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STANDARD: Wie schaut Ihre bisherige Bilanz in Wien aus?
Kraus: Der Start mit dem Umbau, der Neugestaltung unseres Erscheinungsbildes sowie der Wiedereröffnung war äußerst erfolgreich. Ich wurde von unserem Publikum, der Presse und auch von meinen Kolleginnen und Kollegen mit offenen Armen aufgenommen, worüber ich mich sehr gefreut habe.
STANDARD: Und die Mitarbeiter? Täuscht der Eindruck, oder kommen Ihnen Ihre besten Kräfte abhanden?
Kraus: Zuletzt wurde mir in der Tat eine wichtige Mitarbeiterin von einem anderen Bundesmuseum abgeworben, worüber ich natürlich nicht erfreut bin.
STANDARD: Hat sich das Mumok von seinem Besucherrückgang von fast 38 Prozent wieder erholt?
Kraus: Die dreimonatige Schließung wegen Adaptierungsarbeiten verursachte den Besuchereinbruch. Das neue Jahr ist sehr gut angelaufen, die Claes-Oldenburg-Ausstellung gehört zu den besucherstärksten Ausstellungen seit dem Einzug des Mumok ins Museumsquartier. Ihre Tournee - Köln, Bilbao, New York und Minneapolis - wird unseren internationalen Ruf stärken. Auch die aktuelle Ausstellung "Reflecting Fashion. Kunst und Mode seit der Moderne" ist gut angelaufen.
STANDARD: Sie haben das Mumok 2011 mit einem "Museum der Wünsche" wiedereröffnet. Wie viele Wünsche wurden Ihnen denn bisher erfüllt?
Kraus: 19 von 36. Das "Museum der Wünsche" ist als Langzeitprojekt geplant, als Signal, dass das Museum trotz schwindender Mittel der öffentlichen Hand seiner Kernaufgabe, dem Sammeln, nachkommen möchte. Mein Kuratorenteam und ich arbeiten an der Erfüllung weiterer Wünsche, die unsere Sammlung erweitern oder ergänzen.
STANDARD: Sie sprechen von Subventionskürzungen. Tatsächlich haben Sie für die "Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit" sogar um 2,6 Millionen Euro mehr bekommen.
Kraus: Stimmt. Die Basisabgeltung wurde nicht gekürzt, die Kosten steigen aber immer mehr, sodass unterm Strich für den Ausbau der Sammlung nicht viel übrig bleibt. Um unsere Besucherzahlen und somit die Einnahmen aus Eintritten halten oder steigern zu können, müssen wir parallel zu unseren Sammlungspräsentationen mindestens einmal im Jahr eine publikumsträchtige Wechselausstellung zeigen. Es gehört aber auch zu unseren Aufgaben, jüngere Künstlerpositionen vorzustellen, die noch nicht so viel Publikum anlocken. Diese Gratwanderung gilt es immer wieder von neuem zu bestehen. Die großzügige Unterstützung des Bundesministeriums anlässlich meines Amtsantrittes machte die umfangreichen Umbauarbeiten zur architektonischen Optimierung des Museums möglich - dafür bin ich dankbar.
STANDARD: Gibt es Künstler, die Sie entdeckt haben?
Kraus: Entdecken ist nach meinem Dafürhalten der falsche Ausdruck. Aber es gibt sicher einige, die ich in einer ersten institutionellen Einzelausstellung präsentiert habe und die mittlerweile im internationalen Kontext stehen: Kai Althoff etwa, Amelie von Wulffen oder Henrik Olesen, den wir nun auch mit erfüllten Wünschen in die Sammlung des Mumok integrieren konnten. Und ich habe ganz früh Künstler wie Martin Kippenberger unterstützt. Ich lernte ihn 1981 kennen, mich hat die Qualität seiner Arbeiten nie wieder losgelassen. Die Zeit hat bestätigt, dass ich an der richtigen Position festhielt.
