Chronische Hirnentzündungen begünstigen Alzheimer

7. Juli 2012, 17:55
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Schweizer Studie bestätigt bisherige Hypothesen

Chronische Hirnentzündungen, die durch Infektionen entstehen, können das Gehirn für eine Alzheimer-Krankheit anfälliger machen. Sie begünstigen offenbar die Ablagerung schädlicher Eiweiße im Gehirn, wie Zürcher und Berner Forscher am Montag im "Journal of Neuroinflammation" berichteten. Die Wissenschafter der Universität Zürich beweisen, dass die Hirnentzündung eine Ursache und nicht reine Folge der Neuropathologie ist und möglicherweise auch den Abbau kognitiver Leistungen verursachen.

Seit der ersten Fallbeschreibung ist klar: Hirnentzündungen sind ein wichtiger Bestandteil der Alzheimer-Krankheit. Zwar haben mehrere Studien die Wirksamkeit entzündungshemmender Medikamente untersucht und auf einen möglichen Schutz im Anfangsstadium der Krankheit hingewiesen. Doch die spezifische Rolle von Entzündungen im Krankheitsverlauf zu bestimmen, ist bis heute schwierig geblieben.

Hirnforscher der Universität Zürich haben gemeinsam mit Wissenschaftern der ETH Zürich und der Universität Bern untersucht, welchen Einfluss eine Überstimulation des Immunsystems, vergleichbar mit einer schweren viralen Infektion, auf die Entwicklung von Alzheimer in Mäusen hat. "Eine vorgeburtliche virale Infektion genügt, um neurologische Defizite und schwere Gedächtnisprobleme im Alter auszulösen", sagt Irene Knüsel, Studienleiterin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich.

Wiederholte Infektion verstärkt Effekt

Die betroffenen Mäuse zeigten während des Älterwerdens nicht nur eine chronische Erhöhung entzündungsfördernder Zytokine, sondern auch einen kontinuierlichen Anstieg des Amyloid-Precursor-Proteins - ein wichtiges Vorläuferprotein der Amyloid-Ablagerungen. Alzheimer ähnliche Veränderungen fanden die Forscher auch im Tau-Protein, das sich zudem an unüblichen Stellen in Nervenzellen ansammelte. Diese Effekte verschlimmerten sich markant, wenn die vorgeburtlich infizierten Mäuse im Alter nochmals einer Infektion ausgesetzt wurden. Genetisch nicht veränderte Mäuse entwickelten dabei in den gleichen Hirngebieten Amyloid ähnliche Ablagerungen und Tau- Aggregate, die auch früh in der Alzheimer-Erkrankung betroffen sind.

Wenn transgene Mäuse der gleichen Behandlung ausgesetzt wurden, bildeten sich die klassischen Beta-Amyloid-Plaques genau da, wo sich durch die Erstinfektion das Amyloid-Precursor-Protein abnormal in den Nervenzellen angehäuft hatte. Die große Ähnlichkeit zwischen den Ablagerungen im Gehirn von immunstimulierten Mäusen und denjenigen von Alzheimer-Patienten lassen laut Knüsel den Schluss zu: Chronische Entzündungen können neuronale Fehlfunktionen verursachen, die wiederum die Bildung von Amyloid-Ablagerungen im Alter begünstigen. Und dies möglicherweise sogar Jahre bevor sich eine Neuropathologie und damit einhergehende Demenz manifestiert. (red, derstandard.at, 7.7.2012)

  • Hirnpräparat einer infizierten transgenen Maus. Die typischen 
Beta-Amyloid-Plaques (grün) bilden sich genau an den Stellen, wo sich 
durch die Erstinfektion das Amyloid- Precursor-Protein (rot) abnormal 
angehäuft hat. Die Zellkerne von benachbarten Nerven- und Gliazellen 
sind blau gekennzeichnet.
    foto: uzh

    Hirnpräparat einer infizierten transgenen Maus. Die typischen Beta-Amyloid-Plaques (grün) bilden sich genau an den Stellen, wo sich durch die Erstinfektion das Amyloid- Precursor-Protein (rot) abnormal angehäuft hat. Die Zellkerne von benachbarten Nerven- und Gliazellen sind blau gekennzeichnet.

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