Die "Farmvillisierung" von "Diablo 3"

Daniel Koller
9. Juli 2012, 13:19

Wie Blizzard versucht, noch mehr Geld aus den Taschen der treuen Spieler zu ziehen

Activision-Blizzard ist ein reiches Unternehmen. 2010 machte das Videospielstudio mit dem Sitz in Santa Monica einen Umsatz von 4,447 Milliarden Dollar Umsatz, wovon 418 Millionen Dollar reiner Gewinn waren. Allein mit dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft" hat Blizzard ungefähr zehn Millionen aktive Spieler an sich gebunden, die monatlich bzw. jährlich brav ihr Geld überweisen, um weiterzocken zu können. Bisher hatten die treuen Fans der kalifornischen Spieleschmiede auch kein Problem, für die Spielekracher des Softwareriesen einiges zu bezahlen, doch Loyalität kennt ihre Grenzen.

Ein Dorn im Auge vieler Spielefans ist die Online-Plattform "battle.net". Diese wurde Zeitgleich mit dem Launch von "Diablo 1" im Jahr 1996 ins Leben gerufen. Die früheste Version ermöglichte es den Spielern untereinander zu interagieren und Mehrspieler-Servern beizutreten. Wollte man nur ein paar Minuten im Einzelspielermodus verbringen, war dies allerdings separat vom battle.net, also offline möglich. 14 Jahre später wurde dieser Option ein Riegel vorgesetzt: Das Strategiespiel "Starcraft 2" setzte erstmals auch für den Einzelspielermodus einen battle.net-Account voraus. Außerdem verpasste Blizzard dem Spiel keinen LAN-Modus, was besonders die professionellen Spieler erzürnte. Der kalifornische Softwareriese wollte mit diesem Schachzug der Piraterie und einem möglichen Sicherheitsrisiko entgegenwirken.

"Diablo 3" wurde ebenfalls mit besagtem "Online-Zwang" versehen. So hätte sich der Ärger im moderaten Rahmen bewegt, wenn Blizzard die nötigen Server-Kapazitäten bereitgestellt hätte. Taten sie aber nicht. In den ersten Tagen klagten etliche Spieler über massive Server-Ausfälle, die "Diablo 3" praktisch unspielbar machten. Schnell fielen die Versandhaus-Bewertungen in den Keller, trotzdem verkaufte sich das Spiel prächtig. Innerhalb einer Woche wanderte "Diablo 3" mehr als 6,3 Millionen Mal über den Ladentisch, ein neuer Rekord.

Echtgeld für nötiges Equipment

Nach anfänglichen Ärgernissen mit technischen Problemen, monierten eingefleischte Fans inhaltliche Mängel. Das Spiel sei kein würdiges Glied in der "Diablo"-Reihe, schrieben viele, einige ließen ihre Wut im offiziellen "Diablo 3"-Forum oder auf Amazon freien Lauf. Besonders das Auktionshaus wurde in die Kritik genommen. In diesem ist es dem Spieler möglich Gegenstände, wie Ausrüstungen zu handeln. Was sich als eigentlich gute Idee anhörte, entpuppte sich schnell als reine Goldgrube für den Spielehersteller Blizzard. Beim zweiten Teil entwickelte sich auf Ebay schnell eine eigene Community der "Diablo"-Spieler, die seltene Gegenstände zu meist fairen Preisen zum Verkauf anboten. War man als Hardcore-Spieler mit seinem Equipment also nicht zufrieden, konnte man getrost ein paar Euro investieren, um seinen Charakter zu verstärken. Der Spieleerfolg hing nicht unmittelbar damit zusammen.

Blizzard witterte eine Geschäftsidee und stattete "Diablo 3" mit einem Spielegold-, sowie einem Echtgeld-Auktionshaus aus. In beiden kann man auf Gegenstände, sowie komplette Charaktere (noch in Planung) bieten, einziger Unterschied ist das verwendete Zahlungsmittel. Die Kritik vieler Spieler ist nun, dass es mit dem neuen Patch (1.03) durch die hohen Reparatur-Kosten fast unmöglich geworden ist, starkes Equipment im Spielegold-Auktionshaus zu erstehen und man so sanft dazu gezwungen wird, sein Echtgeld für Ausrüstung zu verwenden.

Theoretisch könnte man ja auch mehr Zeit in das Spiel investieren, so dass die gewollten Items gedroppt werden. Theoretisch. Denn ein weiterer Kritikpunkt der Spielefans ist, dass kaum noch seltene und auch brauchbare Gegenstände in "freier Wildbahn" zu bekommen sind. Will man seinen Spielcharakter wirklich verbessern ist man daher entweder dazu gezwungen Spielegold in mühseliger Arbeit zu "farmen", das man dann bei weit überhöhten Preisen für nötiges Equipment einsetzt. Oder man tritt den Weg ins Echtgeld-Auktionshaus an und verwendet seine Euros, um seinen Charakter zu verstärken. Letzteres dürfte wohl das Ziel von Blizzard sein.

