Klinikgärten fördern die Gesundheit

  • Eine kurze Pause im Grünen zeigt umso mehr Wirkung, je individueller die Gartenanlagen auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind.
    foto: apa/friso gentsch

    Eine kurze Pause im Grünen zeigt umso mehr Wirkung, je individueller die Gartenanlagen auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind.

Studie: Bereits der Blick in einen Grünraum wirkt positiv - Checkliste für die optimale Gestaltung

Eine speziell auf die Bedürfnisse von Patienten, Personal und Ärzten abgestimmte Grünflächengestaltung von Spitälern ist gesundheitsfördernd. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der MedUni Wien unter der Leitung von Renate Cervinka vom Institut für Umwelthygiene am Zentrum für Public Health. Ein weiteres Resultat: "Je natürlicher der Garten, desto größer die Erlebniswirkung", so Cervinka.

Patienten mit Grünblick benötigen weniger Schmerzmittel

"Der Garten und die Grünflächen eines Krankenhauses sollten als Gegengewicht zum Spital gesehen werden", erläutert die Umwelt- und Gesundheitspsychologin. "Sie dienen als Rückzugs- und Erholungsort." Ein grüner, natürlicher Villengarten kommt den Wunschvorstellung nach dem optimalen Krankenhausgarten der anonym im Web befragten 411 potenziellen Patienten am nächsten.

Dieses Ergebnis steht auch im Einklang mit Ergebnissen früherer Studien: So stellte Roger Ulrich bereits 1984 fest, dass allein der Blick vom Spitalszimmer ins Grüne im Vergleich zum Blick auf eine Betonmauer "heilsame" Wirkung hat. Die Patienten mit Grünblick waren kürzer im Krankenhaus, generell zufriedener mit dem Aufenthalt und brauchten weniger Schmerzmittel.

Bereits drei Minuten im Grünen haben positive Effekte

"Bereits drei Minuten tief durchatmen im Grünen haben einen positiven Effekt", sagt Studien-Mitautorin Kathrin Röderer. "Die Rauchpause ist heutzutage fest etabliert, die 'geistige' Pause aber leider nicht."

Eine Pause, die umso mehr Wirkung zeigt, je individueller die Gartenanlagen und Rückzugsräume auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind. "Zum Beispiel ist bei einem Allgemeinkrankenhaus, in dem die Verweildauer eher gering ist, schon der Blick in den ansprechend gestalteten Grünraum gesundheitsfördernd", so die Studienautorinnen.

Bei anderen Gruppen, wie bei orthopädischen Patienten sei dagegen wichtig, dass der Garten auch mit Gehhilfen problemlos genutzt werden könne. Langzeitpatenten, wie beispielsweise in der Geriatrie oder Psychiatrie, profitierten besonders von gartentherapeutischen Angeboten. Zudem raten die Autorinnen zu eigenen, von den Patienten nicht einsehbaren begrünten Räumen für das Krankenhauspersonal.

Checkliste für die Gestaltung von Klinikgärten

"Die nachgewiesene therapeutische Funktion sollte auch dem Trend entgegenwirken, Grünflächen als reine Restflächen oder potenzielle Bauflächen zu betrachten", so Cervinka. "Der Wert der Natur lässt sich nicht berechnen. Ihr Wert ist unbezahlbar."

In diesem Sinne weisen die Studienautorinnen auch darauf hin, große alte Bäume im Zuge von Aus- und Umbauarbeiten unbedingt zu erhalten: "Bäume haben einen hohen Wert für die Erholung von Stress und die psychische Gesundheit. Sie sind schnell gefällt, brauchen aber lange zum Wachsen."

Anhand der Ergebnisse wurde eine Checkliste entwickelt, mit deren Hilfe die optimale Gestaltung von Klinikgärten erarbeitet werden kann - mit dem Ziel, die Stimmung der NutzerInnen zu heben, ihr Wohlbefinden zu fördern und die Naturnähe des Gartens zu steigern. (red, derStandard.at, 3.7.2012)

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