Verführungskunst eines Bariton-Bärs

3. Juli 2012, 18:44
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Im Rahmen des Jazzfests Wien tritt Gregory Porter in der Staatsoper auf

Gregory Porter ist der kommende Star des Vokal-Jazz. Im Rahmen des Jazzfests Wien konzertiert er am Mittwoch - im Doppelkonzert mit Melody Gardot - in der Staatsoper. Noch vor einem Jahr war er selbst unter Fachleuten so gut wie unbekannt. Heute spricht man von Gregory Porter als einem Sänger mit dem Potenzial zur Weltkarriere.

Denn der Sänger aus Bakersfield in Kalifornien, äußerlich ein Bär von einem Mann, vereint auf einzigartige Weise zwei Talente in sich: Zum einen ist da der beeindruckende Soul-Bariton mit dem warmen, vollen Timbre. Zum anderen aber ist da der Songwriter, der Schöpfer starker, bildhafter Texte und eingängiger, dabei überraschungsreicher Melodien. Demonstriert wird das etwa im Titelsong Be Good (Lion's Song) des neuen, zweiten Albums (Motéma). In diesem Lied verwandelt sich der Bär in einen Löwen, der stolz seine Mähne zeigt, der von der Angebeteten, die da lockend um seinen Käfig tanzt, jedoch mit bittersüßen Worten auf Distanz gehalten wird. Ein paar Lieder weiter hat sie der Löwe für sich gewonnen: In Real Good Hands hält er ganz altmodisch um ihre Hand an. Getragen von der sonoren Gänsehaut-Stimme Porters gerät das Lied zum berührenden Meisterwerk: Diesem Schwiegersohn würden wohl alle Türen offen stehen.

Porter strebte ursprünglich eine Karriere als American-Football-Profi an, ehe ihn eine Schulterverletzung zum Umsatteln zwang. Und wurde für ein Musical an den New Yorker Broadway engagiert. 2010 erschien das späte Debütalbum des Vierzigjährigen: Water wurde prompt für einen Grammy nominiert. Seither zeigt die Karrierekurve steil bergauf. Zu Recht: Gregory Porter, dieser Bariton-Bär mit der samtenen Stimme, hat das Zeug, auch hartgesottene Vokal-Jazz-Abstinenzler zu verzaubern. (felb, DER STANDARD, 4.7.2012)

4. 7., Staatsoper, 19.30

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