"Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner"

Regina Bruckner, 2. Juli 2012, 14:07

Auch im Vorzeigeland Österreich ist bei den Jungen die Angst vor Arbeitslosigkeit hoch, heimische Firmen bilden weniger Lehrlinge aus als deutsche

Wien - Die Krise hinterlässt deutliche Spuren am heimischen Arbeitsmarkt. Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen um 5,5 Prozent gestiegen. Insgesamt sind 283.637 Menschen in Österreich ohne Job. Und selbst wenn die Zahl nichts über die Qualität der Arbeitsplätze aussagt: Österreich hat weiterhin die mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU. Was allerdings auffällt: Die Jugendarbeitslosigkeit ist auch bei uns mit 8,9 Prozent vergleichsweise hoch. Höher sogar als in Deutschland, wo die Quote bei 7,9 Prozent liegt.

Immerhin liegt der EU-Schnitt bei erschreckenden 22,4 Prozent. Gar nicht zu reden von den Zahlen in Griechenland (52,7 Prozent) und Spanien (51,5 Prozent). Eine UNO-Studie warnte jüngst eindringlich vor einer "verlorenen Generation".

Doppelt so hoch

Auch wenn sich Österreich als Musterschüler in Sachen Jugendarbeitslosigkeit bezeichnen darf, sind schon die offiziellen Zahlen nicht unbedingt beruhigend. 33.419 junge Menschen waren im Juni nach Zahlen des Arbeitsmarktservices arbeitslos gemeldet, 1.423 mehr als im Juni des Vorjahres und 5.116 mehr als im Juni 2007. Laut Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist die Jugendarbeitslosigkeit fast immer mindestens doppelt so hoch wie die allgemeine. Das sei nicht nur in Europa so, sondern auch in Japan und den USA, sagt er im Gespräch mit derStandard.at. Und warum?

Ein Grund ist auch die Statistik. Für Statistiker gelten Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren als Jugendliche. Damit umfasst die Jugendarbeitslosigkeit Menschen, die in der Regel schlecht qualifiziert sind. Denn mit 24 Jahren ist kaum jemand mit dem Studium fertig. Mangelnde oder fehlende Ausbildung sei ein bekannter Hemmschuh in der Arbeitswelt, aber "keine Berufserfahrung ist schon auch ein Grund", sagt Brenke. In manchen Ländern wie Spanien und Italien sei der Kündigungsschutz extrem hoch und deswegen der Einstieg ins Erwerbsleben für Jugendliche schwierig. Um in Italien Arbeitnehmer zu kündigen, prozessiert man jahrelang vor dem Arbeitsgericht. Bis zu 99 Monate, berichtete jüngst die "Neue Zürcher Zeitung".

Angst vor Arbeitslosigkeit

Unabhängig von den vergleichsweise guten Zahlen in Österreich, ist auch hierzulande bei den Jungen die Furcht vor Arbeitslosigkeit hoch "und das unabhängig vom Bildungsstand", sagt Jugendforscher Phillip Ikrath vom Wiener Institut für Jugendforschung. Wer am Arbeitsmarkt versagt, habe es "nicht geschafft". Entgegen dem Trend zu immer mehr provisorischen Jobs wie Praktika und Projekten sei ein sicherer Job ein hohes Gut. Von Politikern und Institutionen würden sich die Jungen allerdings nicht allzu viel erwarten. "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner", beschreibt Ikrath die Stimmungslage.

Die ist allerdings auch bei den Unternehmen nicht ungetrübt. Wer kennt nicht die bekannten Klagen rund um den postulierten Fachkräftemangel - WKÖ-Präsident Christoph Leitl bezifferte die Lücke jüngst mit 30.000 Personen - man finde nicht die passenden Bewerber vor allem im Lehrlingsbereich. "Die Anforderungen und der Leistungsdruck sind heute extrem hoch", kontert Ikrath. DIW-Forscher Brenke gibt zu bedenken, dass die Unternehmen in der Vergangenheit verwöhnt gewesen seien, standen doch reichlich Arbeitskräfte zur Verfügung. Nun müssten eben auch die Firmen vom hohen Ross steigen.

