Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Cem Yurt vor seinem neuen Arbeitsplatz auf Zeit.
Ein Vorarlberger mit türkischen Eltern gedenkt in Griechenland der Opfer des NS-Rassenwahns: Seit Sonntag arbeitet Cem Yurt (20) als erster österreichischer Gedenkdiener im Jüdischen Museum von Thessaloniki. Anstatt seinen Dienst am Staat bei Bundesheer oder Rotem Kreuz zu leisten, entschied sich Yurt für den Gedenkdienst. Zwölf Monate dauert diese Form des Zivilersatzdienstes, wie das Holocaust-Gedenken als Dienst am Staat auf Amtsdeutsch heißt.
Die ersten vier Monate hat Yurt im jüdischen Krankenhaus Or-ahayim in Istanbul verbracht, nun ist er bis Ende Februar 2013 in der makedonischen Metropole stationiert. Dort übersetzt er osmanische Dokumente in das Deutsche und Türkische, unterstützt das chronisch unterfinanzierte Museum bei der Kontaktpflege zu internationalen Partnern und hilft, so will es der Bescheid der österreichischen Behörden, auch in Sachen Büroarbeit aus. Zu Hause stieß der Austro-Türke freilich nicht eben auf ungeteiltes Verständnis. "Manch einer hat mich gefragt, ob ich zum Judentum konvertiert bin oder ob ich homosexuell bin", erzählt er lachend.
Yurt, dessen Eltern 1990 aus der zentralanatolischen Stadt Yozgat ins 700-Einwohner-Dorf St. Anton am Montafon ausgewandert sind, ist als Gedenkdiener ein Exot unter den Zivil- und Präsenzdienern. Als Gedenkdiener mit Migrationshintergrund sowieso. Yurt, der nach dem Gedenkdienst Geschichte studieren möchte, findet derlei Differenzierung seltsam. "Es leisten ja auch nicht nur Juden Gedenkdienst, und es sind nicht nur Homosexuelle, die für die Rechte von Schwulen und Lesben demonstrieren."
Obwohl der Gedenkdienst heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert, hat er sein Nischendasein bis heute nicht abgelegt. Den Vorwurf, dem Steuerzahler über Gebühr auf der Tasche zu liegen und sich ein schönes Jahr im Ausland zu machen, lässt Yurt nicht gelten. Per Definition ist der Dienst am Staat, so er im Ausland abgeleistet wird, unentgeltlich. Eine Förderung, derzeit etwa 700 Euro im Monat, gibt es aber. Was auf die Miete seines WG-Zimmers und sonstige Kosten fehlt, hat Yurt sich zusammengespart. "Im Notfall würden mir wohl auch meine Eltern helfen", hofft er.
Langes Verdrängen
Einen Steinwurf von Yurts Arbeitsplatz entfernt erinnert ein unscheinbares Denkmal an das grauenvolle Ende von Thessalonikis jüdischer Gemeinde. Erst 1997 wurde es errichtet. Im Juli 1942 begannen die deutschen Besatzer und ihre Kollaborateure mit der systematischen Ermordung der jüdischen Bevölkerung der Hafenstadt, des legendären "Jerusalem auf dem Balkan". Auschwitz, Treblinka, Sobibor hießen die Endstationen der Züge in die deutschen Konzentrationslager, die Alois Brunner, ein Österreicher in SS-Uniform, auf den Weg geschickt hatte. Nur 2.000 der ursprünglich 50.000 Thessaloniker Juden überlebten. Wo früher 40 Synagogen den meist sephardisch-iberischen Juden der Stadt zur Andacht dienten, reichen heute zwei kleine Gotteshäuser, um die kaum 1.000 Köpfe umfassende jüdische Gemeinde zu versorgen. In der Geburtsstadt des türkischen Staatsgründers Atatürk, die bis zum Holocaust mehr jüdisch und türkisch war als griechisch, verdrängte man den Massenmord lange.
