Aufsichtsratschef von Barclays tritt zurück

2. Juli 2012, 17:26
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Marcus Agius, Aufsichtsratschef der Bank Barclays, tritt im Skandal um Zinsmanipulationen zurück. Die Kritik der Politik nimmt zu

Marcus Agius, Aufsichtsratschef der Bank Barclays, tritt im Skandal um Zinsmanipulationen zurück. Die Kritik der Politik nimmt zu. Die Behörden vertiefen nun ihre Ermittlungen gegen andere Banken.

 

London/Wien - Der Skandal um die Manipulation des Referenzzinses Libor hat den Wolkenkratzer One Churchill Place in London erschüttert. In der Zentrale der britischen Großbank Barclays kündigt sich ein Köpferollen an. Am Montag hat der Aufsichtsratsvorsitzende Marcus Agius seinen Rücktritt bekanntgegeben. "Ich werde hier nicht den schwarzen Peter weiterreichen, sondern die Verantwortung übernehmen." Vergangene Woche hat die Bank wegen jahrelanger Manipulation des Libor mit Behörden in den USA und London einen Vergleich über 290 Millionen Pfund (361 Mio. Euro) geschlossen. Am Libor hängen laut Informationen der US-Behörde CFTC knapp 600 Billionen Euro an Wertpapieren.

Pikant: Agius zieht sich auch als Aufsichtsratschef der British Banker's Association BBA zurück. Die BBA ist dafür verantwortlich, den wichtigen Interbankenzinssatz Libor per Umfrage unter Großbanken zu ermitteln.

Der Rücktritt von Agius erhöht den Druck auf Barclays-Chef Bob Diamond. Spitzenpolitiker und Regulatoren hatten das Management von Barclays kritisiert und den Rücktritt von Diamond gefordert. Mervyn King, Chef der britischen Notenbank: "Jeder versteht nun, dass mit der Bankindustrie etwas sehr schiefgelaufen ist." An der Börse ist der Reputationsverlust enorm: Die Aktie von Barclays ist seit Donnerstag um mehr als 13 Prozent gefallen und hat damit mehr als zwei Milliarden Pfund an Marktkapitalisierung verloren.

Champagner für Trickserei

E-Mails, die von der britischen Aufsicht FSA veröffentlicht wurden, zeugen von Missständen. Ein Zinshändler bei Barclays schrieb: "Der Trick ist, dass du das nicht alleine machen darfst." Laut FSA haben die " Submitter" von Barclays, jene Banker, die Daten an die BBA zur Ermittlung des Libor schicken, über zwei Phasen die Zinsen manipuliert. Zwischen 2004 und 2007 ging es um die Steigerung von Handelsgewinnen mit Derivaten. So hat ein externer Händler am 26. Oktober 2006 einen Barclays-Kollegen um einen niedrigeren Drei-Monats-Zinssatz angefleht, " sonst bin ich ein toter Mann". Nach erfolgreicher Libor-Setzung die Erlösung: "Ich schulde dir was! Komm einmal nach der Arbeit und wir machen eine Flasche Bollinger auf."

Der britische Premierminister David Cameron versprach nun die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses, vor dem die beteiligten Bankmanager unter Eid aussagen sollen. Das Gremium soll aus Vertretern beider Parlamentskammern bestehen und vollen Zugang zu sämtlichen Unterlagen erhalten. Finanzminister George Osborne will prüfen lassen, ob Top-Banker für Verbrechen der Mitarbeiter haftbar gemacht werden können.(sulu, DER STANDARD, 3.7.2012)

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    Ein Bild aus besseren Tagen: Marcus Agius (links) beim Radfahren mit Londons Bürgermeister Boris Johnson. Nun muss Agius vom Rad steigen. Der britische Banker tritt als Aufsichtsratschef von Barclays zurück.

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