Ein Fünftel bildet aus

Laut Gewerkschaft bilden derzeit 20 Prozent der Firmen in Österreich Lehrlinge aus. Dazu kommt die Ausbildung in überbetrieblichen Lehrwerkstätten. Laut Wirtschaftskammer waren im Jahr 2011 von insgesamt 128.078 Lehrlingen 9.488 in einem überbetrieblichen Lehrverhältnis. Das AMS gibt dafür jährlich rund 150 Millionen Euro aus.

Ob nun genug ausgebildet wird oder nicht, darüber streiten sich ebenfalls die Geister. Laut Arbeitsmarktforscher Brenke muss man die Zahlen genauer anschauen: "Dem Trend nach hat die Zahl der Lehrlinge in Österreich zugenommen - aber nicht oder kaum in Relation zu allen Arbeitnehmern."

In Österreich sei laut Brenke "dasselbe unsinnige Verhalten wie in Deutschland zu beobachten: Es wird pro-zyklisch ausgebildet. In konjunkturell guten Zeiten mehr als in schwachen." Das Dumme sei nur, dass eine Ausbildung eben etwa drei Jahre dauere: "Und wenn in schwachen Zeiten wenig ausgebildet wird, wird es im Aufschwung bei den Fachkräften knapp." Im Übrigen gebe es in Österreich bezogen auf die Arbeitnehmer viel weniger Lehrlinge als in Deutschland." Für Unternehmer hat Brenke auch einen Tipp: "Man findet nicht den perfekten Mitarbeiter. Da müssen sich die Unternehmen auch strecken." (Regina Bruckner, derStandard.at, 2.7.2012)

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das war aber zu meiner zeit (1998/9) auch schon so... das AMS hat mir nichts geholfen, die sagten lediglich, ich solle die jobinserate in der zeitung lesen... dazu brauch ich kein AMS!

Geld wird heute eh nicht durch Arbeit verdient!

Zuwenig Selbständige und zu hohe Personalkosten

Wenns zuwenig Firmen gibt, gibts natürlich auch keine Arbeitsstellen. Wer von der Masse ÖsterreicherInnen ist denn schon bereit selbständig zu werden und dann vielleicht sogar noch Mitarbeiter einzustellen? Die dabei anfallenden Personal-Nebenkosten sind zudem einfach erdrückend.

Ich bin grad derzeit zusätzlich im Aufbau eines Unternehmens mit dem mittelfristigen Ziel auch Mitarbeiter anzustellen und ja ich habe aktuell dadurch einen 12-14 Stunden-Tag. Es gibt leider viel zu wenige die dafür bereit sind "Inhaber und Chef" zu werden.

Anstatt lange nur einen Job zu suchen und zu stempeln, lieber die Zeit nutzen und die Selbständigkeit zusätzlich vorbereiten. Natürlich sind Ausreden leichter zu finden als Taten zu setzen!

Man darf sich nicht wundern:

Je später die Alten in Pension gehen können, desto weniger haben die Jungen auf eine Chance am Arbeitsmarkt. Oder hat irgendwer geglaubt, zwischen Jungendarbeitslosigkeit und Pensionsantrittsalter bestünde kein Zusammenhang.
Österreich hat ja da auch noch einen Rückstau zu bewältigen. Bei uns war das inoffizielle Pensionsantrittsalter bei Männern lange Zeit 58, dann gabs das übergangsgeld. Nun gibts nix mehr und die Leute müssen trotzdem 5-7 Jahre länger arbeiten. Das heißt in den nächsten 5 Jahren wird auch kaum einer auf regulärem Weg in Pension gehen können. Das heißt auch, das Problem mußin den nächst Jahren eskalieren.

"Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner"

- das Motto einer Generation, quasi "Wickie, Slime und Paiper" der Jüngeren. Ein transatlantischer Exportschlager, ein Must-have für alle Erwachsenen von morgen.

heute auf der Titelseite des Print-Standard:

"Trotz Anstiegs bester Wert in Österreich. Umfrage: Jugendliche dennoch optimistisch"
Das passt mit der "hohen Angst" der jungen Leute in diesem Artikel vom selben Tag aber nicht ganz zusammen.... Die Umfrage des Wirtschaftsministeriums, die im Print-Standard zitiert wird, ist angeblich aktuell. Was jetzt? Angst oder Optimismus?

wieso angst?

freude sollte aufkommen.