Andreas Maislinger, Obmann des Trägervereins Österreichischer Auslandsdienst und vor 20 Jahren Initiator des Gedenkdienstes, hält die Arbeit von Cem Yurt auch für ein Symbol der notwendigen Aufarbeitung der Geschichte - gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise, wo alte Ressentiments zwischen Griechen und Deutschen wieder Gehör finden. "Es waren aber Österreicher wie Alois Brunner, die den Transport von Thessalonikis Juden in die Todeslager zu verantworten haben. Wir wollten bereits früher einen Gedenkdiener entsenden, aber jetzt ist er umso notwendiger", sagt Maislinger. In Zukunft werde es einen zweiten Gedenkdiener in Griechenland geben. In Distomo, wo die deutsche Wehrmacht 1944 an 218 griechischen Dorfbewohnern Rache für einen Partisanenangriff übte, soll ab 2015 ein Österreicher im dortigen Gedenkzentrum arbeiten. "Wir wollen in Griechenland auch an die nichtjüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern", so Maislinger. (Florian Niederndorfer, derStandard.at, 4.7.2012)
Panayiotis Iliopoulos von der neonazistischen Morgenröte-Partei wurde nach ausfallenden Bemerkungen aus dem Saal eskortiert
Konservativer hatte 18 Millionen Euro veruntreut
Der Mann saß bis vor kurzem im Aufsichtsrat der Bank of Cyprus
Verdacht der Beteiligung an tödlichen Attacken gegen Ausländer
Antifaschistisches Bündnis meldet Schaffung einer "Zelle" und enge Verbindungen zu deutschen Rechtsextremisten
Zwei Verletzte - Täter vermutlich Autonome
Polizei in Athen stürmte besetztes U-Bahn-Depot - Keine Zusammenstöße - Völlige Normalisierung des Verkehrs wohl erst am Wochenende
In den vergangenen Monaten war es in Griechenland zu Dutzenden Übergriffen auf Migranten gekommen
Rechtsextreme seit Parlamentseinzug im Aufwind: Mittlerweile laut Umfragen drittstärkste Partei
Keine Verletzten
Schlägertrupps der "Goldenen Mörgenröte" gingen gegen Einwanderer vor
Mann soll für Facebook-Seite verantwortlich sein, die angeblichen Hellseher parodiert
Rechtsextreme machen in der griechischen Hauptstadt Jagd auf Immigranten. Die Polizei antwortet mit einer Massenrazzia gegen illegale Ausländer
Immer wieder heißt es, dass die Griechen trotz der Krise weiter Milliarden ins Militär stecken - doch stimmt das überhaupt?
Für Rechtsextremismus-Expertin Georgiadou kommt der Wahlerfolg der neofaschistischen Goldenen Morgenröte nicht überraschend
Polizei untersagte Lebensmittelverteilung "nur für Griechen" auf dem Syntagma-Platz
Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" ködert mit Nudeln, Öl und Milch Menschen am Athener Syntagmaplatz
Partei organisiert eigene Blutbank - Widerspruch von Gesundheitsbehörden: "Ungesund, unwissenschaftlich, illegal und rassistisch"
Nicht geleistete Reparationszahlungen: "Wenn man drei Prozent Zinsen hinzurechnet, kommt man auf über eine Billion Euro"
Warum gedenkt niemand an die millionen, die unter Stalin getötet wurden , nach Sibierien abgeschoben wurden, ohne Rückkehr, es befanden sich auch Juden darunter ! Warum gedenkt niemand Toten, die nach 1945 durch die USA getötet wurden , warum Protstiert niemand dagegen ,das die USA Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzung durch US-Soldaten , als Staatsgeheimnisse behandelt werden, aber die USA sich immer wieder als Ankläger gegen andere aufführt ? Es gibt auch keine Zeitung auf der Welt, die dies veröffentlicht !
.
interessant, dass offenbar viele leute der meinung sind, jemand, der freiwillig auslandsdienst zum gedenken an die opfer des ns-rassenwahns leistet, könne nur Jude oder homosexueller sein ....
auf jeden fall:
chapeau!
und danke! :o)
instrumentalisieren lässt um den heute Lebenden ein schlechtes Gewissen einzureden und - staatlich subvenioniert - das Bild der immerwährenden Schuld Österreichs auch im Ausland perpetuiert. Vielen Dank auch !
für Dinge die Jahrzehnte vor meiner Geburt passiert sind. Möchte aber auch nicht dafür Steuern zahlen müssen, weil es andere offenbar haben und glauben einen Gedenkdienst zu brauchen.
