Suche nach vermisstem Zehnjährigen auf Nordseeinsel geht weiter

4. Juli 2012, 11:16
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Ansturm auf Facebook-Seite - Ausstrahlung in "Aktenzeichen XY" am Abend - Bisher waren alle großen Suchaktionen ergebnislos

Wien/Amrum/Husum - Auf der Nordseeinsel Amrum (Schleswig-Holstein) herrscht weiter Bangen um das Schicksal des zehnjährigen Sebastian aus Wien. Am Mittwochvormittag haben Suchmannschaften erneut begonnen, die rund 20 Quadratkilometer große Insel zu durchkämmen. Bisher waren alle großen Suchaktionen mit Hubschraubern und Wärmebildkameras seit dem spurlosen Verschwinden des Urlauberkindes am vergangenen Sonntag vergeblich geblieben.

Weiterhin werde in alle Richtungen ermittelt, sagte Matthias Glamann, Sprecher der Polizeidirektion Husum. "Alle Maßnahmen konzentrieren sich darauf, den Vermissten zu finden." Dazu seien mehr als 50 Einsatzkräfte, darunter die Ermittler sowie Beamte der Bereitschaftspolizeiabteilung Eutin und Diensthundeführer mit ihren Suchhunden, am Vormittag abermals aufgebrochen, "um infrage kommendes Gelände zu durchsuchen". Die Aktion erstrecke sich "auf den gesamten Inselbereich".

Polizeisprecherin Kristin Stielow, die sich mittlerweile an Ort und Stelle auf Amrum befand, betonte: "Wir geben nicht auf. Wir greifen jede Spur auf." Weder ein Unglück, noch ein Verbrechen sei auszuschließen.

Polizei sucht Spielkameraden

Sebastian hatte seit Ferienbeginn mit seinen Eltern und seinen Schwestern auf der bei Touristen beliebten Insel Urlaub gemacht. Am späten Sonntagnachmittag wurde der blonde Bub zuletzt nahe der Gemeinde Wittdün gesehen worden. Er spielte mit anderen Kindern auf dem "Piratenschiff" eines Abenteuerspielplatzes, der ganz in der Nähe des Ferienhauses der Familie liegt.

Zeugen wollen den Zehnjährigen kurz vor seinem Verschwinden gegen 18.00 Uhr mit einem anderen Kind gesehen haben. Die Polizei sucht diesen Buben. "Vielleicht hat Sebastian dem Kind erzählt, was er noch vorhatte, oder dass er vielleicht jemanden kennengelernt hat", sagte Stielow. Ein anderer Spielkamerad, Lukas, hatte sich nach Polizeiaufrufen am Dienstag gemeldet, konnte aber offenbar nichts zur Aufklärung des Falls beitragen.

Am Dienstag forderte die Polizei Einheimische und Urlauber auf, sie sollten Fotos und Videos, die am Tag von Sebastians Verschwinden auf dem Spielplatz entstanden waren, zur Verfügung stellen. "Es gehen laufend neue Hinweise ein. Der entscheidende Tipp war bisher nicht dabei. Es gibt keine heiße Spur", bedauerte Glamann.

"Aktenzeichen XY" soll helfen

Die Ermittler schließen nicht aus, dass Sebastian irgendwie aufs Festland gelangt ist. Bei der Suche helfen sollen daher auch die Veröffentlichung von Fotos im Internet sowie die Zusammenarbeit mit dem deutschen Verein Initiative Vermisste Kinder und dessen gemeinnütziger Organisation "Deutschland findet euch", die auf ihrer Facebook-Seite den Fall unter dem Titel "Deutschland sucht Sebastian" publik gemacht hat. Seit der Onlinestellung am Dienstag bis Mittwochvormittag hatten schon fast 26.000 Mitglieder des soziales Netzwerks den Aufruf "geteilt" und an ihre Bekannten weitergeleitet. Am Mittwochabend (20.15 Uhr im ZDF) greift auch die TV-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" das Drama auf.

Eine Sprecherin der Freiwilligen Feuerwehr auf Amrum berichtete laut dpa, dass die Einsatzkräfte auf Amrum von vielen Insulanern unterstützt werden: "Hier sind sehr viele Menschen, die etwas tun wollen und mitsuchen." (APA, 4.7.2012)

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    Seit Sebastians Verschwinden wird auf der Nordseeinsel Amrum intensiv nach ihm gesucht.

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