durch lohnarbeit (extreme abgabenquote) kann man ohnehin kein vermögen mehr aufbauen. dann sollte man seine lebenszeit auch nicht darauf verschwenden:

http://www.youtube.com/watch?v=o0NSh9Ci_Mc

http://www.youtube.com/watch?v=a3LAlwn8P7Q

es gibt 2 empirische tatsachen:
1) immer weniger betriebe bilden immer weniger lehrlinge aus.
2) die ständige und immer lauter werdende klage über einen facharbeitermangel.
letztlich heißt das nur, dass die firmen ihre ausbildungskosten auslagern wollen. das zeigt sich auch bei stellenbesetzungen. interne rekrutierung, personalentwicklung war gestern. wenn heute eine stelle besetzt werden soll, dann schaut man sich auf dem markt um - und wählt aus dem überangebot.

deine schlußfolgerung ist eine mögliche, aber sie ist nicht ganz schlüssig

eine andere erklärung wäre: die fachkräfte die fehlen sollten höher qualifiziert seine als lehre und die unternehmer benötigen vermehrt besser qualifiziertes personal als lehrabschlüsse und bieten deshalbb weniger lehrlinge aus.

ich bin immer noch für eine verlängerung der schulpflicht auf 12 jahre.

also, wenn sie möglich ist, dann ist sie auch schlüssig, aber vllt ist sie nicht die einzig mögliche ....
ihr trend zur "höherqualifizierung" lässt sich empirisch bestätigen. bekannt ist das beispiel des kranfahrers mit abgeschlossener berufsausbildung (und wenn´s ein gelernter tischler ist) und der akademiker, der gefordert wird, wo früher die HAK genügt hat. kommt das, weil man "aus dem vollen schöpfen" kann?
"real" ist die klage über den facharbeitermangel, ist auch der mangel real? - alle relevanten studien sagen: kein mangel! (übrigens: in märkten wird ein drohender mangel durch preise signalisiert. die löhne stiegen aber nicht aussergewöhnlich).

ich weiß nicht wie gut das bsp mit dem kranfahrer ist, weil die ausbildung kranführer/staplerschein nicht wirklich so umfangreich ist. aber wenn ich bei baustellen vorbeigehe bin ich schon sehr froh wenn der kranfahrer ein zertifikat hat.

und hak absolventen haben heutzutage auch nicht wirklich so schlechte berufsaussichten, oder?

ist der mangel real? naja was verdienen technikter in den angesprochenen branchen? verdienen die viel? das würde für den mangel sprechen.

bei uns verdienen die techniker sehr gut.

das wird bestimmt auf einige - und nicht wenige - Betriebe zutreffen.

Trotzdem stimmt auch, was ich in Gesprächen mit vielen Unternehmern (oft von kleineren bis mittleren Betrieben verschiedener Branchen) gehört habe: es fehlt sehr vielen Jugendlichen an den Basisfähigkeiten wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Grundrechnungsarten oder einfachster Rechtschreibung. Eine Friseurin, die seit Jahren Lehrlinge sucht, sagt mir, es scheitert in den meisten Fällen daran,dass die jungen Leute nicht höflich grüßen können/wollen, dass sie zwischen pünktlich und eine Stunde Verspätung keinen Unterschied erkennen können/wollen oder eine Farbmischung 1:3 auch nach mehreren Erklärungen und Anleitungen nicht berechnen können. Ist schon auch schwer, wenngleich es bestimmt nicht auf alle Lehrstellensuchenden anzuwenden ist.

ja, ja ... seit jahren

und das noch "händeringend".
episoden und legenden sind ja allseits beliebt. andrerseits höre ich, dass wir gerade das problem haben, dass alle mädchen friseurinnen werden wollen.

dass viele lehrstellensuchende bzw jugendliche denkbar ungeeignet für den arbeitsmarkt sind und immer mehr nicht einmal bis drei zählen können oder wollen, ist aber leider keine "legende".

Ich habe in meinem speziellen Fach 3 Jahre lang

in 7 Staaten (darunter alle in der Branche tätigen öst. Betriebe) nach einer Lehre gesucht - Erfolglos. "Sowas wie sie können wir nicht brauchen" "wir nehmen nie Lehrlinge" und "wir bilden unsere Konkurrenz nicht aus" waren Standardantworten.

