Lockenhaus bleibt spontan

3. Juli 2012, 18:55
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Das Konzept beim Festival in Lockenhaus bleibt wie unter Gidon Kremer bestehen. Der Leiter aber ist neu: Cellist Nicolas Altstaedt

Seit Jahrzehnten ist das Musikfestival in Lockenhaus ein Ort relativ spontan angesetzter, aber hochkarätig dargebotener Kammermusik. Und seit Jahrzehnten wurde das Festival mit dem Namen des Gründers in Verbindung gebracht. Meistergeiger Gidon Kremer hat dafür gesorgt, dass Talente und etablierte Könner in intensiver Zusammenarbeit Werke erarbeiten, deren Aufführung dann - für klassische Verhältnisse - kurzfristig angesetzt wurde.

Das war und ist der Reiz von Lockenhaus: Abseits des Tourneebetriebs vertiefende Probenarbeit zu leisten und entsprechend profunde Interpretationen zu präsentieren, die hoffentlich auch noch jene Extraaura des überraschenden Musizierens beinhalten.

Nun allerdings bricht eine neue Ära an. Gidon Kremer hat sich entschlossen, sein "Amt" niederzulegen, und er hat mit dem Cellisten Nicolas Altstaedt einen Nachfolger gefunden. Der 1982 als Sohn deutsch-französischer Eltern in Heidelberg geborene Altstaedt gehörte zu den letzten Schülern des verstorbenen russischen Cellisten Boris Pergamenschikow und gehört zu den wichtigen Instrumentalisten seiner Geration.

Natürlich hat er in Bezug auf Lockenhaus nicht vor, Kremers Modell zu verändern. Unter dem Motto "Metamorphoses" betreut er insgesamt 15 Konzerte, an einem Ort, den er als Teilnehmer des Festivals schon seit einiger Zeit selbst kennt. An einem Ort, der für ihn eine Möglichkeit bietet, "ohne Narzissmus und andere Irrwegen des Künstlerbetriebs der Musik zu dienen, die Offenheit des Kindes zu bewahren und Unerwartetes zuzulassen".

Dem Publikum kredenzt er Werke von Bach bis Bernd Alois Zimmermann (insgesamt an die 40 Komponisten). Und nicht übersehen: Die Konzertprogramme werden 48 Stunden vor Beginn veröffentlicht. Frühestens. (tos, DER STANDARD, 4.7.2012)

5. bis 11. Juli

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