Diesel aus Holz und Stroh

3. Juli 2012, 17:04
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Biodiesel-Pilotanlage testet neue Spritgeneration

Das Image von Biosprit ist angekratzt: Der Anbau von Mais, Raps und Co für die Tankstelle ist gar nicht so klimafreundlich wie anfangs gedacht - Tropenwälder werden abgeholzt, Sumpfgebiete trockengelegt und die Felder mit Stickstoff gedüngt. Ganz abgesehen davon, dass die Anbauflächen nicht für Lebensmittel genutzt werden können, was deren Preise in die Höhe treibt.

Ein Dilemma, dem Forscher mit der Erzeugung von Biokraftstoffen der " zweiten Generation" begegnen wollen. Während Biosprit der ersten Generation nur aus der Frucht der Pflanze hergestellt wird, also ihr Öl-, Zucker- oder Stärkegehalt genutzt wird, werden bei der zweiten Generation sämtliche Pflanzenteile verwertet, also auch Abfälle, die in der Land- und Forstwirtschaft anfallen. Derartige Treibstoffe sind jedoch auf dem Markt noch nicht erhältlich.

Auf die Entwicklung eines marktreifen Biodiesels setzt auch der Mineralölkonzern OMV, der am Montag am Standort in Schwechat erstmals eine sogenannte "Biocrack"-Pilotanlage eröffnete. Seit 2009 arbeitet die OMV gemeinsam mit dem Grazer Biodieselanlagenbauer BDI (Bioenergy International) an dem Projekt. Es wurde im Rahmen des Forschungs- und Technologieprogramms "Neue Energien 2020" des Infrastrukturministeriums mit zwei Millionen Euro gefördert, die Gesamtinvestition betrug 6,7 Millionen Euro.

Aus fester Biomasse - vor allem Holzschnitzel und Stroh - soll Diesel mit einem biogenen Anteil von bis zu 20 Prozent erzeugt werden, der für alle Motoren verwendet werden kann. Bei dem neuartigen, patentierten Verfahren wird die Biomasse mit schwerem Mineralöl auf mehr als 400 Grad erhitzt.

Die "Biocrack"-Anlage ist direkt mit anderen Anlagen der Raffinerie verbunden, wodurch das dort erzeugte Produkt mit den bestehenden Verfahren veredelt werden kann, hieß es vonseiten der OMV. Nebenprodukte wie Biogas und Biokohle könnten außerdem energetisch verwertet oder in höherwertige Produkte umgewandelt werden. Bis 2014 soll das Verfahren getestet und weiterentwickelt werden.

Zehn Prozent bis 2020

Die OMV reagiere damit einerseits auf die steigende Dieselnachfrage und andererseits auf das EU-Ziel, bis 2020 mindestens zehn Prozent der im Verkehr eingesetzten Kraftstoffe durch erneuerbare Quellen zu ersetzen. Umweltschützer kritisieren u. a., dass auch Biosprit der zweiten Generation zu einer verstärkten Flächenkonkurrenz führen könnte. (red, DER STANDARD, 4.7.2012)

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