Nur das Bubenklo findet Lisa noch "grausiger"

Reportage | Kerstin Scheller
4. Juli 2012, 05:30
  • Wollen das Lernumfeld aktiv mitgestalten: Nachdem die Kinder ihre Volksschule inspiziert hatten, schrieben manche auf Zettel, was ihnen im Schulhaus gefällt und was gar nicht.
    foto: standard/walkolbinger

    Wollen das Lernumfeld aktiv mitgestalten: Nachdem die Kinder ihre Volksschule inspiziert hatten, schrieben manche auf Zettel, was ihnen im Schulhaus gefällt und was gar nicht.

154 Jahre alt ist die Volksschule in Enns. Jetzt gibt es Geld für die Sanierung. Erstmals in Österreich lässt eine Stadt Schüler, Lehrer und Eltern mitplanen

Enns - Lara stellt sich in Position. Mit dem Daumen ihrer rechten Hand zeigt sie nach unten. Den Eingangsbereich ihrer Schule mag sie absolut nicht. Flo fotografiert seine Mitschülerin. Dann will die Lehrerin von ihr wissen, warum sie sich dort so unwohl fühlt: "Da ist morgens immer so ein Gedränge." Die anderen vier Kinder, die neben Flo stehen, nicken bestätigend. Nur Lisa überlegt kurz, ob sie nicht die Stelle vor dem Bubenklo im zweiten Stock noch "grausiger" finden soll. "Da stinkt's immer so", meint die Drittklässlerin und hält sich die Nase zu.

Gemeinsam mit der Lehrerin sind die sechs Volksschüler in dem 154 Jahren alten Schulgebäude am Ennser Kirchenplatz unterwegs, um ihre ungeliebten und ihre Lieblingsorte zu erkunden und diese anschließend auf einem Plan zu markieren.

Die Schulhausexkursion ist der erste Teil eines zweitägigen Workshops zur längst überfälligen Renovierung der einstigen "Kaiser-Franz-Josef-Schule". Mit zwei Millionen Euro sei die Sanierung veranschlagt, 35 Prozent der Kosten übernehme das Land, berichtet Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ). Und erstmals in Österreich lässt eine Gemeinde als Schulerhalter Lehrer, Schüler und Eltern mitplanen. Der Wiener Architekt Franz Ryznar, Initiator der Plattfrom " SchulUMbau", erhielt von Karlinger den Auftrag.

Pädagogen, Architekten und Fachleute der Schulverwaltung haben die Plattform gegründet, um "Denkanstöße für einen zeit- und kindgemäßen Schulbau" zu geben. "Jeder Neu- und Umbau muss in architektonischem und pädagogischem Einklang geschehen", erklärt Ryznar. Dies bedeute, Lehrer und Schüler sollen das Lernumfeld aktiv mitgestalten.

In Enns ist zwar der Auftrag zur Sanierung bereits an einen Architekten vergeben, doch dann erfuhr der Bürgermeister von der Plattform. Die Idee, "im Vorfeld auf die Wünsche aller einzugehen", habe ihn überzeugt, die vorliegende Machbarkeitsstudie soll adaptiert werden.

Minus- und Pluspunkte

Nachdem 50 Schüler, aufgeteilt in kleine Gruppen, die Plus- und Minuspunkte ihrer Schule ausfindig gemacht haben, sind Lehrer und Eltern an der Reihe. "Wir haben nur einen Kopierer, der steht im Erdgeschoß, doch die meisten Klassen sind im ersten und zweiten Stockwerk", legt eine junge Lehrerin los. An den notorischen Platzmangel - die Vorschulklasse musste bereits in den gegenüberliegenden Pfarrsaal ausgelagert werden - scheint man sich hingegen schon gewöhnt zu haben. Offene Lernformen seien in der Kasernenschule mit einem langen schmalen Gang pro Stockwerk, von dem die Klassenzimmer weggehen, kaum möglich.

