Baupläne für das Leben auf dem Mond

  • CYCLOPShub, ein Konzept der Architekturstudenten Ottokar Benesch, Daniel Galonja, Thomas Milchram und Vittorio Rossetti. Die Module können beliebig arrangiert werden. Roboterbeine sollen sie mobil machen, um die Mondoberfläche erforschen zu können.
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    foto: destination moon, hb2 tu wien, benesch, galonja, milchram, rossetti

    CYCLOPShub, ein Konzept der Architekturstudenten Ottokar Benesch, Daniel Galonja, Thomas Milchram und Vittorio Rossetti. Die Module können beliebig arrangiert werden. Roboterbeine sollen sie mobil machen, um die Mondoberfläche erforschen zu können.

  • Aus klein mach groß: Das Konzept von Daniela Siedler entfaltet auf dem Mond 
spiralförmige Schläuche.
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    foto: hb2 tu wien, siedler

    Aus klein mach groß: Das Konzept von Daniela Siedler entfaltet auf dem Mond spiralförmige Schläuche.

Eine Expansion des Menschen in die Weiten des Weltalls stellt auch die Architektur vor besondere Herausforderungen

Studenten der TU Wien erprobten sich an der Planung einer Mondbasis, die technischen und menschlichen Voraussetzungen gerecht wird.

Der Mond im Jahr 2030. In einem Krater auf dem Südpol des Erdtrabanten befindet sich eine ausgeklügelt konstruierte Forschungsstation, die von einer ständigen Besatzung von sechs Personen bewohnt wird. Die Konstruktion besteht aus einem Metallskelett, das wie ein Spinnennetz über den Krater ausgefaltet wurde.

Eine Kunststoffhaut, die die sechseckige Rahmenstruktur umschließt, gibt Arbeitsbereichen oberhalb und strahlengeschützten Wohnbereichen unterhalb des Kraterrands Raum. Ein angebundenes Gewächshaus versorgt die Forscher mit Lebensmittel. Eine zusätzliche, mit Mondstaub beschichtete Membran überspannt den ganzen Krater und schützt vor kosmischer Strahlung. Durch Aussparungen in der Hülle eröffnet sich den Forschern der Blick auf die Erde an einem fixen Punkt nahe des Mondhorizonts.

"Aufgrund des konstant niedrigen Sonnenstandes am lunaren Südpol bleiben die wichtigsten Bereiche der Basis auch bei starken Sonneneruptionen geschützt", erläutert Stefan Kristoffer, Architekt des Habitats, die Standortwahl in seiner Projektbeschreibung.

Jetzt, im Jahr 2012, ist Kristoffer an der TU Wien und hat im abgelaufenen Sommersemester als einer von 25 Masterstudenten den von der Förderagentur FFG unterstützten Entwurf-Workshop "Destination Moon - Future Living and Working Spaces" absolviert. Sandra Häuplik-Meusburger und Lu San-Hwan von der Abteilung Hochbau 2 am Institut für Architektur und Entwerfen haben die Veranstaltung betreut und die Studenten bei Szenarioerstellung und Planung einer zukünftigen Mondbasis begleitet. Vergangene Woche wurden die Konzepte im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert.

Kleines Transportvolumen

Eine der zentrale Fragen beim Bau einer Mondstation gibt die Erdgravitation vor, erläutern die Architekten: Wie kann man eine möglichst große und gut ausgestattete Basis möglichst platzsparend verpacken? Immerhin muss die Konstruktion mittels Rakete ins All befördert werden. Die Workshop-Vorgabe, dass ein Laderaum von nur fünf Metern Durchmesser zur Verfügung steht - das ist mehr, als gegenwärtige Raumkapseln transportieren - zwingt die Konzepte zu Falt- oder Modulkonstruktionen.

Daniela Siedler löst in ihrem Entwurf das Problem etwa durch sieben spiralförmig verdrehte Schläuche, die erst am Mond entfaltet, mit Strukturschaum gefüllt und somit gefestigt werden (siehe Bild unten).

Marc Cohen, Architekt der Nasa, der - wie Astronaut Franz Viehböck und andere Experten - den Workshop mit einem Vortrag begleitete, teilt Siedlungskonstruktionen auf dem Mond in drei Klassen: jene, die schon voll integriert ankommen, wie etwa ein Landemodul, flexible Konstruktionen wie die Faltkonzepte, und In-situ-Konstruktionen, die weitgehend unabhängig von der Erde, etwa in Höhlen, gebaut werden. Eine Mondbasis müsste in jedem Fall ein Hybrid von mindestens zwei dieser Konstruktionsarten sein. Wobei die Raumfahrt von autonomen In-situ-Konstruktionen auf dem Mond noch am weitesten entfernt ist.

