Ein Sieger mit Vergangenheit

2. Juli 2012, 15:15
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Danilo Di Luca siegt am Kitzbüheler Horn und führt die Österreich-Radrundfahrt an - Rohregger Dritter

Kitzbühel/Wien - Danilo Di Luca hat als Radprofi schon vieles gesehen, aber seinen Sport auch schon sehr viel anschauen lassen. Seit Montagnachmittag steht der 36-jährige Italiener aus Spoltore am Fuße der Abruzzen in der nun zwölf Namen umfassenden Liste der Sieger einer Rundfahrts-Bergankunft beim Alpenhaus rund 330 Höhenmeter unter dem Kitzbüheler Horn (1996 m).

Dass er nicht nur Klassiker gewinnen, sondern auch hervorragend klettern kann, hat Di Luca schon mit dem Gesamtsieg beim Giro d'Italia 2007 bewiesen. Dass es bei seinen Erfolgen nicht immer mit rechten Dingen zugegangen ist, gilt ebenfalls als erwiesen. Im Februar 2010 war Di Luca wegen Dopings rückwirkend mit Juli 2009 für zwei Jahre gesperrt und mit einer Geldstrafe in Höhe von 280.000 Euro belegt worden. Seit Herbst 2011 fährt er wieder Rennen, in Österreich aktuell an der Seite Stefano Garzellis, des Giro-Siegers von 2000, für Acqua & Sapone. Am Montag kletterte er ins gelbe Trikot der 64. Österreich-Rundfahrt.

Deren zweite Etappe begann zunächst in Innsbruck und dann, rund 150 Kilometer weiter östlich, im 7,1 Kilometer langen und bis zu 22,3 Prozent steilen Anstieg zum Alpenhaus neu. Bei der Mautstelle, 4,8 Kilometer vor dem Ziel attackierte Thomas Rohregger, 2008 Österreichs letzter Rundfahrtssieger und 2007 letzter heimischer Triumphator unterm Horn. Zwei Kilometer vor Schluss griff Di Luca an und rettete schließlich sieben Sekunden auf den Schweizer Steve Morabitto und zehn Sekunden auf Rohregger ins Ziel. "Das war einer der steilsten Berge, die ich je gefahren bin", gestand der neue Gesamtführende. "Ich bin von unten weg mein Tempo gefahren und hab es auf den letzten beiden Kilometern etwas erhöht. Das hat für den Etappensieg gereicht."

"Ich habe alles gegeben", sagte Rohregger, der in der Heimat den Kapitän des Teams RadioShack-Nissan geben darf. Der 31-jährige Tiroler, wegen seiner Nichtnominierung für Olympia noch immer einigermaßen geladen, bewunderte Di Luca für dessen Vorstellung ("Ich habe schnell gemerkt, dass er stärker ist, er hat fast alle Lücken geschlossen."), gelobte aber auch, dem Routinier das Leben in den nächsten Tagen nicht leicht zu machen. "Ich habe ein starkes Team, und wir werden angreifen. Da ist noch alles möglich."

Heute, Dienstag, geht es über 141,8 Kilometer von Kitzbühel nach Lienz (ab 12.30 Uhr, ORF 1). Zu bezwingen sind dabei Pass Thurn, Felbertauern und die Pustertaler Höhenstraße. Am Mittwoch folgt dann der Ritt über den Großglockner in Richtung St. Johann / Alpendorf. (lü, DER STANDARD, 3.7.2012)

Ergebnisse 64. Österreich-Radrundfahrt vom Montag:

2. Etappe: Innsbruck - Kitzbüheler Horn (157 km/Bergankunft): 1. Danilo di Luca (ITA) Acqua e Sapone 3:50:50 Stunden - 2. Steve Morabito (SUI) BMC + 0:07 Min. - 3. Thomas Rohregger (AUT) RadioShack + 0:10 - 4. Petr Ignatenko (RUS) Katjuscha 0:21 - 5. Alexander Djatschenko (KAZ) Astana 0:23 - 6. Robert Vrecer (SLO) Team Vorarlberg 0:27 - 7. Sergio Pardilla (ESP) Movistar 0:40 - 8. Angelo Pagani (ITA) Colnago 0:50 - 9. Marco Pinotti (ITA) BMC 0:59 - 10. Marcel Wyss (SUI) NetApp 1:17. Weiter: 16. Riccardo Zoidl (AUT) Wels Gourmetfein 1:49 - 20. Paul Lang (AUT) WSA-Viperbike 2:34 - 27. Dominik Hrinkow (AUT) Vorarlberg 4:10 - 33. David Wöhrer (AUT) Team Tirol 5:21 - 34. Hans-Jörg Leopold (AUT) WSA-Viperbike, gl. Zeit. - 39. Georg Preidler (AUT) Type 1 5:42 - 40. Harald Totschnig (AUT) Team Tirol, gl. Zeit.

Gesamtwertung nach 2 von 8 Etappen: 1. Di Luca 7:45:28 Stunden - 2. Morabito + 0:11 Min. - 3. Rohregger 0:16 - 4. Ignatenko 0:31 - 5. Vrecer 0:37 - 6. Djatschenko 0:44 - 7. Pardilla 0:50 - 8. Pagani 1:00 - 9. Pinotti 1:09 - 10. M. Wyss 1:27. Weiter: 16. Zoidl 2:02 - 21. Lang 2:55 - 27. Hrinkow 4:31 - 34. Leopold 5:42 - 36. Preidler 5:52 - 37. Totschnig, gl. Zeit. - 38. Wöhrer 5:54 - 39. Martin Schöffmann (AUT) WSA-Viperbike 5:55.

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    Danilo di Luca als Erster am Berg.

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    Thomas Rohregger (re.), Dritter am Kitzbüheler Horn, sagt Di Luca den Kampf an.

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