Julias Mutter stört vor allem, dass es vor dem Schulhaus keinen überdachten Wartebereich gibt. Denn erst ab 7.45 Uhr dürfen die Kinder hinein, durch die viel zu kleine Eingangstür, durch den viel zu engen Flur Richtung Steinstiege. Lara hat manchmal richtig Angst, "dass ich zerdrückt werde". Viel lieber ist ihr der Turnsaal, dort "habe ich Platz", oder aber die Balancierstange im Schulgarten. Sofort hüpft sie hinauf, lacht Flo zu, der ein Foto von ihr an ihrem Lieblingsort macht. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 4.7.2012)

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Warum ist "Klo" noch nicht gegendert ?

tja eines tages wird dort lisa ihr erstes mal erleben..

also wenn sie zum ersten mal einen hammer in der hand haben wird beim renovieren

...

gerade noch die Kurve gekriegt - was ;-)

mhm ja..^^

"Und erstmals in Österreich lässt eine Gemeinde als Schulerhalter Lehrer, Schüler und Eltern mitplanen."

super!

Interessant. Würde da jetzt "Mädchenklo" in der Überschrift stehen, wäre schon die Sittenwächterpolizei mit schweren Geschützen ausgerückt. Aber bei Buben ist das ja anders; die dürfen ja konsequenzenlos diskriminiert und beschämt werden. Das scheint ja von der Autorin auch so beabsichtigt.

Armer schwarzer Kater!

Das ändert sich mit dem Alter.
Bei den Erwachsenen können die Männer in Belangen der Sauberkeit nicht mehr mit den total vermüllten Frauentoiletten mithalten.. ;)

Jeder Gastronom und jede ehrliche Frau wird dies bestätigen...

habe selbst lange in der Gastronomie gearbeitet und kenne den vergleich zur Genüge.

In Damenklos findet man teils Zustände vor die mehr als nur jenseitig sind ..

Von OBs und Binden die einfach an die Wand geklatscht werden .. oder oben auf dem Spülkasten deponiert .. mal ganz abgesehn,

Frauenklos sind, leider, sehr gruselige Orte :-/

die diskussion geht ein bisserl am thema vorbei...

Warum, weil Frauen geoutet werden und nicht kleine Buben?

Sexismus betrifft alle Altersklassen...

nein. weil das thema die renovierung einer schule ist.

Haben Sie die Überschrift gelesen und damit auch die eigenwillige Betonung dieses "details"?

also .. trifft der Thread sogar recht präzise den Erstinformationsgehalt des Artikels (Der Headline) ...

Guter Einwand.

Wenn das nächste mal in der Überschrift steht "die und die Nationalität" dürfen sich unsere moralisch überlegen fühlenden Mitposter auch nicht beschweren...

Obwohl DAS wohl nie im Standard stehen wird...

wollt ich auch gerade schreiben.

den "herren" würds am "damen"-wc grausen, so wie den "mädchen" vorm "buben"-klo.

Die Überschrift greift ja direkt den wichtigsten Satz des ganzen Artikels heraus... :-)

hier werden prioritäten noch richtig gesetzt!

wen interessiert schon ob hier lesen gelernt wird wenn doch der eingang zu schmal ist und der kopierer im falschen stock steht!!

Ein angenehmens Umfeld für Schüler und Lehrer ist in meinen Augen eine Grundvorraussetzung für Spaß am Lernen (auch lesen lernen natürlich).

Und ohne Spaß wird nicht viel gelernt.

hier werden prioritäten noch richtig gesetzt!

wen interessiert schon ob in Afrika Kinder verhungern wenn in Enns nicht lesen gelernt wird!

es geht um nutzung eines gebäudes.
der eingang ist zu eng, sie hat angst erdrückt zu werden. kein angenehmes gefphl, und das jeden werktag. warum soll das nicht respektiert werden? weniger angst in dn schulen macht den kopf zum lernen frei!

dann sollte erstens den wartenden schülern disziplin beigebracht werden und zweitens die wartenden schüler schon früher ins gebäude gelassen werden.

das sind 2 lösungen, die aber zuerst das erkennen voraussetzt, das ein problem herrscht. in dieser schule wurde das finden der probleme in einer gemeinschaftsarbeit erledigt. wo ist Ihr problem?

Die brauchen im ersten- und ggf. im zweiten Stock auch einen Kopierer.
"Wir haben nur [einen] Kopierer, der steht im Erdgeschoß, doch die meisten Klassen sind im ersten und zweiten Stockwerk,.."

weil sie sonst die gangaufsicht verlassen müssen? weil die pausen so kurz sind, und sie nicht schnell was kopieren müssen?

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