US-Industrie auf Talfahrt

2. Juli 2012, 17:58
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In der Eurozone bremste sich Rückgang im Juni ein

Berlin - Im Sog der Euro-Schuldenkrise hat die deutsche Industrie ihre Talfahrt beschleunigt. Die Geschäfte schrumpften laut dem am Montag vorgelegten Markit-Einkaufsmanagerindex für Juni so stark wie zuletzt vor drei Jahren. "Die rasch um sich greifende Abkühlung der Weltkonjunktur hat den exportlastigen deutschen Aufschwung ins Stottern gebracht", attestierte Markit-Ökonom Tim Moore. Stärker bergab ging es auch in Italien und Spanien, der Abwärtstrend in Frankreich schwächte sich leicht ab.

Das Barometer des britischen Markit-Instituts für die deutsche Industrie fiel um 0,2 auf 45,0 Zähler und landete damit auf dem tiefsten Niveau seit drei Jahren. Für die Eurozone verharrte der Index auf 45,1 - also Mai-Niveau. Vor allem mangels Neu- und Folgeaufträgen drosselten die Unternehmen die Produktion weiter. Damit setzte sich die Auftragsflaute fort, wobei von den Exportmärkten sogar noch weniger Bestellungen eingingen als im Vormonat.

Die gute Nachricht: Die Talfahrt im Währungsraum wird sich zumindest nicht verschärfen, sie kam im Juni zum Stehen. Die Firmen führen die Schrumpfkur auf die Zurückhaltung der Kunden in ganz Europa zurück. "Die Daten deuten auf eine Schrumpfung des Industriesektors im zweiten Quartal um zirka ein Prozent hin. Der Abwärtstrend dürfte sich im zweiten Halbjahr beschleunigen", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. In Deutschland nahmen die Auftragsbestände den zehnten Monat in Folge ab - ein Rückgang so stark aus wie zuletzt im November 2011. Dies sorgte zusammen mit Produktionskürzungen und Auftragseinbußen dafür, dass die Firmen den dritten Monat in Folge Stellen abbauten.

Die schwache weltweite Nachfrage nach Rohstoffen führte zugleich dazu, dass erstmals in diesem Jahr die Einkaufspreise kräftig fielen. Dies veranlasste die Unternehmen, ihre Verkaufspreise erstmals seit knapp zweieinhalb Jahren geringfügig zu senken.

In der unter niedrigen Preisen ächzenden Stahlindustrie wächst zudem die Sorge vor neuer Ostkonkurrenz mit dem WTO-Beitritt Russlands. "Insgesamt sind langfristig 60 bis 70 Prozent der europäischen Stahlkapazitäten bedroht", sagte Voestalpine-Chef und Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer, Wolfgang Eder, dem Handelsblatt. Die Europäer müssten ihre Kapazitäten von 210 Mio. Tonnen im Jahr um bis zu ein Viertel reduzieren.

Einen herben Rückschlag verbuchte die US-Industrie. Laut Institute for Supply Management (ISM) fiel der Index der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe auf 49,7 Punkte, eine glatte Schrumpfung. Der Frühindikator für den Auftragseingang brach von 60,1 im Mai auf 47,8 ein.

Besser scheint es derzeit nur in Japan zu gehen. Der Tankan-Geschäftsklimaindex verharrt zwar noch im Minus, er verbesserte sich aber um drei Punkte. (Reuters, DER STANDARD, 3.7.2012)

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    Die Nachfrage nach Rohstoffen schwächelt, Einkaufs- und Verkaufspreise sinken - erstmals seit zweieinhalb Jahren.

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