Europas Börsen schließen einheitlich mit Gewinnen

3. Juli 2012, 18:16
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Positive Konjunkturnachrichten und Hoffnung auf EZB stützend - Rücktrittswelle bei Barclays - Peugeot vor Jobabbau

Wien - Die europäischen Leitbörsen sind am Dienstag einheitlich mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Euro-Stoxx-50 verteuerte sich um 28,35 Einheiten oder 1,24 Prozent auf 2.320,43 Zähler. Dabei wurden die Aktienmärkte heute von positiven Konjunkturmeldungen gestützt. So ist die Arbeitslosigkeit in Spanien im Juni im Vergleich zum Vormonat um 98.853 Personen zurückgegangen, wie das spanische Arbeitsministerium mitteilte. Experten hatten nur einen halb so starken Rückgang erwartet.

In den USA überzeugten die Auftragseingänge der Industrie, die laut US-Handelsministerium im Mai überraschend um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zunahmen. Hier hatten die Analysten nur ein kleines Plus von 0,1 Prozent prognostiziert. Immer stärker rückt der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag in den Anlegerfokus. Die meisten Ökonomen rechnen damit, dass die Währungshüter den wichtigsten Zins um 25 Basispunkte von 1,0 auf 0,75 Prozent verringern werden. Eine Minderheit hält sogar eine Kappung um die Hälfte auf 0,5 Prozent für möglich.

Ein Branchenvergleich im breiter gefassten Euro-Stoxx wies den Rohstoffsektor mit 3,43 Prozent im Plus als stärksten des Handelstages aus, auch die Öl- und Gasbranche (plus 2,97 Prozent) und der Automobilsektor (plus 2,75 Prozent) gewannen stark. Die einzigen und damit auch die höchsten Abgaben setzte es unterdessen für den Energiesektor, er schwächte sich um 0,20 Prozent ab.

Stärkster Einzelwert waren im Euro-Stoxx-50 Arcelormittal, die um 5,64 Prozent auf 12,83 Euro kletterten. Auch Eni (plus 3,35 Prozent) und Repsol (plus 3,25 Prozent) lagen klar befestigt, während die französischen Banken Societe Generale (minus 1,50 Prozent auf 18,67 Euro) und BNP Paribas (minus 1,36 Prozent auf 31,22 Euro) ans untere Ende rutschten.

Im Fokus standen weiterhin die Aktien der britischen Großbank Barclays, die sich wegen der maßgeblichen Verwicklung in einen weltweiten Zinsmanipulationsskandal von einer weiteren Führungskraft getrennt hat. Barclays-Chef Bob Diamond ist heute mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, nachdem bereits am Montag der Chef des Verwaltungsrats, Marcus Agius, seinen Rückzug angekündigt hatte. Der scheidende Agius soll nun die Suche nach einem Nachfolger für Diamond leiten. Barclays-Aktien fielen im Londoner Leitindex "Footsie" um 0,80 Prozent auf 167,05 Pence.

Air France-KLM legten im breiteren Euro-Stoxx um knapp vier Prozent auf 3,89 Euro zu. Der Air-Berlin-Großaktionär Etihad Airways verhandelt einem Medienbericht zufolge über eine weitreichende Kooperation mit der wirtschaftlich angeschlagenen französischen Fluggesellschaft. Die Zusammenarbeit solle über ein Gemeinschaftsunternehmen organisiert werden, das noch im Herbst gegründet werden könnte, berichtete die Tageszeitung "Le Figaro". Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft und Niki-Mutterkonzern Air Berlin sowie die italienische Alitalia sollen miteinbezogen werden.

Der angeschlagene französische Autokonzern Peugeot Citroen will Medienberichten zufolge in Frankreich 8.000 bis 10.000 Arbeitsplätze abbauen und damit doppelt so viele wie bisher geplant. Damit könnten bis zu zehn Prozent der Peugeot-Beschäftigten in den französischen Werken ihre Stelle verlieren, berichteten die Zeitung "Les Echos" und die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag. In der vergangenen Woche hatte ein Gewerkschaftsvertreter gesagt, Konzernchef Philippe Varin habe die Belegschaft auf noch härtere Einschnitte eingestimmt und neue Sparmaßnahmen angekündigt. Peugeot Citroen verteuerten sich um 3,65 Prozent auf 7,72 Euro.

Ein Branchen-Konkurrent, der italienische Autobauer Fiat, stockt seinen Chrysler-Anteil auf 61,8 Prozent auf. Die Fiat-Gruppe hat eine Kaufoption auf einen 3,3-prozentigen Chrysler-Anteil, der dem US-Fonds Veba gehörte, ausgeübt. Bisher hielten die Italiener einen Anteil von 58,5 Prozent an dem US-Konzern. Der Kaufpreis werde auch aufgrund der Ebitda-Ergebnisse Chryslers in den letzten vier Quartalen bestimmt, hieß es. Fiat stiegen in Mailand satte 5,09 Prozent auf 4,13 Euro.

 (APA, 3.7.2012)

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