Hypo Alpe Adria kämpft auch in Südosteuropa

2. Juli 2012, 17:40
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Wirtschaftsflaute lässt Geschäftsmotor stottern - Erste Berechnungen für Bad Bank

Die Lage der verstaatlichten Hypo Alpe Adria ist höchst unbequem. Die juristische Vergangenheitsbewältigung kostet Nerven und bringt Wertberichtigungen - und auch Gegenwart und Zukunft sind grau. Die Bank trägt schwer an ihrem Rucksack voll mit faulen Krediten: rund zehn Mrd. Euro oder ein Drittel der Bilanzsumme.

Abseits dessen läuft auch das Geschäft in Südosteuropa schleppend; "der Optimismus für diese Region war verfrüht", sagt ein Informierter. Es werde "sehr mühsam, die Ziele für heuer zu erreichen". Das erste Quartal wurde zwar mit schwarzen Zahlen beendet - aber dank Sondereffekten.

Im Brennpunkt der Probleme steht immer noch das Eigenkapital. Bis Ende 2012 muss die von Gottwald Kranebitter geleitete Bank laut Berechnungen der Nationalbank OeNB und Bescheid der Finanzmarktaufsicht 1,5 Mrd. Euro Eigenkapital aufstellen. Oder Risiko abbauen, also schrumpfen.

Allein: Die bereits in der Auslage wartenden Banktöchter (wie die in Österreich und Italien) finden keine Abnehmer; der Markt ist ausgetrocknet. Also setzt die Bank, wie berichtet, auf Gründung einer Art Bad Bank, in der die Abbau-Assets deponiert werden. Die Gesellschaft soll mangels Banklizenz nicht dem Bankwesengesetz und seinen Eigenkapital-Unterlegungspflichten unterstehen. Freundet sich das Finanzministerium damit an, könnte Aktionär Staat mit Garantien arbeiten, statt erneut Bares in die Hypo einschießen zu müssen. Letzteres kommt beim Steuerzahler schlecht an; ersteres könnte freilich die Maastricht-relevante Staatsschuld erhöhen. Die Bank hat bereits erste Berechnungen abgeliefert. In der OeNB soll man sich für die Deponievariante erwärmen können.

Stichwort Notenbank: Sie hat die Hypo Ende 2008 bekanntermaßen als " nicht distressed" (kein Sanierungsfall) bewertet. Damals glaubten die Notenbanker noch an die Planungen der (Ex-)Hypo-Chefs, 2009 werde die Bank 225 Mio. Euro Gewinn schreiben. Auch die Bedienung der Zinsen fürs Partizipationskapital des Bundes "erscheint möglich", wenngleich die Planungsrechnungen "mit sehr positiven Annahmen unterlegt wurden", so die OeNB damals. Ein Jahr später war die Hypo verstaatlicht. (gra, DER STANDARD, 3.7.2012)

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