STANDARD: Was war das Schlüsselwerk für Ihr Kunstverständnis?
Kraus: Ein Bild von Jörg Immendorff: eine relativ schäbige, schlechte Malerei, die mit einem Kreuz und dem Titel gebenden Aufruf "Hört auf zu malen" übermalt wurde. Ich entdeckte, dass es in der Kunst noch etwas anderes gibt als Malerei. Damals begann ich, mich mit Konzeptkunst und Minimal Art auseinanderzusetzen.
STANDARD: Jeder Museumsdirektor gibt der Sammlung eine bestimmte Prägung, Sie offensichtlich die der Konzeptkunst?
Kraus: Was nicht bedeutet, dass hier nur konzeptuelle und minimalistische Positionen zu sehen sein werden. Wir zeigten im "Museum der Wünsche" auch großartige Gemälde aus den 1980er-Jahren von Richard Prince oder Albert Oehlen, dem wir nächstes Jahr eine Ausstellung ausrichten. Oder von Martin Kippenberger, der hier zwar eine umfangreiche Retrospektive hatte, aber in der Sammlung nicht vertreten ist. In diesem Bereich hat das Mumok sicher Defizite. Diese Lücken zu füllen ist jedoch schwierig. Die Bilder bewegen sich in Preiskategorien, die sich ein österreichisches Bundesmuseum nicht mehr leisten kann.
STANDARD: Mithilfe von Sponsoren?
Kraus: Ja. Aber mit zunehmender Krise wird es schwieriger, private Gelder an unser Haus zu binden. Trotzdem waren wir im letzten Jahr sehr erfolgreich, auch dieses Jahr konnten wir unser Sponsoringziel schon erreichen.
STANDARD: Welche Ausstellungen sind geplant?
Kraus: Im Oktober eine Ausstellung mit Dan Flavin, einem der wichtigsten amerikanischen Minimal Artists. Danach Franz West und die schon erwähnte Oehlen-Retrospektive. Im Anschluss daran planen wir Ausstellungen mit zwei Künstlerinnen, deren Namen ich aber noch nicht nennen kann. Und 2014 werde ich eine umfangreiche Retrospektive von Cosima von Bonin kuratieren.
STANDARD: Der Direktor eines wichtigen internationalen Museums hat zu Hause keine Kunst, um nicht in den Geruch der Geschenkannahme oder Spekulation zu kommen. Außerdem braucht er daheim leere Wände, sagt er.
Kraus: Ich brauche die nicht. Für mich ist das Zusammenleben mit Kunst sehr wichtig. Ich war immer von Kunst umgeben, und diesbezüglich gibt es bei mir keine Trennung zwischen meinem Berufs- und Privatleben. Ich kann ja nicht sagen: "Zu Hause interessiert mich Kunst nicht." Auch in meiner Freizeit ist die Kunst das wichtigste Thema, ich schaue mir privat viele Ausstellungen an. So steht einmal im Monat ein samstäglicher Galerienrundgang auf meinem Programm.
STANDARD: Wie ist das mit Künstlergeschenken?
Kraus: Ich lasse mir als Mumok-Direktorin natürlich nur Kunst für das Museum schenken. Was, das entscheide ich gemeinsam mit den Kuratoren und Kuratorinnen. Denn die Schenkungen müssen sich natürlich in unser Sammlungskonzept einfügen.
STANDARD: Mit welchem internationalen Museum wollen Sie sich messen?
Kraus: Mit dem MACBA, dem Museu d'Art Contemporani de Barcelona. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 4.7.2012)
Karola Kraus (51), die Tochter des deutschen Sammler-Ehepaars Anna und Dieter Grässlin, leitete u. a. den Kunstverein Braunschweig und die Kunsthalle Baden-Baden. Seit 1. Oktober 2010 ist sie Direktorin des Mumok.
