Der Wirte Kampf ums Wasser

Gratis, drei Euro, 30 Cent: Wasser kostet im Wirtshaus manchmal viel, oft gar nichts. Was sittenwidrig oder gerechtfertigt ist, darüber gehen die Meinungen auseinander

Die Diskussion ist nicht neu: Darf und soll der Wirt fürs Leitungswasser kassieren? Ist das Abzocke oder gerechtfertigte Abgeltung für eine erbrachte Leistung? Und wie viel kann ein Gastronom dafür verlangen, ohne dass dem Gast der Kragen platzt? Für Karl Wratschko, Obmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer Steiermark, ist alles klar: Künftig sollen alle Wirte für Leitungswasser eine Servicepauschale verrechnen, tut er laut ORF Steiermark kund.

Wratschko rät den Wirten, für Leitungswasser etwas zu verlangen, "weil bei uns nicht der Wareneinsatz hauptbelastend ist, sondern die Mitarbeiter, der Strom, das Tischtuch, die freundliche Bedienung". Auch über die angemessene Summe hat Wratschko nachgedacht: "Ich empfehle unseren Kollegen, den halben Preis vom Mineralwasser anzusetzen. Das heißt, wenn eine gewisse Menge Mineralwasser vier Euro kostet, dann sollte der Wasserpreis bei zwei bis drei Euro liegen." Immerhin seien bereits gut die Hälfte bis zwei Drittel der Bestellungen Leitungswasser oder Fruchtsäfte mit Leitungswasser.

Adäquater Dienstleistungsbeitrag

Auch die Wirtschaftskammer Kärnten schloss sich jüngst dieser Empfehlung an. Guntram Jilka, Geschäftsführer der Fachgruppe Gastronomie, legt den Gastronomen laut ORF Kärnten folgende Richtlinien nahe: "Wirte sollen dort, wo das Wasser als Alleingetränk oder Ersatzkonsumation verbraucht wird, durchaus einen adäquaten Dienstleistungsbeitrag einheben. Aber - ganz wichtig - es soll auch stimmig serviert werden. Es soll für den Gast ein entsprechendes Produkt sein, mit einem netten Ambiente, mit einer netten Aufmachung, damit auch die Lust am Genießen in unseren Gastronomiebetrieben rüberkommt." Wichtig sei, dass in der Karte auf die Kostenpflichtigkeit hingewiesen werde. An die 300 bis 400 Wirte in Kärnten kassieren laut dem Bericht schon jetzt für Leitungswasser, wenn der Gast sonst nichts konsumiert, zehn Prozent sollen es österreichweit sein.

Schützenhilfe kommt beim Thema auch vom Wiener Gastronomie-Fachgruppenobmann Wilhelm Turecek. Man könne nicht 42.000 Gastronomiebetriebe im Land über einen Kamm scheren, sagte Turecek zur Austria Presse Agentur: "Wenn der Gast für eine Melange 4,70 Euro zahlt, sollte auch ein großes Glas Wasser drin sein, nicht nur ein kleines, sofern der Gast das wünscht." Ein Glas Wasser zu servieren sei aber grundsätzlich "auch eine Dienstleistung". Manche Lokalbetreiber, etwa in Ausflugsgegenden, würden sich nicht zu Unrecht übervorteilt fühlen. "Wirte erzählen, dass Ausflügler oder Radfahrer mit der Wasserflasche auf die Toilette gehen, diese dort auffüllen, sich erfrischen und das Handtuch benützen und dann das Lokal wieder verlassen."

OÖ ist anders

Robert Seeber, Gastronom und Spartenobmann Tourismus bei der Wirtschaftskammer Oberösterreich, sieht die Chose ähnlich, wie er in den "Oberösterreichischen Nachrichten" bekanntgibt: "Prinzipiell empfehlen wir, für das Wasser nichts zu verrechnen." Nachsatz: "Wenn die Gäste in manchen Betrieben - wie Radstationen - fast nur Wasser bestellen, habe ich aber Verständnis, wenn es etwas kostet. Es muss aber dann auf der Karte klar erkennbar sein." 30 bis 40 Cent für einen halben Liter kann er sich als Preis vorstellen.

Der Ferlacher Bürgermeister Ingo Appé (SPÖ) hat indes mit der Wasser-Geschäftsidee seiner Kärntner Kammerkollegen beileibe keine Freude. Appé will seinen Wirten den Appetit auf das Wasser-Kassieren verleiden und hat auch schon eine Idee: Wer Wasser teuer weiterverkauft, muss selbst mehr dafür bezahlen. Mit diesem Argument will er laut ORF Kärnten jenen Wirten eine Rechnung schicken, die bei Gästen das Trinkwasser abkassieren wollen.

Tausendprozentiger Aufschlag

Die Gemeinde verrechnet ihren Bürgern für 1.000 Liter Wasser 1,20 Euro - so viel, wie 0,5 Liter Bier im Einkauf kosten. Im Verkauf werden für eine "Halbe" dann etwa drei Euro verlangt. Für Appé ist es deshalb "sittenwidrig", für ein Glas Leitungswasser einen Euro zu verlangen und es damit mit einem 1.000-prozentigen Aufschlag an die Konsumenten weiterzureichen. Sollte ein Ferlacher Gastronom also auf die Idee kommen, den Gästen für ein Glas Trinkwasser etwas zu verrechnen, will der Bürgermeister die Konsequenzen ziehen und die Wasserbezugsverordnung ändern.

Die Gastrosparte der Wirtschaftskammer (WKÖ) wird bis August jedenfalls eine neue Umfrage unter den heimischen Wirten durchführen, wie sie diesem "sensiblen Thema" gegenüberstehen, kündigte Spartenobmann Helmut Hinterleitner am Mittwoch im APA-Gespräch an. Eine Empfehlung für oder wider will die WKÖ nicht abgeben: "Es muss die freie Entscheidung eines jeden Gastronomen bleiben, ob er etwas verrechnet." (Regina Bruckner, derStandard.at, 4.7.2012)

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