachsen, zudem soll die neue Wasserstraße breiter und tiefer als der Panama-Kanal werden - der derzeit selbst vergrößert wird. "Diese Initiative ist der Gipfelpunkt eines historischen Bestrebens Nicaraguas, von seiner geografischen Lage zu profitieren", sagt Jaime Incer, Umweltexperte im Präsidialamt.

Der frühere Parlamentsabgeordnete José Pallais teilt die Euphorie nicht. "Es ist schwer vorstellbar, dass das Projekt in den kommenden Jahren angegangen wird", sagt er. "Europa ist in der Rezession, Japan auch. Chinas Wirtschaft wächst langsamer, und Russland geht es wirtschaftlich schlecht." Der Kanal sei bisher nur "ein Traum".

Schwierige Finanzierung

Der Analyst Carlos Tünnermann kann sich allenfalls ein Engagement Chinas vorstellen. Doch derzeit habe die Volksrepublik seines Erachtens kein Interesse an Großinvestitionen in Nicaragua. Das Kanalprojekt sei eine "Illusion", sagt Tünnermann - und solle vor allem von der Misere in Nicaragua ablenken, wo die Hälfte der 5,8 Millionen Bewohner in Armut lebt.

Aber nicht nur die Finanzierung dürfte schwierig sein - auch Grenzkonflikte könnten das Projekt behindern. Eine der anvisierten Routen würde den Río San Juan nutzen. Der Fluss bildet einen Großteil der Grenze zu Costa Rica, einige Insekln im Mündungsbereich sind schon seit einem Jahrhundert umstritten ist. So forderte Costa Rica nach Bekanntwerden der Kanalpläne auch umgehend Erklärungen von Nicaragua.

Panama wiederum sorgt sich angeblich nicht wegen der möglichen neuen Konkurrenz: "Wir sind nicht beunruhigt, wir sind konkurrenzfähig", sagt der dortige Kanal-Chef Alberto Alemán. Zudem sei "jedes Infrastrukturprojekt in der Region positiv". (APA, 4.7.2012)

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Ich frage mich...

...ob bei diesen Schätzungen eines weiterhin steigenden Welthandels und Frachtverkehrs Prognosen zu künftigen Entwicklungen auf dem Energiesektor berücksichtigt wurden. Es klingt nicht danach. Durch die immer schwierigere, geringere und teurere Ölproduktion dürfte der ganze Energiesektor vor grossen Veränderungen stehen. Das Transportwesen betrifft das besonders stark, denn dieses ist zu nahezu 100% vom öl abhängig und kann kaum auf andere Energieträger umsteigen. Ob in ein paar Jahrzehnten also wirklich noch mehr und noch grössere Schiffe noch mehr Waren um die Erde fahren ist eine Einschätzungsfrage. Man darf berechtigte Zweifel daran haben.

Seh ich nicht so.

Die Dinger fahren mit dem grössten Dreck den es gibt (Heavy Fuel Oil) , und das Zeug geht noch lange nicht aus. Dazu kommt - Je grösser die Schiffe desto kleiner ist der Verbrauch je Tonne. Daher ist es besser grösser zu bauen wenn der Treibstoff ausgeht.
Dazu kommt : Alleine durch die grösse von den Dingern kann man neue Technologien einfacher einbauen. Man hat einfach den Platz dafür.

ich glaube, nicaragua muss erst noch bei den usa nachfragen...

ob sie das überhaupt dürfen!

Wie soll Nicaragua auch nur einen Dollar in ein derart riesiges Projekt pumpen koennen?

Das Land hat das Geld einfach nicht, und ohne dieses Geld wirds wohl nicht moeglich sein 51% der Anteile zu halten!

Noch wichtiger als die monetaeren Aspekte erscheinen mir aber die oekologischen. Was passiert mit den sensiblen Oekosystemen entlang des Rio San Juan und des Nicaragua-Sees durch derartige massive Eingriffe?

