Mensdorff soll zwei Millionen von ungarischer MOL kassiert haben

3. Juli 2012, 16:45
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Wochenzeitung "Falter": Lobbyist stand 2005 auf Payroll des Ölkonzerns - OMV war damals mit zehn Prozent am Unternehmen beteiligt

Wien - Der angeklagte Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly ist laut Wochenzeitung "Falter" auch auf der Payroll des ungarischen Ölkonzerns MOL gestanden. Er soll zwei Millionen Euro im Jahr 2005 von den Ungarn kassiert haben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Einsicht in ein Mensdorff-Bankkonto. Damals hielt die OMV, die ebenfalls Mensdorff-Pouilly insgesamt in mehreren Schritten rund 1,5 Millionen Euro bezahlt haben soll, einen 10-prozentigen Anteil an der MOL und kaufte weitere Anteile zu, um den ungarischen Konkurrenten zu übernehmen. Letztendlich scheiterte das Vorhaben und die OMV verkaufte ihren MOL-Anteil Ende März 2009.

Staatsanwaltschaft will Vorwurf nicht bestätigen

Dem "Falter" zufolge soll die Staatsanwaltschaft prüfen, ob "sich OMV-Vorstände möglicherweise strafbar gemacht" hätten. Der Grün-Abgeordnete Peter Pilz hatte die Geldflüsse der OMV an Mensdorff-Pouilly bereits im Juni 2009 in die Schlagzeilen gebracht und im September 2011 eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht. "In der Causa werde schon intensiv ermittelt", sagte Pilz am Dienstag. Staatsanwaltssprecher Thomas Vecsey konnte auf Anfrage am Dienstagnachmittag Ermittlungen "weder bestätigen noch dementieren". Aus der OMV hieß es dazu "kein Kommentar". Vom Anwalt Mensdorff-Pouillys war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Geschäftsbeziehung der OMV mit Mensdorff-Pouilly wurden nach Hausdurchsuchungen in seinen Firmen im Zuge der Ermittlungen in der Eurofighter-Affäre im Jahr 2008 publik. Der Gatte von Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) ist von der Staatsanwaltschaft im Juni wegen Geldwäsche, falscher Beweisaussage in zwei Untersuchungsausschüssen und der Vorlage eines angeblich verfälschten Beweismittels im gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahren angeklagt worden.

Anklage: 12,6 Millionen für Mensdorff

Dem Strafantrag zufolge soll Mensdorff-Pouilly in den Jahren 2000 bis 2008 insgesamt rund 12,6 Millionen Euro erhalten haben, die zuvor unter Verwendung von Scheinverträgen aus dem Vermögen der "BAE systems plc" abgezogen wurden. "Mit dem Geld sollten vermutlich in Zentral- und Osteuropa Entscheidungsträger bestochen werden, um Waffengeschäfte für das Unternehmen zu erlangen", so die Staatsanwaltschaft damals. Der Prozess wird für Herbst erwartet. (APA, 3.7.2012)

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