Wiener Bädermisere: Brausen gehen

Kommentar |

Die Dimension der Misere ist nicht absehbar

Wien geht baden. Wer nicht im Büro sitzen muss, der sucht sich dieser Tage ein Fuzerl kühles Nass. Im Sommer ist das nicht so schwer, dräut aber der Winter, kann sich Wien sportpolitisch brausen gehen. Im Stadthallenbad, das seit Mai 2010 saniert wird, sind statt der Bauarbeiter die Sachverständigen am Werk, noch immer ist rätselhaft, warum das Becken vor sich hin tröpfelt - um nur eines von vielen Problemen zu nennen. Gleichzeitig ist das Amalienbad wegen Renovierung geschlossen. Und als Nächstes könnte das Stadionbad zur Baustelle werden, immerhin kursieren bereits Pläne für dessen Überdachung und Ausbau.

Diese Pläne sind aus der Not geboren. Kein Mensch kann vorhersagen, wann das Stadthallenbad wieder aufsperrt. Das war fatal für die Spitzensportler, die sich auf Olympische Spiele vorbereiten mussten. Jeder Tag, an dem nicht gebaut wird, ist fatal für die Schüler, die im Turnunterricht aufs Bad verzichten müssen; und letztlich für alle Wiener Steuerzahler, die das Renovierungs-Chaos einiges kosten dürfte.

Logisch, dass die Stadt versucht, sich abzuputzen, hier habe man nix gewusst, dort sei man zu spät informiert worden, und überhaupt werde man versuchen, sich finanziell an den Baufirmen schadlos zu halten. Ob das funktioniert, darf freilich bezweifelt werden. Derzeit ist nicht einmal die Dimension der Misere absehbar. Im Rathaus hat man allen Grund zu schwitzen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 3.7.2012)

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