Unilehrerleiden

Einserkastl3. Juli 2012, 19:02
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Prüfungen bringen bei Studis eine gewisse Verhaltensoriginalität zum Vorschein

Das Geschäft des oder der Lehrbeauftragten an einer österreichischen Universität hat seine schönen Seiten, obwohl man sich, wenn man die Arbeit ernst nimmt, mit einem durchschnittlichen Stundenlohn unter dem einer Reinigungskraft zufriedengeben muss: Aber sich mit interessierten, intelligenten Studierenden auszutauschen macht einfach Spaß. Wenn nur die Prüfungen nicht wären! Nicht dass die vorher erwähnten Studis diese nicht meist mit Bravour meistern würden - bei anderen bringt der Anlass aber manchmal eine gewisse Verhaltensoriginalität zum Vorschein.

Was aber andererseits auch wieder ein Quell der Unterhaltung sein kann: " Ich habe Ihren vierten (und letzten, Anm.) Prüfungstermin leider versäumt, kann Ihnen aber einen anderen Termin anbieten", ist ein Klassiker. Die grassierende Anrede "Hallo" in solchen Mails lockt auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Wenn einem jedoch angeboten wird, die Prüfung - bei der schriftliche Fragen "live" beantwortet werden müssten - in E-Mail-Form abzunehmen, dann tippt man sich schon einmal versehentlich auf die schweißnasse Lehrerinnenstirn. Und wenn ein privater Prüfungstermin gefordert und einem dafür eine Einladung zum Kaffee in Aussicht gestellt wird - mit der Versicherung, mit dem Prüfling über alles, was man will, reden zu dürfen -, dann schlägt das Lachen vielleicht sogar in Weinen um. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 3.7.2012)

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