Ausschreitungen bei Protesten gegen Fabrik-Neubau

Gegner fürchten Umweltschäden durch Schwermetall-Verarbeitung

Peking - Bei Protesten gegen einen Fabrik-Neubau in der südwestchinesischen Stadt Shifang ist die Polizei nach Angaben von Augenzeugen den zweiten Tag in Folge gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Wie Bewohner berichteten, setzten Beamte am Dienstag Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein, die den Bau einer Fabrik zur Verarbeitung von Schwermetallen verhindern wollen. Am Montag hatte es bei den Protesten schwere Ausschreitungen gegeben. Nach Regierungsangaben bewarfen Demonstranten Verwaltungsgebäude mit Steinen, beschädigten Autos und griffen Polizisten an.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders wurden bei dem Polizeieinsatz gegen die Demonstranten am Montag zwei Menschen getötet. Polizei und Regierung erwähnten keine Todesopfer. Die Polizei warnte die Fabrik-Gegner am Dienstag, ihre Proteste fortsetzen. Jeder, der "illegale" Handlungen begehe, werde "schwer bestraft". Gemeint waren einer Mitteilung der Polizei zufolge unerlaubte Versammlungen, Demonstrationen, Sachbeschädigungen oder Plünderungen. Demnach war auch die Nutzung des Internets oder von Mobiltelefonen für den Protest untersagt.

Proteste

Nach Angaben von Augenzeugen gab es am Dienstag den Warnungen zum Trotz mehrere Protest-Kundgebungen in der Stadt. Ein Bewohner sagte, die Polizei habe Schlagstöcke und Tränengas eingesetzt, um die Teilnehmer zu vertreiben. Auf der Regierungs-Webseite enorth.com.cn hieß es, die Polizei habe am Montag Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt. Mehrere Polizisten seien bei dem Einsatz verletzt worden, dutzende Polizeifahrzeuge seien beschädigt worden.

Umweltfragen sind in China, wo das rasante Wachstum nicht selten auf Kosten der Umweltschutzes geht, immer häufiger Anlass für Proteste. Die 220.000-Einwohner-Stadt Shifang in der Provinz Sichuan kämpft noch immer mit den Folgen des schweren Erdbebens von 2008, bei dem in der Region zehntausende Menschen getötet wurden. (APA, 3.7.2012)

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