Die USA rüsten im Persischen Golf auf

3. Juli 2012, 14:57
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Militärpräsenz deutlich verstärkt - Teheran meldet Mittelstreckenraketen

Teheran/New York - Die USA haben nach einem Zeitungsbericht in den vergangenen Monaten ihre Militärpräsenz im Persischen Golf deutlich verstärkt. Ziel sei es, den Iran davon abzuhalten, die Straße von Hormuz für Öltanker zu sperren, schreibt die "New York Times". Außerdem werde der Druck im Atomstreit mit der Führung in Teheran erhöht. Bei einem Militärmanöver in der Wüste hat der Iran am Dienstag eine Mittelstreckenrakete getestet, die bis nach Israel reichen könnte.

Es seien mehr Kampfflugzeuge in die Region beordert worden, die iranische Raketenstellungen oder Atomanlagen angreifen könnten, so die "New York Times" unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Unter anderem haben die USA im April mehrere Tarnkappen-Jäger vom Typ F-22 "Raptor" an den Golf verlegt.

Erst am Montag hatte ein iranischer Parlamentsabgeordneter über mögliche Reaktionen auf das im Konflikt um das iranische Atomprogramm von der Europäischen Union gegen Teheran verhängte Erdöl-Embargo, das mit Monatsanfang in Kraft trat, spekuliert. Unter anderem deutete der bis dahin in zweiter Reihe stehende Abgeordnete Ebrahim Agha Mohammadi an, dass das Parlament ein Gesetz verabschieden könnte, das die Schließung der Straße von Hormuz vorsieht. Der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast spielte die Idee als "nur ein Plan" herunter, dementierte aber nichts.

Taktik der kleinen Lautsprecher

Es gehört zur außenpolitischen Taktik im Iran, dass ein Thema über weniger wichtige Personen und Quellen in die Welt gesetzt und dann abgewartet wird, wie der Westen darauf reagiert. Falls die Reaktionen negativ ausfallen, dann distanziert sich die iranische Führung.

Zuletzt hatte der iranische Vizepräsident Mohamed-Reza Rahimi im Dezember des Vorjahres mit einer Sperrung der Straße von Hormuz als Antwort auf das Erdöl-Embargo der EU gedroht. Nach heftigen Reaktionen im Westen und auch in den Golf-Staaten wurde das Ganze von Außenminister Ali-Akbar Salehi kategorisch dementiert.

Die Meerenge von Hormuz ist an der schmalsten Stelle nur rund 50 Kilometer breit. Durch das Nadelöhr befördern Tanker nach unterschiedlichen Quellen bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls - unter anderem nach Europa, Fernost und in die USA.

Iran testet Mittelstreckenraketen

Die iranischen Revolutionsgarden, die zweite Säule der Streitkräfte neben der regulären Armee, feuerten am zweiten Tag einer Übung in der Kawir-Wüste eine Shahab-3-Rakete ab, die eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern hat. Israel liegt etwa 1.000 Kilometer vom Erzfeind Iran entfernt. Die Tests seien eine Antwort auf die Drohungen Israels, die Islamische Republik im Atomstreit anzugreifen, hieß es im staatlichen iranische Fernsehsender Press TV. Der Fernsehsender zitierte den Vize-Kommandanten der Revolutionsgarden, Hossein Salami, mit den Worten, dass dies eine Vergeltungsmaßnahme für die Feinde des Irans sei, die einen Militärschlag als möglich bezeichneten. Die Regierung in Teheran hatte die Manöver am Sonntag angekündigt, nachdem das EU-Ölembargo in Kraft getreten war.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Fars testete der Iran "Dutzende" Raketen mehrerer Reichweiten, darunter auch die Kurzstreckenraketen Shahab-1 und Shahab-2 mit Reichweiten zwischen 300 und 500 Kilometern. Als Ziel diente den Berichten zufolge die Nachbildung einer Armeebasis, die den US-Stützpunkten in der Region ähnlich sah. Die Nachrichtenagentur Irna meldete, bei der Übung hätten zudem sieben "Angriffsdrohnen" Ziele zerstört, die "feindliche Kräfte von außerhalb der Region" darstellten. Bis zum Abschluss des Manövers am Mittwoch sollen laut Irna auch zwei Typen von Kurzstreckenraketen auf Ziele vor der Südküste des Iran getestet werden. Das Manöver "Großer Prophet 7" soll am morgigen Mittwoch enden.

Iranischer Außenminister warnt vor Konfrontation

Für den heutigen Dienstag waren in Istanbul Atomgespräche auf technischer Ebene zwischen dem Westen und dem Iran angesetzt. Dabei sollte sondiert werden, ob sich die beiden Chefverhandler, Saeed Jalili für den Iran und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton für den Westen, noch einmal treffen werden. Der iranische Außenminister Ali-Akbar Salehi warnte den Westen zuvor vor einer ernsthaften Konfrontation. Der Westen verdächtigt Teheran seit Jahren unter dem Deckmantel eines friedlichen Atomprogramms, an Atomwaffen zu arbeiten. Die Regierung des Iran bestreitet dies heftig. (APA, 3.7.2012)

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