Promikampf: Warum Prinz Mario-Max dann doch nicht boxte

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Sage keiner, dass dem "Maxximator" die Muffe ging: Es ist unbestreitbar, dass der Mann, der gerne als Prinz auftritt, sich knapp vor dem "Promiboxkampf des Jahres" schwer verletzte

Ich spare mir die Vorgeschichte. Die steht im Blog-Beitrag "Prinziprack" und in diesem Artikel. Nur soviel: Der "Promiboxkampf des Jahres" findet nicht statt. Weil der Mann, der sich selbst für einen Prinzen hält, verletzt ist. Sagt er. Sagt sein Anwalt. Und ich stelle fest: Mario-Max Schaumburg-Lippe (geboren als Mario Wagner) ist ein ebenso harter Hund, wie er ein Prinz ist.

Doch der Reihe nach: Als ich von der Absage hörte, rief ich Chris Stephan an, den Herausforderer des "Maxximators". Stephan bedauerte: Er, der Puls4-Frühstücks-TV-Moderator, habe ein SMS bekommen. Um ein Uhr früh: Mario-Max Schaumburg-Lippe sei verletzt. Der Kampf falle aus. "Der Herr Prinz war dann nicht erreichbar", so Stephan.

Rehbock & Kollegen

Wenig später sei aber ein Mail der Passauer Anwaltskanzlei Rehbock & Kollegen gekommen (alle Anwaltszitate teils gekürzt; Anm): "Aufgrund einer ernsthaften Knieverletzung sieht sich mein Mandant leider außerstande, am Promi-Boxen teilzunehmen." Rehbock-Kollege Guido Gaudlitz legte gleich nach: "Es ist nicht statthaft, die Aussage meines Mandanten und seine Verletzung zu belächeln oder in Frage zu stellen." Weiter: "Ich darf um Mäßigung des Umgangstones bitten. Von Drohungen, egal ob medial verstärkt oder direkt an meinen Mandanten gerichtet, werden Sie sicher Abstand nehmen. Gleiches gilt für Schmähungen, schmähungsähnliche Kommentare oder unwahre Tatsachenbehauptungen, derer Sie sich natürlich enthalten werden."

Gleich darauf die nächste links-rechts-Kombination: "Ich darf darauf hinweisen, dass unsere Kanzlei namhafte Persönlichkeiten vertritt und Konflikte gegen bedeutende deutsche und österreichische Medienunternehmen mit großem Erfolg betrieben hat. Allerdings bin ich sicher, dass es hierzu nicht zu kommen braucht."

Bruststraffung und Kopfschutz

"Ich war sprachlos," sagt Stephan - und die Stille brachte Erinnerungen zurück. Etwa an die Groteske um das "Making Of" des Kampf-Plakates: "Wir haben zig Fotoversionen an ihn und sein Managment geschickt. Nichts hat ihnen gepasst. Wir wollten ihm sogar einen anderen Körper geben. Schlussendlich haben wir massiv retuschiert: Er wollte Bauchmuskeln haben - und andere Brüste." Wieso? "Er hat Hängebrüste."

Am Donauinselfest, erzählt Stephan, habe ihn der "Maxximator" dann auch um eine Regeländerung gebeten: "Er wollte plötzlich mit Kopfschutz boxen. Ich hab gesagt, dass das nicht nötig ist: Es sei ja ein Charity-Showkampf. Wir müssten bei Schlägen zum Kopf ja nicht voll durchziehen."

Doktor und Magister

Was würde der "Hochadelige" dazu zu sagen? Seine Antwort auf meine Fragen kam postwendend: Der Lädierte bat um die Statements des Gegners - gezeichnet mit: "Mit freundlichen Grüssen, Mag. Dr. Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe-Nachod, MAS, LL.M" Die Unterschrift machte mich baff: Kein "Prinz" - dafür neben dem Dr. ein Mag: Das zweite Studium des Tausendsassas hatte ich bis dato übersehen.

Zeitgleich kam ein Mail von Rehbocks Kollege: "In Erwiderung auf Ihre Anfrage darf ich Ihnen mitteilen, dass ich bis heute, 15.00 Uhr eine Presseerklärung abgeben werde. Von weiteren Rückfragen bei meinem Mandanten bis zu diesem Zeitpunkt darf ich höflichst bitten Abstand zu nehmen." Obwohl die Kanzlei mit großem Briefkopf auffährt, stammt das Mail von einem Google-Mailaccount.

