Wiener wünschen sich mehr Polizisten mit Migrationshintergrund

2. Juli 2012, 17:09
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Beziehung der Exekutive zu Zuwanderern untersucht - Unterschiede zwischen Wiener Ergebnissen und Resultaten Restösterreichs

Wien - Die Wiener wünschen sich offenbar mehr Polizisten mit Migrationshintergrund. Das ist zumindest eines der Ergebnisse einer Studie der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS), die am Montag in Wien präsentiert wurde. Knapp vier von fünf Bewohnern der Bundeshauptstadt meinten, dass mehr Migranten im Polizeidienst eine gute Sache wären. Im Rest Österreichs hielten dies nur 62 Prozent für wünschenswert. Die Wiener Polizei wähnt sich in dieser Frage auf einem guten Weg.

Für die Studie wurden bereits im September und Oktober vergangenen Jahres 1.381 Personen persönlich interviewt. Dabei war Wien mit 767 Befragungen deutlich überrepräsentiert. Das dürfte wohl daran liegen, dass einerseits der Verein der Freunde der Wiener Polizei die Untersuchung finanzierte, andererseits der Migrationsanteil laut Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) in der Bundeshauptstadt mit 40 Prozent deutlich höher als im übrigen Österreich ist. 78 Prozent der Befragten gaben als Herkunftsland Österreich an, elf Prozent einen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens, drei Prozent die Türkei und zwei Prozent Deutschland. Die restlichen sechs Prozent teilten sich auf andere Nationalitäten auf.

Spezielle Schulung von Polizeibeamten

Lediglich 62 Prozent der Wiener Befragten hielten die Maßnahmen zur Integration für Zuwanderer für ausreichend. Im übrigen Österreich waren es 80 Prozent. Laut Marc Bittner von der SWS wäre aufgrund dieser Diskrepanz eine These aufzustellen, wonach bei geringerem Migrantenanteil auch die Integrationsproblematik als nicht so groß eingestuft werde. Die stärkere Nähe zum Thema in Wien sei jedenfalls bedeutend für die Studienergebnisse, so die Interpretation der SWS. Bei den Befragten aus Österreich (72 Prozent) und aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (70 Prozent) gab es hingegen kaum Unterschiede, ob die Maßnahmen zur Integration ausreichend seien. Die Zahl der Befragten, die aus anderen Staaten stammten, war zu gering, um in die Ergebnisliste aufgenommen zu werden

Ebenso waren mehr Wiener als Restösterreicher für spezielle Schulungen von Polizeibeamten, "um mehr Verständnis für andere Kulturen zu erreichen", wie es in der Fragestellung hieß. Hier zeigte sich auch, dass bei Menschen mit Migrationshintergrund dies deutlich stärker begrüßt würde als bei in Österreich geborenen Personen. 79 Prozent der Interviewten wünschten sich verstärkte Zusammenarbeit der Exekutive mit Organisationen und Vereinen für Zuwanderer.

Negative Einstellung zu Menschen aus Afrika

Untersucht wurde auch, wie die Österreicher den Umgang der Polizei mit einzelnen Zuwanderergruppen sehen. So beurteilten Wiener die Einstellung der Exekutive zu diesen Gruppen schlechter als Befragte in Restösterreich. Am besten tritt die Polizei nach Meinung der Interviewten Personen aus ostasiatischen Staaten wie China oder Japan gegenüber: 78 Prozent der Wiener glaubten, dass die Beamten zu Personen aus diesen Herkunftsländern eine "eher gute" Einstellung haben. 77 Prozent in der Bundeshauptstadt meinten, dass dies für Personen aus den östlichen Nachbarstaaten Österreichs gelte. 67 Prozent weniger Nennungen gab es für Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien, gefolgt von Homo- und Transsexuellen mit 62 Prozent.

Am negativsten sehen die Wiener die Einstellung der Polizisten zu Personen aus afrikanischen Ländern. Lediglich 30 Prozent glaubten, dass die Exekutive diesen Menschen eher positiv gegenübertrete. 37 Prozent hielten die Einstellung der Polizei gegenüber Punks für positiv, 42 Prozent bei Skinheads und 44 Prozent bei "anderen sozial auffälligen Gruppen wie Wohnungslosen, Suchtgiftkranken, Alkoholsüchtigen".

120 Migranten im Polizeidienst

Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl sagte, dass derzeit 120 Beamte mit Migrationshintergrund bei der Exekutive in der Bundeshauptstadt Dienst versehen. Das sind etwa zwei Prozent der Gesamtbelegschaft. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die sich derzeit in der Sicherheitsakademie in Ausbildung befinden, beträgt laut Kurz sieben Prozent. Den Auftrag zur verstärkten Zusammenarbeit mit NGOs, die sich für Zuwanderer einsetzen, sah Pürstl bereits als erfüllt an. Er verwies auf Kurse und Workshops unter anderem mit der Anti-Defamation League (ADL) - in der Presse-Unterlage als "Anti Deformation League" bezeichnet -, das Projekt Polizei, Afrikanerinnen und Afrikaner und Ähnliches.

Dass nach wie vor sehr wenige Personen mit Migrationshintergrund sich bei der Polizei bewerben, musste Pürstl auf Nachfrage einräumen. Es bestehe nach wie vor ein Abstand zwischen staatlichen Organisationen und Menschen mit Migrationshintergrund. "Diesen Abstand müssen wir verringern." Außerdem gebe es bestimmte Kriterien für die Aufnahme in die Polizeiausbildung, die sei für alle gleich. "Da fallen einige heraus, weil sie die Prüfung nicht schaffen." (APA, 2.7.2012)

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