...bitterarmes Nicaragua
...30 Mrd Dollar Investition

und dann geht es der Bevölkerung besser...

rein kostenrechnerrische wie soll sich das rechnen? 30 mrd konstruktionskosten, der panamakanal erwirtschaftet als monopolbetrieb jaehrlich 792 millionen umsatz, wobei ja sicher auch kosten anfallen. die in panama koennen jederzeit mit den preisen runter gehen bis knapp ueber den erhaltungskosten, weil der kanal ist schon abgeschrieben. ausserdem 51% staatsbesitz? wer ist wahnsinnig genug und investiert da ein vermoegen? lol

Re: der panamakanal erwirtschaftet als monopolbetrieb jaehrlich 792 millionen umsatz, wobei ja sicher auch kosten anfallen

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Ich glaube, die 792 Mio beziehen sich auf den Gewinn.

Die Zahlen die ich auf die schnelle Gefunden habe

sprechen von einem Umsatz von 2 Mrd. USD in 2010.

Re: Umsatz von 2 Mrd. USD in 2010

'
Ja, ich glaube auch, dass hinkommt.

Die Überlegung von walter prohaska ist aber wohl trotzdem begründet. Der Gesamtumsatz wird sicherlich mit einem zweiten Kanal bedeutend zunehmen, da der alte erstens hoffnungslos überlastet und zweitens grössenmässig Beschränkungen unterliegt, die gerade die grössten (und zahlungskräftigsten) Schiffe zwingt, andere Routen zu nehmen.

Trotzdem ist die Rentabilität nicht so klar, vor allem die direkte, die ja für private Investoren ausschlaggebend ist. Staatliche Finanzierungen lassen sich eher auch durch Umwegrentabilitäten volkswirtschaftlicher oder politischer Natur rechtfertigen.

ich gehe natuerlich davon aus, dass die 51% von nicaragua nicht als geld einbezahlt werden, somit die gesamtkapitalkosten privat aufgebracht werden muessen. wovon sollen die nicaraguaner denn das geld hernehmen, schaetze dass ihr bruttosozialprodukt niedriger ist, als die 51%. auf sowas laesst sich kein normal denkender kapitalist ein, er zahlt und die anderen haben die mehrheit.

Re: ich gehe natuerlich davon aus, dass die 51% von nicaragua nicht als geld einbezahlt werden

'
Ich nehme an, das ganze ist im Moment ohnehin nicht mehr, als eine rein politisch motivierte Aussage von Ortega, um Aufmerksamkeit zu erregen, bzw. von irgend etwas anderem abzulenken.

Dazu passt das schon zusammen, einerseits ein gigantomanisches Zukunftsprojekt anzukündigen, das die Staatskasse möglichst wenig belasten soll, gleichzeitig aber unter Bedingungen, die dem nicaraguanischen Staat die volle Kontrolle und einen guten Teil der Einnahmen garantieren sollten.

Das wurde so sicherlich noch nicht ausverhandelt. Ich denke überhaupt nicht, dass es zur Zeit konkrete Finanzierungspläne für ein solches Projekt gibt.

Mehr Schiffe, grössere Schiffe. Warum nicht.

Weil wenn es grössere Schiffe werden, die Zahl sinkt.

Es ist wirtschaftlicher 1 Schiff mit 10.000 containern durch die gegend zu schicken als 3 mit 3000. Dabei sinkt aber auch die BRT Zahl nach der im Panamakanal die Durchfahrtsgebühr berechnet wird.

Jetzt stimmt es sicher das der Schiffsverkehr im Kanal steigt und auch die Einnahmen steigen würden wenn grössere Schiffe auch eine möglichkeit zur Durchfahrt haben.

Die Frage ist blos : Steigt er so sehr das beide Kanäle ausgelastet sind ?`

Kritiker halten das Vorhaben aber für unrealistisch [...]

Herzig. Was wohl die Kritiker des Panamakanals damals gesagt haben?

Würden alle Menschen so denken, würden wir heute noch in Höhlen leben... dieses Fortschrittsdenken, diese Fähigkeit, derart groß(artig)es zu leisten, unterscheidet uns doch erst von den Tieren.

Go Nicaragua!

Haha, das mit den Tieren ist gut !

Affen könnten z.B. nie eine Wasserstoffbombe bauen . Nie.
Deswegen brauchen wir den Kanal .

Seltsame Argumente.