Fragen und Antworten

Dennoch - er hatte mir ja auch selbst geschrieben - wandte ich mich an den verhinderten Boxer-Prinzen. Die Antwort kam vom Anwalt. Weit nach 15 Uhr. Folgende Statements wurden abgegeben:

Zum Kopfschutz: "Mein Mandant ließ sich von Boxtrainern coachen. Diese empfahlen das Tragen eines Kopfschutzes. Einen Boxkampf ohne Kopfschutz anzutreten empfiehlt sich nicht vor einem Jahr intensiven Boxtrainings." Zur Foto-Zickigkeit: "Von Retuschewünschen meines Mandanten kann keine Rede sein. Diese hatte er nie geäußert. Er hätte sie dann äußern können, wenn ihm die Fotos vorgelegt worden wären. Dies aber war nicht erfolgt." 

Keine Spur von Kontaktverbot

Auch den Mund wollte der "Maxximator" seinem Kontrahenten Chris Stephan nicht verbieten: "Ebenso ist es falsch, dass mein Mandant Herrn Stephan die Kontaktaufnahme verboten habe. Auch ist es falsch, dass mein Mandant für Herrn Stephan nicht erreichbar gewesen sei. Das anwaltliche Schreiben meines Mandanten erhielt Herr Stephan um 1.00 Uhr nachts. Von fehlender oder schwerer Erreichbarkeit kann angesichts dessen allen Ernstes nicht die Rede sein."

Generell: "Da sich mein Mandant Herrn Stephan gegenüber ausführlich erklärt hatte, war eine weitere Erläuterung nicht veranlasst. Bliebe darauf hinzuweisen, dass es bei zahlreichen bekannten Persönlichkeiten üblich ist, im Falle der Verschärfung des Tones der Medien hin zur Unsachlichkeit die weitere Korrespondenz dem Hausanwalt zu überlassen."

Attest und Vertagung

Die Blessur sei dem Anwalt zufolge auch amtlich: "Der betreuende Arzt ist der bekannte Medizinalrat Herr Dr. Lang. Das ärztliche Attest wurde Herrn Stephan übersandt. Mein Mandant (muss) Schmerztabletten einnehmen und das verletzte Knie durchgehend in Ruhelage belassen. Ob eine Operation erfolgen wird, ist noch unklar. Der behandelnde Arzt neigt dem allerdings zu."

Nichtsdestoweniger werde irgendwann geboxt, wie die offizielle Verlautbarung zeigt: "Es entspricht seinem ausdrücklichen Wunsch, den Boxkampf zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden zu lassen. Herr Stephan (hatte) einen Fake-Kampf vorgeschlagen. Dies lehnte mein Mandant aus Respekt vor dem echten Boxsport ab."

Ich mag klare Ansagen. Bloß: Wer (und wo) ist der "bekannte Medizinalrat Dr. Lang"? Rehbocks Kollege blockte ab: "Auf die ärztliche Schweigepflicht und die Wahrung des Patientengeheimnisses - in Österreich wie in Deutschland strafbewehrt - brauche ich wohl nicht hinzuweisen", kam vom Googlemail-Account. Mein Kalauer, dass das eher nach "anwaltlicher Verschweige- denn ärztlicher Schweigepflicht" klänge, blieb unbeantwortet.

Stephan hilft

Ich klopfte bei Chris Stephan an. Der tobte: Sein "Nicht-voll-ins Gesicht"-Offert als "Fake"-Aufforderung zu interpretieren, sei kühn. Denn das Gespräch am Donauinselfest sei weiter gegangen: Der "Maxximator" habe erzählt, dass die Wettquoten 84:1 gegen ihn stünden. Ließe Stephan also Mario-Max gewinnen, wäre das fast so toll, wie jenes "Reichtumselixier", das der Edelmann und Prinz auf dem Eso-Kanal verkauft. 

Ich hakte nach: Ob der angebliche "Erbprinz" das tatsächlich vorgeschlagen habe? Stephan präzisierte: "Er hat es angesprochen. Aber ganz ganz bestimmt nur als Hinweis auf etwas Unsauberes." Denn, betont Stephan: "Unredliches ist dem Adabei-Adeligen fremd."

Der bekannte Medizinalrat

Und so wusch Stephan dann Mario Max gänzlich von jeglichem Verdacht rein: Er überließ mir das Attest vom "bekannten Medizinalrat Lang". Dr Lang heißt mit Vornamen Helmut. Er ordiniert in Salzburg und ist Allgemeinmediziner. Sein "Attest" stammt vom 27.6.2012: "Dienstunfähigkeit ab 27.6 - incl. 30.6.12" steht da. Und sonst - außer Namen und Stempel - kein einziges Wort. (Thomas Rottenberg, 4.7.2012)

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