Aber egal, wie sehr man faltet - eine Basis auf dem lebensfeindlichen Erdtrabanten wird kein Palast. Auch die Frage "Wie hält man es sechs Monate mit sechs anderen Menschen auf engstem Raum aus?" muss mit den Mitteln der Architektur beantwortet werden. Siedler verfrachtet in ihrem Konzept etwa das für lange Missionen notwendige Gewächshaus in die Wohn- und Arbeitsräume.

"In einer vollkommen toten Umgebung ist es gut, wenn die Bewohner neben ihren Kollegen auch noch von etwas anderem umgeben sind, das lebt und sich stetig verändert", hebt Häuplik-Meusburger die Vorteile der Pflanzen hervor. In den momentanen Habitaten, etwa der Nasa, würden solche Synergien, die auf architektonischen Prinzipien aufbauen, noch nicht genügend genutzt.

Lebenswertes Umfeld

In der internationalen Raumstation ISS wurde etwa ein Habitation-Modul aus Spargründen gestrichen. An der russischen Raumstation Saljut 5, die in den 70er-Jahren die Erde umkreiste, habe es dagegen zeitweise fünf Gewächshäuser gegeben. Trotz Platznot, engen technischen Vorgaben und Doppelnutzungen müsste auch einer sozialen Komponente Raum gegeben werden. Ein stärkeres Einfließen architektonischer Gesichtspunkte soll helfen, Gemeinschaften zu bilden.

Walentin Lebedew, der in den 80ern die Erde in der Station Saljut 7 umkreiste, schien es sich im All nett eingerichtet zu haben. Laut Zitat in Häuplik-Meusburgers Buch Architecture for Astronauts (Springer Verlag) beschreibt er die Station so: "Viele kleine Details wie Fotografien, Kinderzeichnungen, Blumen und grüne Pflanzen im Garten machen diesen High-Tech-Komplex zu einem warmen und bequemen, wenn auch ein wenig ungewohnten Zuhause." Ab Herbst soll das neue Modul "Emerging Fields in Architecture" Studenten ähnliche neue Anwendungsbereiche der Architektur näherbringen. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 4.7.2012)

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man tut sowas auch, um sich vor organraubenden interstellaren humanoiden mit hoch entwickeltem transportwesen zu schützen:

http://www.youtube.com/watch?v=slYW7kkHyI4
http://www.youtube.com/watch?v=MuXIBOqBitg

Für alle die Raumfahrtpläne schwelgen wollen...

http://kerbalspaceprogram.com/

Weit schwieriger dürften Psychische auswirkungen sein,die ein längerer aufenthalt auf dem Mond mit sich bringen würde.

kann sich

noch jemand an "mondbasis alpha 1" (glaub ich) erinnern?

adler 1 und 2 landen .....

ordentlich weltfremd

so wie es sich gehört für architekten
die fehlende atmosphere wird ignoriert
und asteroiden, meteroiten oder kometen
gibts auch nicht im all.

durchgefallen, setzen !
oder zu zarahadid wechslen.

ordentlich weltfremd...unqualifizierte Aussage!

Es ist außerordentlich bedauerlich, dass Architekten ein solch schlechter Ruf voraus eilt. Ich kann Ihnen versichern, dass im Rahmen dieser Entwurfsarbeiten auf sämtliche Gefahren die uns heute bekannt sind eingegangen wurde und diese in den Konzepten auch berücksichtigt wurden. Letztendlich wurde doch genau das von den Studenten erarbeitet was man von Akademikern auch erwartet: Im Rahmen einer schwierigen Ausgangssituation, unter Berücksichtigung aller verfügbaren Parameter, neue Lösungsansätze zu entwickeln welche durch weitere Forschungsarbeit auch real umgesetzt werden können.
Letztendlich sind es doch Visionen, die uns alle vorantreiben!

sinnlose Kritik, die sich binnen Sekunden in Luft auflöst, wenn man sich ein bisschen mehr mit den Projekten beschäftigt, als nur die Überschrift zu lesen. Diese Dinge waren ein wesentlicher Teil des Entwurfsprogramms, so ist es z.B. schon mal Vorraussetzung, einen sog. "Save Haven" zu schaffen, der in Fällen von diversen Unfällen als Schutz dient. Zuerst INFORMIEREN statt kritisieren wär ganz stark anzuraten. ;)

....sie heißt übrigens Zaha Hadid ;)

Raumschiffe sind von Haus aus mit Druckbehältern ausgestattet, die Sauerstoff beinhalten. Die Atmosphäre wird somit automatisch mit dem Raumschiff auf den Mond getragen und verursacht generell wegen ihres "geringen" Gewichts und der guten Komprimierbarkeit die geringsten Transportkosten. Asteroiden, Kometen und Meteore - die allesamt eigentlich das gleiche sind und sich nur in ihrem Verhalten unterscheiden - gibt es im Grunde recht wenig zwischen Erde und Mond. Entweder räumt der Mond oder die Erde die Bahn zwischen den beiden Himmelskörpern frei.