- In Nicaragua WOHNEN nämlich Hunderttausende in Hütten, die nicht viel besser als Höhlen sind. Die hätten übrigens sehr wenig von so einem großartigen Kanal.
- Man könnte auch einen Kanal quer durch Österreich bauen. Das ist aber ebenfalls sehr unrealistisch, und trotzdem ist bei uns die Gefahr des landesweiten Höhlenbewohnens sehr gering.
- Ein Biber z.B. kann ein einer Woche ganz allein einen Damm bauen, denn ein ganzer Arbeitstrupp nicht fertigbringen würde. Und trotzdem macht er das nicht aus "Fortschrittsdenken".

Prinzipiell gilt: man MUSS nicht alles bauen, was man kann. Vor allem, wenn niemand es wirklich BRAUCHT.

Re: man MUSS nicht alles bauen, was man kann. Vor allem, wenn niemand es wirklich BRAUCHT

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Das ist ein bisschen simpel argumentiert.

Die Überlegung ist durchaus zulässig, dass ein Staat seine natürlichen Ressourcen (hier: Transportwege) ausbaut, um daraus Gewinn zu machen, damit dieser der Volkswirtschaft des Landes und damit breiten Teilen der Bevölkerung zu gute kommt.

Es ist aber zu beachten:

1.) Ist das Projekt wirtschaftlich wirklich rentabel?

2.) Wird es mit diesem Ziel bewirtschaftet, d.h. fliessen die zu erwartenden Gewinne dann wirklich in volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen, die möglichst vielen im Land zugute kommen, oder werden sie in Prestigeprojekten und Korruption verschwendet?

Der Flughafen Wien hätte da eine fähige Abteilung

Ahnungslos, Bestechlich, usw. Den Mensdorf könnten wir vorerst hinschicken zum klarmachen.
Dann noch ein paar größenwahnsinnige Briefträger und deren ORF Freunderl (ganz nach FWAG Muster) - ALLES WIRD GUT!!

es kann nur einen geben!

Sollte dieses Projekt jemals realisiert werden, wird die Seefracht wird auf jeden Fall billiger werden. Es wird ein erbarmungsloser Preiskampf starten, in dem jedes dieser Kanalländer verlieren wird.

Du glaubst doch nicht, dass die Gewinne den kleinen Leute zu Gute kommen.

Wie im Artikel zu lesen, soll das Projekt von ausländischen Investoren finanziert werden.
Viel eher ist zu erwarten, dass Begehrlichkeiten geweckt werden, die in dieser sensitiven Region zu Konflikten führen müssen, die die Bevölkerung in diesem Gebeutelten Land unweigerlich in neue Kriege zwingt.

Re: Viel eher ist zu erwarten, dass Begehrlichkeiten geweckt werden, die in dieser sensitiven Region zu Konflikten führen müssen, die die Bevölkerung in diesem Gebeutelten Land unweigerlich in neue Kriege zwingt

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Richtig. Drum belassen wir sie besser in ihrer Armut, damit Begehrlichkeiten nach einem bisschen Wohlstand gar nicht aufkommen können. So werden Kriege vermieden...

viva el extractivismo!

Damit reiht sich Ortega in dei reihe linker regierungen ein, die die Ausbeutung der natürlichen ressourcen auf dem Kontinent fortsetzen

Daniel Ortega ist längst kein Linkspolitiker mehr.

Er ist ein Diktator, der Wahlfälschung betreibt, das Land ausblutet und mit solchen Projekten dem totalen Wahnsinn verfallen ist.

... waehrend die rechten Regierungen in Lateinamerika ja ueberall Naturschutzgebiete aufbauen.

Man kann sich wirklich nur ueber den Schwachsinn wundern, denn manche Poster hier absondern.

und auf welchen mist is diese idee gewachsen?

kleiner rückblick:
http://cubaout.wordpress.com/2010/11/1... -y-panama/
und schon nimmt das ganze wieder eine antiimperialistisch bolivarianische richtung an.
versichert kann man sein, dass das volk von solch einen projekt wenig haben wird,.. außer enteignungen, vertreibungen, zerstörung der flusslandschaft usw.

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