Repressive Regime: Die Allerschlimmsten

Kommentar3. Juli 2012, 19:23
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Der Iran erfüllt laut Freedom House die Bedingungen für die Allerschlimmsten nicht, er steht nicht auf der Liste

Zu den Nachwehen der arabischen Revolten gehört es, dass man im Westen reuevoll an die Brust klopft: Ja, man hat viel zu viel mit den undemokratischen Regimen kooperiert und viel zu wenig mit den oppositionellen Kräften gesprochen - was zu einer Entfremdung geführt hat, die man noch lange spüren wird. Aber in Zukunft wird alles anders, nicht wahr?

Das renommierte Freedom House hat soeben seinen neuen Bericht über die "Schlimmsten der Schlimmen 2012: Die repressivsten Gesellschaften der Welt" veröffentlicht. Und siehe da, dieses Jahr ist mit acht anderen jenes Land dabei, ohne dessen Kooperation die gesamte harte Iran-Politik der USA und der EU sofort zusammenbrechen würde: Saudi-Arabien. Auf der Liste ist auch Usbekistan, von dessen Präsident Islam Karimow zu Wochenbeginn gemeldet wurde, dass er sich vielleicht jetzt wieder gegen Moskau und für Washington entscheiden wird. Er wird dort mit offenen Armen aufgenommen werden.

Der Iran erfüllt laut Freedom House die Bedingungen für die Allerschlimmsten nicht, er steht nicht auf der Liste. Was ihn nicht besser macht. Aber der Bericht ist ein guter Anlass, darüber nachzudenken, dass westliche politische Bewertungen durch einen Kriterien-Mix zustande kommen - und innere Repression durch eine dem Westen gefällige Außenpolitik meist locker ausbalanciert werden kann. So war es immer, und so wird es immer sein. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 4.7.2012)

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