"Gesichter des Islam: Männer und Frauen"

3. Juli 2012, 10:12
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ORF-Magazin "kreuz und quer" zeigt Dokus über Steinigung in Afghanistan und muslimisches Selbstverständnis der Geschlechter

Eine Nachricht der BBC schockierte die Öffentlichkeit: In einem abgelegenen Dorf im Nordosten Afghanistans sei eine junge Frau zu Tode gesteinigt worden, weil man sie des Ehebruchs bezichtigt hatte. Ihr vermeintlicher Liebhaber wurde von der Dorfgemeinschaft verprügelt, woraufhin er aus der Gegend flüchtete. Die Steinigung sei nur deshalb erfolgt, weil die Eltern der jungen Frau der brutalen Hinrichtung zugestimmt hätten. Denn nur so könne ihre besudelte Familienehre wiederhergestellt werden.

Kurz nach dem Vorfall - der sich bereits 2005 ereignete - hieß es jedoch, das alles sei gar nicht so gewesen. Keiner habe der jungen Frau etwas zuleide getan und eine Steinigung sei nie erfolgt. Sie sei einem Herzanfall erlegen. Das ganze Dorf hüllte sich in Schweigen und keiner wollte etwas von dem Vorfall bemerkt haben. 

Das Schweigen der Steine

Der Fall erweckte das Interesse des polnischen Filmemachers und promovierten Geisteswissenschafters Krzysztof Kopczynski. In seinem Dokumentarfilm "Das Schweigen der Steine" versucht er zu ergründen, was sich in dem Dorf Spinghul tatsächlich zugetragen hat. Durch konsequentes Beobachten und durch gezielte Fragen gelingt es ihm, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, schlussendlich erfährt er die Wahrheit über den tragischen Tod der jungen Frau. Darüber hinaus liefert er Einblicke in das Alltagsleben in einem von Kriegswirren nach wie vor beeinträchtigen Land. 

Im Rahmen des Magazins "kreuz und quer" zeigt der ORF diese Doku ebenso wie Hannes Schulers Film "Gesichter des Islam: Männer und Frauen", der Musliminnen und Muslime und das Selbstverständnis der Geschlechter in Marokko, Deutschland und Saudi-Arabien dokumentiert.

In der Königsstadt Fes erlebt das TV-Publikum eine traditionelle Hochzeit und die Ehe als nach wie vor verpflichtende islamische Lebensform. In Duisburg verblüfft Zerah Yilmaz, Leiterin der Begegnungsstätte der neuen Moschee in Marxloh, mit offenen Worten. In Saudi-Arabien analysiert die Studentin Maram Taibah scharfsinnig die Rolle der Frauen zwischen Ausgrenzung und Neudefinition, während im neuen Dialogzentrum des Königs junge Männer und Frauen in vorsichtigen Kontakt treten.

Beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschland diskutieren junge Leute im hessischen Bad Orb Fragen zu Beziehung und Religion. Der ägyptisch-schweizerische Islamwissenschafter Tariq Ramadan spricht in London über die Rolle von Frauen und Männern im Islam. In Fes erlebt das TV-Publikum am Hammelmarkt und in einem Stadthaus das traditionelle Opferfest.

Der Film berichtet vom ersten Studiengang für weibliche Seelsorger, "Mourchidas", begleitet die junge Designerin Faouzia Choukri als Chefin von sechs Männern und als gehorsame Tochter. Unweit der tausend Jahre alten Moschee lassen die Hip-Hopper der Gruppe F'assi - gläubige und in ihre Familien integrierte junge Leute - ihre Beats durch die Gassen schallen. In einem Haus für ledige Mütter in Casablanca zeigt sich eine besonders harte Seite der Lebensrealität muslimischer Frauen. (red, dieStandard.at, 3.7.2012)


Link

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung (3.7.2012) sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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