Mexikos ehemalige Staatspartei kehrt an die Macht zurück

2. Juli 2012, 19:13
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Die Konservativen wurden nach zwei Perioden und einem so blutigen wie erfolglosen Drogenkrieg abgestraft - Präsident wird der alerte Enrique Peña Nieto - Viele fürchten, dass mit ihm auch alte Sitten wiederkehren

Nach zwölf Jahren in der Opposition kehrt die Partei der Institutionellen Revolution (PRI) in Mexiko an die Macht zurück. Der Kandidat der PRI, Enrique Peña Nieto, erhielt nach Auszählung von mehr als vier Fünfteln der abgegebenen Stimmen 37,6 Prozent Zustimmung, gefolgt von Andrés Manuel López Obrador von der linken Partei der Demokratischen Revolution (PRD), der auf rund 32,2 Prozent kam. Auf dem dritten Platz mit rund 25,4 Prozent landete die Kandidatin der regierenden konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN), Josefina Vázquez Mota. Geringes Wirtschaftswachstum, politische Blockade und eine hohe Kriminalitätsrate mit rund 60.000 Toten im Krieg gegen die Drogenkartelle belasteten die konservative PAN.

Als Erste trat Vázquez Mota vor die Presse, um ihre Niederlage einzuräumen. "Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer Bürgerkampagne, in der die PAN Freiheit und Demokratie verteidigen wird" , sagte die 51-Jährige. Eine klare Anspielung auf Peña Nieto, der sich zwar als moderner Politiker darstellt, vielen aber als Vertreter des autoritären, korrupten Regierungsstils gilt, den die PRI in den 71 Jahren ihrer Herrschaft gepflegt hat. Zwar stimmte die Mehrheit der Wähler gegen die PRI, doch weil sich die Stimmen auf PAN und PRD aufteilten und es in Mexiko keine Stichwahl gibt, gelang der PRI die Rückkehr in den Präsidentenpalast.

Peña Nieto reichte den anderen Parteien die Hand und versprach eine offene, partizipative, moderne und demokratische Präsidentschaft. " Mexiko hat uns eine zweite Chance gegeben, die wir nun mit Resultaten honorieren müssen", betonte er.

Der unterlegene López Obrador, der 2006 seine Niederlage angefochten und auch diesmal die PRI des Stimmenkaufs bezichtigt hat, wollte seine Niederlage zunächst nicht anerkennen.

Offene Reformprojekte

Auch bei den gleichzeitig stattfindenden Gouverneurswahlen errang die PRI Erfolge, darunter in den Bundesstaaten Jalisco, Chiapas und Yucatán. Die Hauptstadt bleibt allerdings weiterhin in der Hand der PRD, die auch in Tabasco und Morelos siegte, während die PAN Guanajuato verteidigte.

Bei den Parlamentswahlen hingegen konnte die PRI ersten Ergebnissen zufolge nicht die angestrebte Mehrheit erringen, die es ihr erlaubt hätte, alleine zu regieren. Die Aufspaltung des Kongresses in drei große Blöcke und die Unfähigkeit zu Kompromissen war in den vergangenen Jahren maßgebend für den Reformstau und die politische Blockade.

Offen ist, ob Peña Nieto unter diesen Umständen die versprochene Steuer- und Energiereform umsetzen kann. In Sachen Sicherheitspolitik will er die Armee zwar zunächst weiter gegen den Drogenhandel einsetzen, jedoch den Schwerpunkt auf die Reduzierung der Gewaltkriminalität legen: "Mit dem organisierten Verbrechen wird weder paktiert noch ein Waffenstillstand ausgehandelt." Der 45-Jährige ist Verfechter einer starken Exekutive, hat aber beteuert, Demokratie und Rechtsstaat zu respektieren.

Peña Nieto sei zwar kein "Dinosaurier", aber viele seiner engsten Mitarbeiter schon, so der Politologe Sergio Sarmiento. "Mexiko ist ein sehr viel pluralistischeres Land als vor zwölf Jahren; mit einer kritischen Presse, einer aktiven Zivilgesellschaft und einer starken Opposition", sagt der Historiker Enrique Krauze. "Eine Rückkehr zum autoritären Führungsstil von früher ist unwahrscheinlich." (Sandra Weiss/DER STANDARD Printausgabe, 3.7.2012)

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    Nach den Wahlen gab es Betrugsvorwürfe: Dieser Wähler beklagte, dass er nicht habe wählen können und die Regierung lüge. In manchen Sprengeln sollen zu wenige Stimmzettel aufgelegen sein.

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