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ich war letztens das erste mal im mumok (was schon in vielen modernen museen, aber das nächstgelegene hab ich offensichtlich ausgelassen) und es gibt da schon ein paar kritikpunkte
die aktuelle ausstellung "reflection fashion" ist qualitativ sehr gut, aber hoffnungslos überlagen, weniger wäre tatsächlich mehr
was mich sehr gestört hat, was der umgang mit moderner kunst der ab den 60ern (lieblos irgendwie mit 60's art beschriftet), die sammlungen sind sehr umfangreich, grad von den aufbrüchen der späten 50er in die 60er und 70er ist vieles dabei, wenn man etwas in der materie ist, sieht man tolldie entwicklung! und dann steht man wiederum sprachlos, wenn r.rauschenberg in einem versteckten eck ist.... für mehr kritik reicht der platz nicht
kunst als original zu sammeln, als wertanlage zu horten, als publikumsmagnet auszustellen: das sollte alles der vergangenheit angehören.
zeitgerecht und modern wären reproduzierbare, und daher unzerstörbare replikas, dann könnte man alle Bilder auf Monitoren oder höchstwertigen ausdrucken weltweit und gleichzeitig ausstellen, kein kunstneid, kein co2-fussabdruck wegen kunsttourismus, keine Engpässe und "wird zurzeit nicht ausgestellt", kaum Diebstähle, alles billig und höchst demokratisch.
kein kunsttransport mehr, keine Versicherungen, kein problem.
das virtuelle museum.
irgendwann wird's eh kommen. bis dahin müssen wir halt noch "Probleme" wälzen. :-/
kann ich nur sagen, dass es mir nicht um wertanlage geht - ich würde keines meiner bilder jemals verhökern. ich habe nur bilder mit denen ich auch leben will. ausgenommen natürlich eine hungersnot, wenn ich die wahl zwischen einem meiner bilder und einem stück brot habe.
und ja, ich will sofern es möglich ist, immer das original. das nicht reproduzierbare meisterwerk. ausnahmen mache ich schon auch bei drucken, sofern die auflage sich in einem gewissen rahmen hält (30 und in ausnahmefällen 99 stück).
den zugang alles digital zu sammeln oder in megaauflagen kann ich schlicht nicht nachvollziehen. es macht nämlich einen riesenunterschied aus etwas auf dem bildschirm zu sehen oder an der wand.
und was tun mit bildhauerei?
Es geht darum, sich über Ästhetik den Kopf zu zerbrechen. Das System, das diese Auseinandersetzung erhält, ist nicht ident mit der Kunst.
Wie Sie das schildern, haben Sie allerdings kein Auge für die Nuancen der Ästhetik.
PS: KünstlerInnen wie Ai WeiWei machen eh das , was Sie wollen, und zwar ziemlich gut.
Als eine Ausformung der Ästhetik ist das auch interessant.
... 98 % der Museumsbesucher eine Dietz-Replik von einem Original nicht unterscheiden können.
Vor allem bei dem Abstand, den man einhalten muss. Und bei der Expertise, die sie mitbringen.
Ausserdem: muss man immer im status quo hängenbleiben?
....Zeit geben und nicht sofort von jedem neuen DirektorIn, die Ausstellung des Heiligen Grals mit dem Fingernagel von Josef von Arimathäus erwarten. Und der sensible Bereich der Geschenkannahme in der bildenden Kunst, ist sowieso eine Gratwanderung, da ein Profi in diesem Genre, aus Liebe zur Kunst, immer eine private Sammlung sein Eigen nennt und man nicht erwarten kann, dass Er/Sie deshalb Eigenerwerbe teurer bezahlen soll. Und da eine Sammlung nur etwas bedeutet, wenn man sie mit der Öffentlichkeit auch teilen kann, sind unrechtmäßig erworbene Kunstgegenstände ein sinkendes Damoklesschwert. Ein ehemaliger Direktor des KHM, mit berühmten Vorfahren, könnte davon berichten.
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