"Farm 'n' Pay" statt "Hack 'n' Slay"

Die Enttäuschung der Spieler ist groß. Ein User auf Amazon schreibt sogar, dass es sich bei dem Spiel nicht mehr um "Hack 'n' Slay" sondern um "Farm 'n' Pay" handelt. Dies spiegelt sich auch bei den anderen Einträgen wieder. Doch eigentlich ist die Idee, Spielgegenstände für Echtgeld zu erwerben, nicht neu. Viele andere Spielehersteller versuchten auch noch nach dem Kauf, noch ein bisschen Geld aus den Taschen der Zocker zu holen. So konnte man zum Beispiel bei Sport-Simulationen optional Gegenstände kaufen, die einen verbesserten. Dies hielt sich jedoch in einem gewissen Rahmen, da man die Fähigkeiten durch einen zeitlichen Mehraufwand kompensieren konnte. Der Unterschied zwischen "Diablo 3" und den anderen Spielen mit selbigem Angebot ist also, dass der Spiel-Erfolg nun direkter mit der Brieftasche zusammenhängt. (Daniel Koller, derStandard.at, 9.7.2012)

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Es gibt eine ganz einfache Lösung für das Problem.

So einen Shice einfach nicht spielen.

Als ob im D2 niemand der wirklich spielte, nicht auch nebenbei gehandelt hätte um sich überhaupt erst vieles finanzieren zu können. Klar low bis mid Drops waren ständig da, Wert hatten die aber auch keinen wirklichen. :)

Leute haben Dupes erstellt und andere haben sie brav gekauft obwohl sie mit ziemlicher Sicherheit zB wussten das die Enigma nur geduped sein kann.
Klar für einen Dupe kann man auch einen "fairen" Preis verlangen. ;)
Und das ist nur ein Beispiel.

Ich will hier D3 nicht in Schutz nehmen, das Game wurde komplett an die Wand gefahren, es belohnt nicht genug auf Dauer und die DIREKTE Anbindung für alle an das Ah hat halt wirklich viele Leute angezogen die einfach nur Geld machen wollen damit.

Dadurch sind die Preise für low/mid im Keller und Top geht nicht mehr ohne € oder nen Milliarden Item.

Bevor hier wer zum flamen anfängt, hab nen Tornado Barb (84) und klopfe damit Trash auf Mp10.
Da fällt aber auch nicht mehr. :)

"...so dass die gewollten Items gedroppt werden."

steht da wirkich "gedroppt"? Journalismus auf Topniveau!

die leute sudern über miese drops und wissen zum teil nicht mal wie die mechanik des magicfind funktioniert.
unter 225%mf ohne buff ist da eben nicht viel mit gear.
die nächsten sudern darüber das man doch "farmen" muss.
(grats zu der erkenntniss darum gings in diablo schon immer).

man braucht weder das echtgeld-ah, noch was zahlen.

3 items die ich trage sind gefunden, 7 gehandelt und der rest aus dem goldah und ich spiele derzeit in akt3 inf vorwiegend.

was bitte muss man zahlen um vorwärts zu kommen?
ihr handelt mit spielern, wie auch schon in d2, nur das es diesesmal ein unpersönliches ah ist und man bisschen mehr für andere klassen findet, als für die eigene. klingelts? genau, ranged und melee spielen dann sieht es anders aus.

Mit mehr MF% findet man aber keine "besseren" Items sondern nur mehr gelbes, und vielleicht mehr chance auf goldenes und grünes! die Ernüchterung kommt dann immer beim identifizieren. ;)

Also bedeutet mehr MF% noch mehr Sh*t-Items! Der Loot in Diablo 3 ist durchaus mit Spam zu vergleichen. Alle 10min muss man in die Stadt zum Händler um den ganzen Müll loszuwerden. Leute mit Wechsel-MF-Gear müssen schon nach jeder Elitegruppe zum Schrotthändler.

Mir wäre lieber viel viel weniger Items die man finden kann (also kein Item-Spam) dafür aber etwas sinnvollere. Dann macht das Farmen auch wieder spaß. Momentan ist es einfach stumpfsinnig. Es besteht keine Freude, wenn 3-4 gelbe Items am Boden liegen wenn man weiß was so dabei rauskommt.

Eine erhebliche Anzahl an Diablo 3 Spielen wurde an Wow Spieler praktisch verschenkt

Durch eine kleine Vertragsänderung ohne Mehrkosten wurden Wow Spieler unter anderem mit Diablo 3 beschenkt und damit die Verkaufszahlen gefakt.
Aber Diablo ist Crap, wer Wow spielt, kann mit dem dumpfen und simplen Diablo 3 wenig anfangen.

WoW ist mindestens genau so Dumpf wie Diablo 3. Ich will hier keinem zu nahe treten. Aber ich finde das Spielprinzip einfach lächerlich, dass man sich letztendlich nur noch mit besserer Ausrüstung steigern kann, als mit wohl überlegter Fertigkeitenauswahl.

Wie Blizzard versucht, noch mehr Geld aus den Taschen der treuen Spieler zu ziehen...

und wieso sie Erfolg damit haben werden.

