Weiblicher Herzinfarkt: Risiko wird unterschätzt

2. Juli 2012, 15:55
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Herz-Kreislauferkrankungen sind - speziell bei Frauen - noch immer viel zu wenig bewusst

Rund 33.000 Menschen in Österreich sterben jährlich an den Folgen von Herzerkrankungen, insbesondere am Herzinfarkt. Rund 60 Prozent davon sind Frauen. Dass das Herzinfarktrisiko beim weiblichen Geschlecht viel zu gering eingeschätzt wird, darauf macht die österreichweite Informationsinitiative für Frauen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zonta Golden Heart, aufmerksam.

Viele Informationen, die die Kardiologen in den letzten Jahren aus großen randomisierten Studien gefolgert haben, treffen für das weibliche Geschlecht nicht zu, da in diesen Studien der Anteil der teilnehmenden Frauen zu gering war, kritisiert die Initiative. Die Zahl der Herzinfarkte nehme bei Frauen aber zu, bei Männern in den letzten Jahren eher ab. Dieses Problem werde quantitativ noch verstärkt durch die zunehmende Überalterung in unserer Gesellschaft und die zunehmenden Risikofaktoren, wie Übergewicht, metabolisches Syndrom und Diabetes melitus.

Fakten und Risikofaktoren

Die Risikofaktoren sind für beide Geschlechter die gleichen. Ein besonderes Kapitel stelle bei jungen Frauen jedoch die Kombination "Frau über 30 Jahre plus Nikotin plus Pille" dar. In dieser Gruppe sei das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, enorm hoch. Darüber hinaus entwickelte sich in den letzten zwei Jahrzehnten die Doppelbelastung Beruf und soziale Rolle (Mutterrolle) als ein zusätzlicher Risikofaktor.

Ein weiterer Risikofaktor für Frauen: Nach den Wechseljahren kommt es beim weiblichen Geschlecht zu einem Anstieg des Cholesterins und damit meist zu einer Zunahme des Körpergewichtes, verbunden mit Bewegungsmangel. Gemeinsam mit dem Wegfall des hormonellen Schutzes der Sexualhormone für die Entstehungen von Herzkranzgefäßerkrankungen und der höheren Lebenserwartung wird das Erkrankungsrisiko stark gesteigert.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es in der klinischen Präsentation der Beschwerden, der Aussagekraft von diagnostischen Maßnahmen und einem unterschiedlichen Ansprechen auf therapeutische Interventionen. Der weibliche Herzinfarkt unterscheidet sich bei der Akutpräsentation und auch bei den Vorläufern. Damit ist die Symptomatik weniger verlässlich, und die Untersuchungsergebnisse haben eine höhere Rate an falschen positiven Befunden als bei Männern.

Die klinische Manifestation von Herzerkrankungen kommt bei Frauen duchschnittlich zehn Jahre später als bei Männern. Frauen demonstrieren mehr Symptome, mehr abnorme Untersuchungstests, aber weniger Prävalenz von Herzkranzgefäßverengungen. Offensichtlich sei beim weiblichen Geschlecht die Grunderkrankung unterschiedlich und andere Faktoren kausal vergesellschaftet, so die Vertreter der Initiative.

Die Zonta Golden Heart Initiative will darauf aufmerksam machen, dass das Bewusstsein der Frauen für eine Herz-Kreislauferkrankung gesteigert werden sollte und die Symptome und Untersuchungsergebnisse besser geschlechtsspezifisch evaluiert werden müssen. (red, derStandard.at, 2.7.2012)

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