Konsolidierung der Luftfahrt in neuer Runde

Air France-KLM will sich mit der Golf-Airline Etihad, einer Großaktionärin von Air Berlin, zusammentun. Betroffen wäre auch das Osteuropageschäft

Der Kurswechsel ist spektakulär. Jahrelang hatte der frühere Vorsitzende von Air France-KLM, Jean-Cyril Spinetta, vor den Fluggesellschaften der Vereinigten Arabischen Emirate gewarnt; sogar unlauteren Wettbewerb hat er ihnen vorgeworfen. Der neue Air-France-Chef Alexandre de Juniac will nun mit den arabischen Rivalen gemeinsame Sache machen.

Nach Informationen von Le Figaro plant De Juniac eine zukunftsweisende Kooperation mit Etihad Airways. Das Unternehmen aus Abu Dhabi fliegt zwar erst 66 Destinationen an, viermal weniger als Air France-KLM; es liegt aber günstig am Dreh- und Angelpunkt zwischen den großen Märkten Europa und Asien.

Schon im Herbst wollen die Franzosen und die Emiratis nach Angaben des Figaro ein Codesharing-Abkommen eingehen. Doch das soll nur ein erster Schritt sein. "Ein Partnerunternehmen zwischen Fluggesellschaften ist das letzte Stadium vor der Fusion", meint der Luftverkehrsspezialist der Pariser Börsenfirma Oddo Securities, Yan Derocles. Air France wollte den Zeitungsbericht zunächst nicht kommentieren.

Luftkorridor

Die Idee hinter dem Deal besteht darin, eine Art "Luftkorridor" von Europa über den Mittleren Osten nach Fernost zu schaffen. Wie strategisch diese Achse ist, zeigt der Zuwachs der Etihad-Rivalin Emirates, die auf ihren Hauptstrecken bereits zwanzig Massentransporter des Typs Airbus A380 einsetzt und 70 weitere bestellt hat.

Von und zu dieser "Flugautobahn" lassen sich Nebenstrecken bedienen, wobei auch Partner-Airlines ins Spiel kommen: Air France und die holländische KLM können sich auf Alitalia stützen, an der sie 25 Prozent halten. Etihad Airways wiederum kann auf Air Berlin bauen. Mit 30 Prozent ist Etihad größte Aktionärin der Berliner Fluglinie, unter deren Dach auch Fly Niki unterwegs ist.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft könnte gemäß Figaro auch sonst von dem Deal profitieren. Air France hat 2011 gut 800 Millionen Euro Verlust erlitten und kürzlich einen drastischen Sparplan mit dem Abbau von 5000 Stellen angekündigt. Dazu gehört auch ein teilweiser Rückzug aus dem defizitären Europageschäft.

Chance auch für Air Berlin

Air Berlin könnte auf diesen Linien einspringen und die AirFrance-Kunden dank des Codesharings übernehmen. Air France, KLM und Etihad würden zusätzliche Passagiere von den drei Hubs Paris-Roissy, Amsterdam-Schiphol und Abu Dhabi beisteuern. Wie gewinnbringend diese " eurasische" Rundumstrategie ist, zeigt der heute bestehende Luftkorridor zwischen Europa und Nordamerika: Dank geschickter Allianzen kontrollieren US-Airlines und die drei großen Europäer Lufthansa, British Airways und Air France-KLM heute 80 Prozent des Passagieraufkommens über dem Nordatlantik.

Die Franzosen, die 2004 die innereuropäische Konsolidierung mit KLM gestartet hatten, übernehmen nun auch in Richtung des arabischen Raums die Pionierrolle. Aber sie sind nicht die Einzigen: Wie Beobachter bei der letzten Konferenz des Weltluftfahrtverbandes Iata feststellten, sucht British Airways offenbar das Gespräch mit Qatar Airways. Für Lufthansa verblieben nicht nur Brosamen, sondern eine Allianz mit der Nummer eins am Golf, Emirates. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 4.7.2012)

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