Zu den Diablo 3 Problemen:

- Die Serverprobleme finde ich nicht so extrem. Ja, am Anfang gab es die - aber wer erwartet dass Blizzard die doppelte Serverkapazität für die ersten 2, 3 Tage finanziert, die nachher nie wieder gebraucht wird? Das ist ein kleiner Negativ-Punkt.

- Das Endgame nervt. Ohne AH geht es nicht mehr! Also nur noch farmen, ins AH, farmen, ins AH...

- Blizzards Überheblichkeit: Dank Immer-Online sollte es weder Cheater noch Bots geben. Hat leider nicht funktioniert! Und die Panik-Raktionen von Blizzard (z.B. kein Gold mehr in Vasen etc.) ruiniert für alle ehrlichen Spieler das Spiel.

Diablo 3 selbst ist ein gutes Spiel. Aber der AH-Zwang wegen Blizzards Geldgier, das lahme Endgame und die Überheblichkeit Blizzards nerven!

Ja, am Anfang gab es die - aber wer erwartet dass Blizzard die doppelte Serverkapazität für die ersten 2, 3 Tage finanziert, die nachher nie wieder gebraucht wird?

Müssen sie nicht. Für solche Fälle kann man Server mittlerweile on Demand anmieten und dann wieder abstoßen.

Und bei Diablo 3 wäre so eine Lösung noch einfacher realisierbar gewesen da man nicht wie bei einem MMORPG, wo man Realms erstellen muss, Gefahr läuft, dass die dann unterbevölkert sind wenn der Ansturm vorbei ist.

Vasen zu zerstören ist sowieso mühsam, also danke für den Hinweis, dass nun eh nichts mehr drinnen ist. ;)

Blizzard könnte auch definitiv öfters den Spielstand speichern, nicht nur beim Checkpoint. Ich bin nun ca. 3-5 aus dem Spiel geflogen und hab zusammen vielleicht 1h Zeit verloren. Das nervt extrem.

Ich habs inzwischen deinstalliert, hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht - vielleicht irgendwann dieses Jahr mal wieder installieren.

Momentan bin ich eh wieder eher auf Starcraft 2 fixiert :-)

Ich hasse pay2win -.-

Wie viel verdient Blizzard eigentlich bei einer vollzogenen Echtgeld-Auktion mit ?

danke ;) wird das vom Eigengewinn abgezogen ?

falsch, 15% bei Handwerksmaterialien und 1€ pro verkauftem Item

15% oder mindestens 1 euro denn viele gegenstände werden um 2-3 euro rein gestellt , kannst dir ausrechnen , weit mehr als 15% auf jeden fall

Diese gewaltgames gehören verboten

es wird der natürliche Hemmung zum Morden damit wegkonditioniert. Der Mensch volkommen entwertet.

Wer soetwas spielt ist eine Gefahr für die Gesellschaft.

sie haben soo recht!
bin eh grad total wild drauf!
kann mich gar nicht entscheiden was ich als nächstes umniete.

hab seit gestern reallife einen 1079dps bogen mit 450 life on hit, da kann die polizei aber abfahren!
mit 39%dodge sind auch kugeln jetzt kein problem mehr für mich.
ich geniesse es einfach, immer unter strom, immer voll drauf.

vorallem bei meiner neuen jacke mit all resistance und dem ring mit movementspeed steche ich zu und zieh mich wieder zurück, während ich mir die items auf der strasse anschaue die der rest der masse gedroppt hat.

sollte mir was in meine fallen laufen, ergötze ich mich immer am lauten schmatzenden geräusch.
nur mit der steuerung tu ich mir noch bisschen schwer.

Sie sagen es!

Seit ich "Abenteuer auf dem Ponyhof" gespielt habe, bin ich auf der schiefen Bahn. Zuerst wollte ich immer Ponys stehlen. Das genügte mir bald nicht mehr. Ich habe versucht einen Ponyhof zu besetzen. In der Irrenanstalt meinte man dann ich hätte die vor allem bei Mädchen vorkommende "Ponyhof-Sucht". Naja, ich nehme jetzt brav morgens und abends meine Tabletten und versuche jeden Kontakt mot Ponys zu vermeiden.

Stimmt absolut!

Erst gestern habe ich dem Drang fast nachgegeben. Es ist wirklich schlimm! Ich wollte schon fast mein 1500 DPS Schwert aus dem Kasten holen, meine flammende Rüstung des Schmerzes anziehen und aufgeblähte Zombies und Skelettkrieger in den Straßen von Graz schlachten.

Solche Spiele gehören verboten, gell?

hmm

mich stört der eigentliche content, die welten sind sowas von öd. kleine spiele wie bastion schaffen da mehr.

ganz zu schweigen von etwas wie dem ersten dungeon siege, wo auch alles linear war, nur halt mit sehr vielen details und sehr abwechslung.

d3 ist einfach fad, die levelmuster wiederholen sich dauernd, irgendwann hat man die gleiche ecke zig-mal gesehen. 2012 nix besseres, kreatives zusammenzubringen ist schon extrem schwach.

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