Eine Streitschrift für den Kapitalismus

Conrad Seidl
2. Juli 2012, 17:24
  • Michael Hörl: Die Gemeinwohl-Falle. Ecobizz-Verlag, Großgmain 2012, 427 Seiten, 24,40 Euro.
    foto: ecobizz-verlag

    Michael Hörl: Die Gemeinwohl-Falle. Ecobizz-Verlag, Großgmain 2012, 427 Seiten, 24,40 Euro.

Erfinden Banken Geld aus Luft und waren sie wirklich an der Krise schuld?

Michael Hörl streitet gerne. Als Lehrer an einer Tourismusschule ist ihm aufgefallen, mit wie wenig Wirtschaftswissen Schüler konfrontiert sind - und wie anfällig sie für populistische Deutungen des Wirtschaftslebens sind. Etwa als Attac-Sprecher Christian Felber an seiner Schule aufgetreten ist. Felber wurde sofort zur Lieblingszielscheibe von Hörl: In seinem ersten Buch "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute" knöpfte Hörl ihn sich nur nebenbei vor, "Die Gemeinwohl-Falle" ist die direkte Antwort auf Felbers Vision "Die Gemeinwohl-Ökonomie" (bei Deuticke neu aufgelegt) - und auf Veröffentlichungen von Jean Ziegler und Franz Hörmann.

Für Hörl ist der Kapitalismus das Allheilmittel - und wo er Übelstände hervorbringt, rechnet Hörl sie sich schön: So sei unbestreitbar, dass der Manchesterkapitalismus ähnlich wie die Verstädterung in der Dritten Welt üble Slums entstehen ließ. Doch wer im Slum lebt und (Industrie-)Arbeit hat, verdient und lebt immer noch besser als ein Landarbeiter.

Vermögen anzuhäufen mag zur Zeit Jesu damit verbunden gewesen sein, dass der Reiche dem Armen etwas wegnimmt - aber das gelte in Wirtschaftssystemen, die auf dem Markt erfolgreiche Produkte schaffen, eben nicht, sagt Hörl. Und er nennt als Gegenbeispiel die Wirtschaftssysteme des Marxismus-Leninismus, die sich angemaßt haben, Gemeinwohl zu schaffen - womit sie durchwegs gescheitert sind. Für politisch gefährlich hält es Hörl, wenn linke Autoren und Funktionäre karitativer Organisationen ständig darauf verweisen, dass die Armut im Zunehmen sei: Das verstelle nicht nur den Blick auf notwendige wirtschaftliche (in Hörls Lesart: unternehmerfreundliche) Maßnahmen, es stärke auch - unbeabsichtigt - Positionen der extremen Rechten. Ärgerlich an dem Buch ist aber weniger sein Inhalt als seine formale Ausführung; ein sorgfältiges Lektorat und professionelle Grafiken hätten die Lesbarkeit erhöht. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 3.7.2012)

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Wer das Cover näher bedrachten will:

http://www.amazon.de/gp/produc... 56&s=books
Ob diese Aussagen wirklich alle falsch sind? *Augenbraue-hochzieh*
Ich bin gewiss nicht ein Kommunist oder Sozialist, aber ich denke ich würde dem Buch in den meisten Punkten widersprechen.

Kapitalistisches Wirtschaftssystem? wo?

unser Wirtschaftssystem hat mit Kapitalismus ungefähr so viel zu tun wie eine Legebatterie mit artgerechter Tierhaltung.

Aber wenn's einigermaßen reibungslos läuft, dann schon.

So mache ich das mit meiner Holden auch: Alles, was mir nicht gefällt, schiebe ich beiseite als externe Malaise. Und zurück bleibt, hast du nicht gesehen, allzeit ein wunderschönes Zauberbild.

"Arme Tourismusschüler!" kann ich da nur sagen.

Sein Unterricht dürfte sich von "Religion" kaum unterscheiden: Das Wiederkäuen überkommener Dogmen trotz gegenteiliger Evidenzen, weil man zu feig ist, sein Weltbild zu hinterfragen. Hoffentlich sind seine Schüler geistig weiter als er.

