VgT ortet Missstände in 28 AMA-Gütesiegel-Betrieben

2. Juli 2012, 13:30
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AMA Marketing: "Eigene Tierschutzaktionen nicht gerechtfertigt" - "Zur konstruktiven Zusammenarbeit jederzeit bereit"

Wien - Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) ortet Missstände in 28 Schweinezuchtbetrieben, die Fleisch mit dem AMA-Gütesiegel vermarkten. Zwischen Jänner und Mai habe der VgT Bild- und Videomaterial aus ostösterreichischen Betrieben zugespielt bekommen, das teilweise "tierquälerische" Bedingungen zeigen würde, sagte Elmar Völkl vom VgT bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. Das Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing, für das Gütesiegel zuständig, reagierte mit einer Aussendung: "Eigene Tierschutzaktionen ohne Zustimmung des Betriebs sind nicht gerechtfertigt. Zur konstruktiven Zusammenarbeit sind wir aber jederzeit bereit." Es werde regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls sanktioniert.

79 Prozent der Betriebe habe der Verein wegen verschmutzter, rutschiger Böden angezeigt. Die Analyse der Bilder habe außerdem Fälle von Platzmangel, fehlendem Beschäftigungsmaterial und zu häufigem Kupieren der Schwänze gezeigt. Das Bildmaterial stammt laut den Tierschützern aus sechs Betrieben aus Niederösterreich, drei aus Oberösterreich, einem Betrieb aus Kärnten und aus 18 aus der Steiermark. Etwa 8.000 Schweine würden in diesen Zuchtbetrieben gehalten, schätzte Völkl. Alle Betriebe seien mit dem AMA-Gütesiegel und mit der "Bauernhofgarantie" der REWE-Gruppe ausgestattet.

In fast allen Betrieben Vollspaltböden

In allen Betrieben gebe es Schweine, die ohne Einstreu leben müssten, außerdem würde es in 96 Prozent der Betriebe Vollspaltenböden geben, die Klauenprobleme und eine schlechte Luftqualität verursachen würden, kritisierte Völkl. "Schweine sind von Natur aus sehr saubere Tiere", so der Tierschützer, mangelnde Hygiene würde Infektionsgefahr bergen und das Wohlbefinden der Tiere reduzieren. In einem Drittel der Betriebe seien Tränke und Tröge verschmutzt.

Auch Platzmangel zeigten die Bilder laut VgT: Die gesetzliche Grenze von 0,7 Quadratmetern pro Schwein mit 110 Kilogramm sei "vermutlich" in 32 Prozent der Betriebe unterschritten worden. Um Verhaltensstörungen durch Massentierhaltungen entgegenzuwirken, bekämen die Schweine Beschäftigungsmaterial, in 79 Prozent der Betriebe würde dieses fehlen, ungeeignet oder unhygienisch sein, sagte Völkl. Alle Schweine wiesen kupierte Schwänze auf, in zwei Drittel der Fälle seien die Schwänze auf weniger als die gesetzlich erlaubte Hälfte gekürzt worden.

Forderung nach mehr Auslauf und Platz für Tiere

Der VgT fordert ein Verbot von Spaltenböden, mehr Platz und Auslauf ins Freie sowie ausreichend Beschäftigungsmaterial für die Tiere. Außerdem tritt der Verein für die Anhebung gesetzlicher Mindeststandards auf EU-BIO-Niveau und eine Informationspflicht zu den Haltungsbedingungen auf den Endprodukten ein. Der Jurist Eberhart Theuer kritisierte, dass das Gütesiegel in vielen Bereichen nicht über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehe und forderte, dass es "aufgewertet" werde. (APA, 2.7.2012)

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    Fotos aus 28 Schweinezuchtbetrieben, die Fleisch mit dem AMA-Gütesiegel vermarkten, zeigen Fälle von Platzmangel, fehlendem Beschäftigungsmaterial und zu häufigem Kupieren der Schwänze.

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