Personalentscheidungen: Papst will Kurs halten

Kommentar2. Juli 2012, 18:48
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Die romtreue Kirche heißt die neu bestellte Nummer zwei im Vatikan willkommen

Jahrhundertelang sorgte die Heilige Inquisition für die Durchsetzung der Reinheit des katholischen Glaubens - oft mit brutalen Mitteln. Auch wenn diese einflussreiche Behörde 1542 von Paul III. reformiert wurde und seit 1965 offiziell den Namen "Kongregation für die Glaubenslehre" trägt: Ihr Chef wird, ob scherzhaft oder ernst, auch heute noch immer wieder als "Großinquisitor" tituliert.

Mit dem deutschen Hardliner Gerhard Ludwig Müller wurde nun ein Mann berufen, der diesem Amt, sagen wir einmal so: wieder schärferes Profil verleihen soll. Die romtreue Kirche heißt den Dogmatik-Professor erfreut willkommen, Reformkreise schreien aber entsetzt auf. Kurioserweise stehen sie dabei auf der gleichen Seite wie die erzkonservativen Piusbrüder: Sie wettern gegen den "Glaubensbock" der "vom Teufel gerittenen Konzilskirche".

Wer gehofft hatte, der Amerikaner William Joseph Levada würde nun von einem reformfreundlicheren Geistlichen abgelöst, wurde - natürlich - enttäuscht. Es musste doch klar sein: Justament bei der Bestellung des obersten Hüters der Glaubenslehre werden nicht neue Zeiten anbrechen. Diese lassen ja auch beim Fußvolk der Amtskirche seit langem auf sich warten. Und in Reaktion auf "Vatileaks" - die Affäre um das Bekanntwerden vertraulicher Kirchendokumente - will Papst Benedikt offenbar signalisieren, dass er das Ruder der Kirche weiterhin mit fester Hand führt. Das hatte zuletzt nicht mehr immer so gewirkt. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 3.7.2012)

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