Nur weil sich einmal einer gegen das Establishment stellt?

Da sagt einmal einer was Kritisches gegen die Hunderten und Tausenden Globalisierungskritiker und ihre verkorksten Thesen - und schon wird er öffentlich gesteinigt.
Ich finde es toll, dass sich einmal wer was sagen traut, auch wenn es einer Mehrheit nicht passt!
Wer ist heute noch so mutig?

Da schließe ich mich an...

...erschreckend was heute so alles auf die Schüler losgelassen wird.

Der Mann scheint ungefähr so viel Ahnung von Wirtschaft zu haben, wie ein Fisch vom Radfahren; nur dass Fische keine Bücher schreiben.

Na, dann hängen Sie 'mal ihre Ideologie in den Schrank und nennen S' ein Beispiel!

1) Lernen Sie Geschichte
2) Lesen Sie viel, dann stellen sich solche Fragen wie die Ihre gar nicht.
3) eco.bizz.Verlag e.U. - Inh. MMag. Michael Hörl. Der "arme" Mann hat wohl niemanden gefunden, der seine "Streitschrift" für den Kapitalismus verlegen wollte. Allgemein ein Zeichen für "gute" Literatur.
4) Lesen Sie Resensionen anderer zu dem Buch.
5) Und auch wenn ich mich wiederhole: So jemand wird auf unsere SchülerInnen losgelassen!?

Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen beantworten. Und jetzt trollen Sie sich bitte in ein anderes Forum.

Eigentlich ist es sinnlos, auf ein derart niveauloses Posting überhaupt einzugehen ("Und jetzt trollen Sie sich bitte in ein anderes Forum") aber gerade weil ich Geschichte gelernt habe weiß ich, dass alles, was Felber bisher gesagt oder gedacht hat, in der ein oder anderen Form schon einmal gesagt wurde, und zwar im letzten Jahrhundert. Es wurde sogar versucht, diese Konzepte umzusetzen. Der Ausgang dieser Experimente ist bekannt.

narodnaja volja vs krawattinger 4:1

es geht nicht ums wachsen, es geht ums schaffen, schaffen ist teil der menschlichen identität...

"Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet es sowohl den Reichen wie den Armen, auf den Straßen zu betteln, unter den Brücken zu schlafen und Brot zu stehlen."
Anatole France

und eben weil von den politmarionetten zu große firmen und privatvermögen zugelassen wurden, haben wir keine demokratie mehr...

ostrazismus jetzt

"...Gegenbeispiel die Wirtschaftssysteme des Marxismus-Leninismus, die sich angemaßt haben, Gemeinwohl zu schaffen - womit sie durchwegs gescheitert sind." - Lernen Sie Geschichte, Herr Hörl! Wo wären wir, wenn die russische Revolution und die vielen

Räterepubliken und starke kommunistische Parteien nach dem 1. Weltkrieg und letztlich teilweise bis in die 70er-Jahre nicht den westlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen das Fürchten gelehrt hätten, sodaß Sozialdemokraten und Christlichsoziale sich darin übertrumpften wenigstens in demagogischen Ansätzen sozialen Ausgleich herzustellen, auf soziale Marktwirtschaft und auf Sozialpartnerschaft zu machen? Der Kapitalismus - wie viele ihn heute noch denken und glauben erstrecht denken zu müssen - wäre in seiner Blödheit wohl an sich selbst gescheitert, weil er ohne die Linken gar nicht den Massenkonsum durch zahlungskräftige Arbeitnehmer, der seine eigene Grundlage bildet, ermöglicht hätte!

diesen hörl habe ich im club 2 gesehen...ausserordentlich intelligent der herr...lol

in der üblichen club 2 runde wirkt auch eine amöbe mit downsyndrom intelligent

tja, nicht jedem ist es vergönnt den mathematische fehler in unserem system zu erkennen, und die fehlerhaftigkeit abseits der ideologischen trampelpfade für kurzdenker zu argumentieren und auf die üblichen dogmen und floskeln zu verzichten.