Da fällt mir jemand ein, der sich an genau gar nichts erinnern konnte obwohl er in der Gegend 1942-43 Nachrichtenoffizier war. Dafür musste er sich später über ein hölzernes Pferd ärgern und durfte nicht mehr in die USA einreisen. ...
Ja, er konnte sich eben nicht erinnern. Auch wenn es ein Viertel der Bevölkerung der Stadt betroffen hat, hat er es sozusagen gar nicht bemerkt, auch sein Pferd hat nichts gesehen und hat ja nur seine Pflicht getan, als Teil der deutschen Wehrmacht, deren Opfer man andererseits gleichzeitig war. Und schließlich war er in einem hohen internationalen Amt. Und auch wenn er sich nicht erinnern kann, wählen wir ihn erst recht!
Der Bericht über den Österreichischen Auslandsdienst ist durchaus interessant, der Hinweis auf den Abstammungshintergrund des Vorarlbergers aber absolut entbehrlich.
In den Medien und im Alltag sollte man endlich damit aufhören, andauernd einen etwaigen Migrationshintergrund zu betonen. Österreichische Staatsangehörige sind einfach Österreicher- egal ob ihre Vorfahren aus Deutschland, Böhmen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Kroatien oder der Türkei (usw.) gekommen sind.
Die Abstammung wird bei Straftaten fast immer erwähnt (hier im Standard zum Glück weniger häufig). Da ist es doch schön, wenn man auch mal was positives über die "bösen Migranten" liest.
Außerdem ist die Sache besonders interessant, da Türken und Griechen nicht immer die engsten Freunde sind. Auch dieser Umstand legitimiert meiner Meinung nach die Erwähnung.
Wenn es sich- bei Straftaten -um einen Ausländer ( laut Staatsbürgerschaft) handelt, habe ich nichts gegen die Erwähnung dieser Tatsache. Problematisch finde ich es aber, dass bei eingebürgerten menschen bzw. deren Nachfahren immer die Abstammung betont wird- und zwar nicht nur von lange hier Ansässigen, sondern teilweise auch von den "Neuösterreichern" selbst. Das fördert nur die Kluft zwischen verschiedenen Gruppen.
so sehen es diese Leute ja selbst. Und in Österreich finde ich das nicht so schlimm, weil Österreich ein wenig vom Vielvölkerstaat in die Gegenwart gerettet hat. Sehr krampfig ist das in Deutschland, hat hier jemand das Theater mit Zamperoni mitbekommen? Der Deutschösterreicher mag der Regelfall sein, aber es gibt eben viele nicht deutsche Österreicher. Und regional ist auch die regionale Identität sehr stark, etwa im Westen.
1 jahr urlaub in makedonien/griechenland :))
aber nixdestotrotz, es sei ihm vergönnt - es ist sicher vernünftiger und besser, als in österreich den staatlich legitimierten bramarbas im bundesheer zu spielen oder sonstwo/wie auf diversen druckposten seine zeit vergammeln.
vielleicht ist seine arbeit der keim künftiger bildungsreisen ins land (geldverdienen via kultur) - da können ja sogar eingefleischte standard-ökonomen nix dagegen haben.
Immer wieder der gleiche Vorwurf: Gedenkdienst sei 1 Jahr Urlaub auf Staatskosten. Schön wäre es, ist aber leider nicht so.
Allein die Vorbereitungszeit beim Verein Österreichischer Auslandsdienst beträgt 1,5 Jahre, das sind 18 Monate Fleißaufgaben neben Schule, Studium oder Arbeit. Und dann noch 12 Monate 40 Stunden-Arbeit bei lausigen 700 € pro Monat, abzüglich Versicherung und Flüge.
Gleichzeitig stößt der Auslandsdienst als Zivildienstersatz und speziell der Gedenkdienst weltweit auf Begeisterung. (siehe: http://bit.ly/MbXT26 )
Thomas Schobesberger
www.auslandsdienst.at
"Den Vorwurf, dem Steuerzahler über Gebühr auf der Tasche zu liegen und sich ein schönes Jahr im Ausland zu machen, ..."
Typisch österreichische Neidgesellschaft. Ein Freund von mir war - damals noch 16 Monate - in Guatemala. Sogar den Flug hat er selbst bezahlen müssen.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.