Tiki-taka, Bumm! Bumm! Bumm! Bumm!

2. Juli 2012, 20:25
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Wie in seinen besten Zeiten bei der EURO 2008 bildete das spanische Team im Finale gegen Italien eine kristalline Struktur wechselseitiger Beziehungen

Wie in seinen besten Zeiten bei der EURO 2008 bildete das spanische Team im Finale gegen Italien eine kristalline Struktur wechselseitiger Beziehungen. Zwischen Alba, Alonso, Iniesta und Xavi etablierten sich die spielbestimmenden Verdichtungen. Von Anfang an entwickelten die Spanier einen Druck mit doppelter Stoßrichtung. Die Lauf- und Aktionswege waren wie in kaum einer der vorangegangenen Partien in die Breite angelegt – mit dem klaren Ziel, Lücken in die massive italienische Defensive zu reißen. Dadurch fand die vorderste Front (Iniesta – Fabregas – Silva) jene Räume zum Kombinieren und Dribbeln vor, die ihr etwa in der Vorrundenbegegnung mit den Italienern weitgehend versagt geblieben waren.

Die nachrollende Linie (Xavi – Alonso – Busquets) erhöhte den Druck auf die Italiener zusätzlich durch frühes Beschränken des Mittelfeldlenkers Pirlo. Der bislang Makellose wurde dadurch immer wieder zu Fehlpässen bzw. zu horizontalen Abspielen und Rückpässen gezwungen. So blieb als notgedrungene Alternative nur der riskante hohe Ball nach vorn, der meist ein gefundenes Fressen für die spanische Defensive war. Mit Fortdauer der Begegnung fiel der bislang so präzise Spielaufbau der Italiener mehr und mehr der Müdigkeit zum Opfer. Bis zur 60. Minute konnte Italien noch einen Gleichstand in der Passstatistik halten, aber spätestens nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Motta ergaben sich die verbliebenen zehn Azzurri ihrem Schicksal.

Die Spanier brachten den Abend mit doppelter Gnadenlosigkeit zu Ende: einesteils mit ihrem am sprichwörtlichen Schnürchen abschnurrenden Passspiel, und obendrein noch mit einer für spanische Verhältnisse fast frivolen Freizügigkeit im Toreschießen. En passant dürfte die Seleccion an diesem historischen Abend auch noch den fehlenden Text für die spanische Nationalhymne kreiert haben: "Tiki-taka, Tiki-taka, Bumm! Bumm! Bumm! Bumm!" (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 3.7.2012)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE SPANIEN

1. Jordi Alba–Iniesta 22

2. Alonso–Iniesta 20

3. Xavi-Iniesta 19

3. Jordi Alba–Alonso 19

5. Iniesta–Jordi Alba 17

6. Alonso–Busquets 15

6. Iniesta–Xavi 15

8. Xavi–Alonso 14 9. Ramos–Jordi Alba 13

9. Iniesta–Fabregas 13 9. Alonso–Xavi 13

9. Busquets–Alonso 13

13. Arbeloa–Xavi 12

14. Xavi–Jordi Alba 11

SCHLÜSSELSPIELER SPANIEN*

1. Xavi 181 (90/91)

2. Alonso 169 (88/81)

3. Jordi Alba 155 (85/70)

4. Iniesta 154 (69/85)

5. Fabregas 95 (34/61)

6. Busquets 92 (50/42)

7. Arbeloa 86 (48/38)

8. Silva 77 (33/44)

9. Ramos 63 (34/29)

10. Pique 47 (27/20)

10. Pedro 47 (21/26)

* Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT SPANIEN

1. Ramos 97,06 (33 von 34)

2. Busquets 96,00 (48 von 50)

3. Xavi 93,33 (84 von 90)

4. Jordi Alba 90,59 (77 von 85)

5. Pedro 90,48 (19 von 21)

6. Alonso 89,77 (79 von 88)

7. Pique 88,89 (24 von 27)

8. Arbeloa 87,50 (42 von 48)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE ITALIEN

1. Barzagli–Bonucci 13

2. Bonucci–Barzagli 12

3. Barzagli–Pirlo 11

3. Pirlo–De Rossi 11

5. Bonucci–De Rossi 10

5. Abate–Barzagli 10

5. Abate–Pirlo 10

5. Barzagli–De Rossi 10

5. De Rossi–Balzaretti 10

10. Bonucci–Pirlo 9

10. Balzaretti–Balotelli 9

10. Balzaretti–De Rossi 9

13. Bonucci–Buffon 8

13. Barzagli–Abate 8

SCHLÜSSELSPIELER ITALIEN*

1. De Rossi 117 (59/58)

2. Barzagli 115 (67/48)

3. Pirlo 112 (58/54)

4. Bonucci 102 (57/45)

5. Abate 80 (45/35)

6. Montolivo 76 (37/39)

7. Balotelli 74 (21/53)

8. Balzaretti 68 (38/30)

9. Marchisio 59 (29/30)

10. Buffon 43 (26/17)

* Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT ITALIEN

1. Bonucci 94,74 (54 von 57)

2. Buffon 92,31 (24 von 26)

3. Balzaretti 92,11 (35 von 38)

4. De Rossi 89,83 (53 von 59)

5. Montolivo 89,19 (33 von 37)

6. Abate 84,44 (38 von 45)

7. Barzagli 83,58 (56 von 67)

8. Chiellini 81,82 ( 9 von 11)

9. Balotelli 80,95 (17 von 21)

10. Pirlo 75,86 (44 von 58)

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und analysierte für den STANDARD auch exklusiv die Spiele der EURO 2012. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

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