Geschwindigkeit - ein Irrtum der Jugend

2. Juli 2012, 17:40
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Wolfmother und Saint Vitus gastieren in Wien

In dieser Woche gelangt es in Wien zu einem Almauftrieb im Fach des Beutelrock. Am heutigen Dienstag gastiert in der Arena unter offenem Himmel die australische Hardrock-Band Wolfmother. Die klingen wie die Kinder von Black Sabbath. Heavy, aber auch ein bisserl zu schnell. Es ist ja eine der ewigen Irrungen der Jugend, zu glauben, Geschwindigkeit bringe einen schneller vorwärts.

Andernorts, im Viper Room, gastiert am Donnerstag Saint Vitus. Auch diese Formation hat Black Sabbath verinnerlicht. Jedoch fand es die aus Los Angeles kommende Formation nie wichtig, ihren Helden mittels übertriebener Hast zu huldigen. Weshalb wir es bei Saint Vitus gleichzeitig mit Mitbegründern des Doom Metal zu tun haben. Der vertraut auf zähe Wucht, auf langsam mahlende Mühlen eher denn auf Zwischensprints. Doom ist mentalitätsmäßig so drauf wie Vater Bulle in dem Witz, den Robert Duvall im Film Colors dem jungen Sean Penn erzählt. Diesen Witz wiederzugeben, lassen der Anstand sowie der Respekt gegenüber Frauen nicht zu. Die Pointe ist in nämlichem Polizeifilm von Dennis Hopper nachzusehen.

Auch wenn Saint Vitus um den Grundelmeister Scott "Wino" Weinrich nie den kommerziellen Erfolg von Wolfmother haben werden, ist ihr Einfluss auf das Genre seit den späten 1970ern amtlich und wirkt auch über andere Bands, in denen Weinrich vertreten war. In The Hidden Hand, Spirit Caravan oder dem All-Star-Projekt Shrinebuilders. Für alle gilt: Stumpf ist Trumpf, der Rest ist Dreck. In diesem Sinne, viel Vergnügen mit Wolfmother und den pädagogisch ungleich wertloseren Saint Vitus. (flu, DER STANDARD, 3.7.2012)

  • Wolfmother: 3. 7., Arena, 18.00
  • Saint Vitus., 5. 7., Viper Room, Landstraßer Hauptstr. 38, 20.00
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