Dann (wiedermal) AMS Beratung und allgemeiner Eignungstest: "Überdurchschnittliche Intelligenz, hohes räumliches Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick, hohe Motivation, unterdurchschnittliche mathematische Fähigkeiten- Tja, für sie können wir nichts machen, ist wohl wirkllich besser, sie wandern aus"

Nach 3 Jahren hab ich dieses Spiel aufgegeben und mich selbst ausgebildet. 4 weitere Jahre später Gewerbeschein bei der WK herausgeprügelt, jetzt Selbständig.

Nicht leicht in Ö.

Nicht auf das System, auf sich selber muss man sich verlassen können...

auf eine rasche Änderung des Systems ist wie immer nicht zu hoffen. Daher ist selbstorganisation und selbstständigkeit bzw. aufbau von gemeinschaften bzw. genossenschaften gefragt, die menschen eine möglichkeit bzw. einen platz bieten, wo entfaltung und kreativität möglich ist - so kann sich jeder ausleben, macht was im Spass macht und lernt daher ein Handwerk sozusagen nebenbei... ist mein Vorschlag und den sind wir auch dabei umzusetzten. Infos unter www.dahoam.or.at - Projekt MURTOPIA

warum ich für meinen Beitrag tendenziell mehr rote Stricherln bekomme würd mich sehr interessieren

also mein Faszit für die österr. Arbeitswelt:

Siehe Überschrift des Artikels

leider

Glück statt BIP

Bruttoinlandsglück versus Bruttoinlandsprodukt. Das BIP, der Goldstandard der Ökonomie, wird immer mehr infrage gestellt. Alternative Wohlfühl-Indices sind im Aufschwung.

http://bit.ly/P03azM

Ihnen ist aber schon klar, dass das den Ökonomen klar ist. Das der BIP nichts über Glück aussagt, lernt man in der 1. Stunde Makroökonomie, da beim BIP die Verteilung keine Rolle spielt (vgl. Easterlin Paradox).

Gesagt werden muss aber auch, dass es Studien gibt, die dieses Paradox anzweifeln und nachgewiesen haben, dass Länder mit höherem GDP im Schnitt glücklicher sind (http://bpp.wharton.upenn.edu/betseys/p... ness.pdf).

Das Problem ist nur, dass jeder eine andere Vorstellung von Glück hat. Es ist daher
1) nicht objektiv definierbar
2) nicht objektiv messbar.

dann muss man halt fragen: "sind sie glücklich?" - und dann kann man zählen. das ergebnis ist dann halt nicht ein gewisser "berg von glück", sondern eine gewisse zahl von glücklichen menschen. und darum ginge es ja (und das wird auch schon längst gemacht).

immer eine frage der sample-größe;
wenn man 10 griechische bankster früge,
wäre griechenland das glücklichste land der welt.

Glück ?

stimmt schon, aber was ist Glück ?
In den Medien wird doch immer propagiert, dass sich Zufriedenheit rein über materielle Werte ergibt.
Und deswegen müssen alle unzufrieden, frustriert und wütend sein, weil es immer jemanden gibt, der mehr materiellen Besitz hat.
Jeder (alle(!!) Parteien, alle Medien) hat sein ganz besonderes Feindbild von Personen, das er als "Böse" hinstellt, weil sie evtl. mehr materiellen Besitz haben als andere.
Seien es die bösen Politiker, die bösen Banker, die bösen Ausländer, die bösen wasauchimmer....

Alle sagen sie uns, dass wir gefälligst unzufrieden sein müssen, weil es uns ja so schlecht geht.
Wir können, ja dürfen ja gar nicht glücklich sein.

Warum ? Weil gerade Parteien und Medien recht gut davon leben !!

die Jugend hat mehr als recht

ihre Elterngeneration oder deren hochdiszplinverherrlichenden Elemente wollen ihnen weis machen, dass es super ist, für erwerbsarbeit alles zu tun. Da diese schon entsichert, von sinnentfremdet reden wir mal nicht, ist, wird es irgendwann gleich unsicher, wenn man nix macht. Die ältere Generation läßt sich von Yuppies an der Nase herum führen, lebt zynisch von den letzten Pensionen und ergötzt sich an der Auswegslosigkeit der Jungen und rotiert ihre Mantras und verweist immerzu auf die gleichen Ausnahmen, um eine Regel nicht zu erfinden.

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