offenbar ein typischer schwarz/weiss denker, der zwischen den inhaltsleeren dogmen "kaptalismus" und "kommunismus" keine grauschattierungen erkennen kann und glaubt den vorteil des einen systems mit dem versagen des anderen argumentieren zu können, ohne zu erkennen, daß auch sein geliebtes system regelmäßig die patschen beutelt bzw. nur unwesentlich länger funktioniert und dann auch noch zum gleichen ergebnis führt.

trotzdem gut, daß auch auch laien damit beschäftigen und sich gedanken machen

Kooperation vs. Konkurrenz, das ist das Spannungsverhältnis, an dem kein fortschrittliches Gesellschaftssystem vorbeikommt. Im Sozialismus fehlte es an der Konkurrenz in dem Sinne, dass sich sinnvollere Alternativen kaum durchsetzen konnten, im Kapitalismus fehlt es am Bewußtsein, dass alle im selben Boot sitzen. Es sind wie immer die Spielregeln, die sich eine Gesellschaft auferlegt, und die sind im bestehenden System einfach suboptimal. Es ist dieses System nicht grundsätzlich schlecht, aber es ist so viel mehr möglich.

Klingt wie das alte ÖVP-Geschwurbel und ist sicher durch nur durch die Unternehmerbrille gesehen. Wahrscheinlich werden in diesem Machwerk auch Banken, Boni, Spekulanten, Immobilienwucher und leistungslose Vermögen (ohne Erwerbstätigkeit) verteidigt.

Eine Realwirtschaft brauchen wir auch gar nicht - wozu auch? Den tausenden Lohnsklaven und Arbeitslosen halten wir halt den davon profitierenden Multimillionär als Musterbeispiel für Erfolg und Leistung vor die Nase.

Eine weitere eklatante Schwachstelle des Kapitalismus ist die, dass dauernd neue Bedürfnisse geschaffen werden müssen (cf. Marketing und Werbung), wodurch der Mensch immer mehr sich selbst entfremdet werden muss. Fazit: Hörl will den Arbeits- und Konsumtrottel.

Das Buch gar nicht kennen aber posten.

"Wahrscheinlich werden in diesem Machwerk auch Banken, Boni, Spekulanten, Immobilienwucher ...verteidigt"

Ihr definitionsfehler

Der Mensch ist ein (gieriger) Konsumtrottel.

Einfach den mangelhaften homo oeconomicus, gegen den idealisierten homo cooperativus oder homo oecologicus auszutauschen ist halt kein großer Wurf, sondern Wunschvorstellung.

lt der herrschenden vorstellung des "homo oeconomicus"

müste ich mir jedesmal, wenn ich bei einer tankstelle vorbeifahren überlgen ob es nicht "ökonomischer" wäre diese zu überfallen, statt zu tanken....

Alles eine Risikoabwägung

Mein (ehemaliger) Friseur glaubt auch, dass er Englisch kann.

Der Christian Felber glaubt auch, dass er was von Ökonomie versteht.

Zumindest wissen wir

dass UHBK es mit Sicherheit nicht kann.

Na und,

die Frau Finanzminister glaubt das auch!

Ich habe Bücher zu allem möglichen gelesen, von Harvard Press, Yale Press, Oxford Press, M.I.T. Press, deren Vorlesungen gehört, frei Verfügbar im Internet, und mir so Wissen angeeignet, um mir eigene Meinungen bilden zu können - und meine eigenen Schlüsse ziehen zu können.

Nun kenne ich die Motivation dieses Autoren nicht, oder dessen Hintergrund, jedoch scheint es mir, als wolle er schlicht in einer Haudrauf Methode die Kritiker in ein schlechtes Licht zu rücken, und dass in unfundierter Weise.

Wenn der Autor eventuell selbst von einem System profitiert, und deshalb mögliche Änderungen bereits im Keim erstickt sehen möchte.

Ich lese zZt. Why Nations Fail, auf Haudrauf Literatur für simple Gemüter, verzichte ich lieber weiterhin. :)

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