In diesem Sinne:
Durchgefallen, setzen!
Oder den Physiklehrer wechseln.

mond-regolith

@roter braon:
dieser Ihnen wahrscheinlich nicht bekannte begriff bezeichnet den mondstaub, der einige Meter tief ist und aus wertvollen rohmaterialien besteht; siliziumdioxid, aluminiumoxid, kalk, eisen(II)-oxid, magnesiumoxid, titandioxid, natriumoxid etc.

aus dem regolith lassen sich auch wasserstoff, wasser und sauerstoff herstellen. da die fehlende mondatmosphäre und die sg. "points of eternal light" jede menge sonnenenergie zur verfügung stellen, ist die extraktion des regoliths auf lange sicht eine realistische möglichkeit, autarke mondstationen zu bauen.
das ist aus mehreren gründen sinnvoll;
lifeboat-prinzip, basis, treibstoffherstellung, teleskope ...
natürlich machen nur entwürfe, die diese faktoren berücksichtigen, sinn.

Vl. hilft ein Design a la "Wurfzelt"

Kostengünstig, leicht und einfach zu transportieren!
Und die evtl. Regen-Inkontinenz
(siehe Bewertungen)
ist auf dem Mond wohl eher kein Thema ;-)

http://www.amazon.de/Sekundenz... 081&sr=8-3

warum nicht einfach den mondstaub nehmen und damit voll automatisch eine ganze station einfach "drucken"?

http://phys.org/news190873132.html

die technik ist vorhanden und getestet...
programmieren raufbringen und warten, bis das ding mit dem rohbau fertig ist, fenster, türen und technik rein, einrichten e voila - oder? ;-)

das wäre sicher denkbar...

...jedoch in dem benötigten Umfang noch etwas utopisch. Vermutlich wäre es möglich Räume zu schaffen, welche vor Strahlen, Mikrometeoriten usw. schützen, jedoch müsste das Innenleben vermutlich vorerst auch aus einem Inflatable (wie zB Transhab) bestehen um die Sicherheit garantieren zu können (Airlocks notwendig, Luft sollte nirgends austreten, usw.).

inflatables

es ist absehbar, dass grössere mondbasen aus inflatables bestehen, die mit einer regolith-schicht vor strahlung geschützt werden

Schade eigentlich...

dass hier die o.a. Projekte nicht ausreichend recherchiert worden sind. Ich selbst kenne diese Arbeiten sehr genau und bin ehrlich gesagt etwas verwundert, wie man grundsätzlich sehr gut ausgearbeitete Ideen inhaltlich so beschneiden kann, dass diese wie ein holpriger Gehversuch wirken. Die erarbeiteten Konzepte bergen durchaus einiges an Potential, was im Rahmen dieses Artikels leider nicht einmal ansatzweise erkennbar wird. Die Studenten arbeiteten an diesen Entwürfen mit größtem Einsatz und Elan. Zahlreiche Bücher einschlägiger Fachliteratur wurden akribisch durchgearbeitet, während einige Fachvorträge von Astronauten, Space-Architekten und anderen Spezialisten eine kritische Auseinandersetzung und eine Flut an Informationen ermöglichten

nehmen sie das ruhig als referenz für viele andere dinge die sie in den zeitungen

lesen und die ihnen in medien nahegebracht werden.

es ist für den interessierten user inzwischen unmöglich ohne selber viel zeit zu investieren festzustellen ob ein artikel sich auf etwas bezieht wo viel dahintersteckt oder ob nur warme luft produziert wird.

gehen sie weiter davon aus derstandard ist noch eines der bemühtesten medien. dann bekommen sie ungefähr ein bild davon wie "sinnvoll" die meisten zeitungen sind!

das alles lässt sich auf die politik genauso umlegen wie auf kultur oder sport!

Nett aber im Weltraum auf Trabanten und PLaneten wird man vorallem

einen bauen, Höhlen.

nicht unbedingt

Es gibt zahlreiche Vor- und Nachteile sowohl für den Bau unter, als auch auf der Oberfläche. Grundsätzlich hängt es aber wohl von der Art der geplanten Mission ab. Eine erste Forschungsstation am Mond welche die Oberfläche und Ressourcen erkunden soll, wird für einen Zeitraum von vielleicht 1 bis max. 3 Jahren nicht zwangsweise unter der Erde gebaut. Der Aufwand wäre zum einen wohl zu groß und zum anderen wäre es der Flexibilität, die vor allem bei den ersten Missionen notwendig sein dürfte, nicht gerade zuträglich. Für eine längerfristige Kolonisation wäre eine unterirdische Basis sicher überlegenswert. Bis es jedoch soweit kommt... wer weiß was bis dahin technisch alles möglich sein wird!

Endlich!

Bitte diese Basis unbedingt auf der von der Erde aus nicht sichtbaren Rückseite des Mondes errichten. Und ich hätte auch schon eine lange Liste von zukünftigen, prominenten Bewohnern aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die man dort einquartieren könnte! ;)

aber die kommen dann irgendwann wieder zurück... siehe "Iron Skies"

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