Zahl der Tierversuche in Österreich gestiegen

2. Juli 2012, 13:48
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191.000 Versuchstiere wurden 2011 verwendet. Das bedeutet ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber 2010

Wien - Die Zahl der Tierversuche in Österreich steigt. Wie aus der vom Wissenschaftsministerium nun veröffentlichten Tierversuchsstatistik 2011 hervorgeht, wurden im Vorjahr 191.288 Versuchstiere verwendet. Das waren 2,2 Prozent mehr als im Jahr davor. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der verwendeten Tiere stetig gestiegen, 1999 lag sie noch bei 129.644.

Das Gros der verwendeten Tiere waren Mäuse (153.153), gefolgt von Kaninchen (15.633), Ratten (9.026), Meerschweinchen (3.797), Fischen (3.267), Vögeln (1.940), Rindern (1.582) und Schweinen (1.553).

Aufgeschlüsselt nach Versuchszwecken kamen die meisten Tiere für "Biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung" (68.435) sowie die "Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human- und Zahnmedizin" (63.019) zum Einsatz, gefolgt von "Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin" (49.719) und "Toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen" (4.504).

"Massiver Rückschlag für den Tierschutz"

Für die Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), Gerda Matias, ist die steigende Zahl an Tierversuchen "ein beschämendes Faktum und ein massiver Rückschlag für den Tierschutz". Sie kritisierte in diesem Zusammenhang am Montag in einer Aussendung den in der Vorwoche vom Wissenschaftsministerium ausgesendeten Entwurf für eine Novelle zum Tierversuchsgesetz.

Dieser enthalte keine einzige konkrete Maßnahme zur Reduktion von Tierversuchen. Mit diesem Gesetz würde nur mehr für schwer belastende Eingriffe eine behördliche Genehmigung notwendig sein. Matias fordert, die Verwendung von Versuchstieren restriktiv zu regeln und dem Einsatz tierversuchsfreier Methoden oberste Priorität einzuräumen.

VgT-Kritik an Umsetzung der EU-Richtlinie

Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) bezeichnete den Entwurf als "schlechtestmögliche Version für die Umsetzung der EU-Richtlinie" und "Katastrophe". In allen Bereichen, in denen die Richtlinie den Mitgliedsstaaten einen Spielraum gebe, strenger oder weniger streng zu sein, habe das Ministerium "die am wenigsten strenge Variante gewählt", sagte VgT-Obmann Martin Balluch. Konkret erlaube der Entwurf "trotz expliziter Verbotsmöglichkeit in der EU-Richtlinie" unter anderem Tierversuche, die ein lang andauerndes schweres Leid verursachen.

Durch die Novelle will das Wissenschaftsministerium eine EU-Richtlinie umsetzen, die eine europaweite Harmonisierung der Tierversuchsgesetze anstrebt. Nach Ansicht des Ressorts werden damit die bestehenden Regeln verschärft. Tierversuche müssen künftig in Schweregrade eingeteilt und ab einer bestimmten Betriebsgröße bei Züchtern, Lieferanten und Verwendern verpflichtend Tierschutzgremien eingerichtet werden. Die Veröffentlichung bestimmter Informationen über Versuche soll für erhöhte Transparenz sorgen.

Keine Beratschlagung mit Tierschutzorganisationen

Laut Nikola Furtenbach von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat es Österreich bislang verabsäumt, sich auf die seit 2010 vorliegende EU-Richtlinie vorzubereiten. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle habe es zudem verabsäumt, sich im Vorfeld des Gesetzesentwurfes mit Tierschutzorganisationen bzw. NGOs zu beratschlagen. Wichtige Erfahrungswerte und fachliche Vorschläge konnten dadurch nicht in den Gesetzesentwurf einfließen. Allerdings, so Nikola Furtenbach, sei es noch nicht zu spät: "Wir werden dem Minister unsere Stellungnahme bis August, dem Ende der Begutachtungsfrist, übermitteln. Wir bieten an, das Ministerium bei der Überarbeitung zu unterstützen, um gemeinsam ein konkretes Resultat im Interesse der Tiere zu erreichen." (red/APA, 2.7.2012)

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    Am häufigsten werden Mäuse für Tierversuche eingesetzt. Im Vorjahr waren es allein in Österreich mehr als 150.000.

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