Krise setzt Arbeitsmarkt stärker unter Druck

2. Juli 2012, 10:21
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Arbeitslosenquote bei 5,9 Prozent: Bei den Älteren wuchs die Arbeitslosigkeit um über zehn Prozent

Wien - Die Zahl der Arbeitslosen ist per Ende Juni nach vorläufigen Daten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,8 Prozent oder 12.126 Personen auf 220.070 gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Schulungsteilnehmer um 2.645 (+4,3 Prozent) auf 63.567. Insgesamt waren damit 283.637 Menschen in Österreich ohne Job, um 5,5 Prozent mehr als im Juni 2011, teilte das Sozialministerium am Montag mit.

Die Arbeitslosenquote lag nach österreichischer Berechnungsmethode im Juni bei 5,9 Prozent (Juni 2011: 5,2 Prozent). Nach EU-Berechnung belief sich die heimische Arbeitslosenquote im Mai - das ist der aktuellste verfügbare Wert - auf 4,1 Prozent. Österreich hat damit weiterhin die mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU. Auf den Rängen folgen die Niederlande und Luxemburg mit 5,1 bzw. 5,2 Prozent, im Schnitt der 27 EU-Staaten betrug die Arbeitslosenquote 10,3 Prozent.

Die Zahl der aktiv Beschäftigten hat sich per Ende Juni um 1,5 Prozent oder 51.000 Personen auf 3,402 Millionen erhöht. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ist laut Sozialministerium um 11,8 Prozent oder 4.317 auf 32.336 zurückgegangen.

Ältere überdurchschnittlich betroffen

Mit 42.000 Personen ist im Juni die Beschäftigung von Älteren (ab 50 Jahren) zwar überdurchschnittlich stark gestiegen, aber auch die Arbeitslosigkeit ist in dieser Altersgruppe mit einem Zuwachs von 5.075 oder 10,9 Prozent auf 51.621 überdurchschnittlich hoch ausgefallen. Damit Österreich bei den Arbeitsmarktchancen auch für Ältere weiterhin vorne bleibt, sollen die Beschäftigungschancen von älteren und gesundheitlich eingeschränkten Menschen bis 2016 zusätzlich mit 750 Mio. Euro unterstützt werden, teilte das Sozialministerium am Montag weiter mit.

Österreich habe weiterhin - und das seit 15 Monaten in Folge - die geringste Arbeitslosenquote in Europa. Österreich könne sich jedoch der europäischen Wirtschaftskrise nicht entziehen, und deshalb steige die Arbeitslosigkeit, kommentierte das Sozialministerium die jüngsten Arbeitslosenzahlen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fiel im Juni bei Männern (+7,1 Prozent auf 117.156 Personen) erneut höher aus als bei Frauen (+4,4 Prozent auf 102.914). Wesentlich stärker stieg die Arbeitslosigkeit bei Ausländern (+13 Prozent). Jugendliche waren dagegen weniger stark von der Krise betroffen: Die Jugendarbeitslosigkeit stieg im Juni mit 4,4 Prozent unterdurchschnittlich und am Lehrstellenmarkt wuchs die Zahl der offenen Lehrstellen mit 4,0 Prozent noch immer etwas stärker als die der Lehrstellensuchenden mit 2,7 Prozent. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bleibe als wichtigste Zukunftsinvestition der zentrale Schwerpunkt der Arbeitsmarktpolitik, so das Ministerium.

Behinderte besser erfasst

Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit von Behinderten um 5,8 Prozent liege vor allem an der verstärkten Erfassung: Die vollständige Erfassung der Personen mit Behindertenpass werde seit Jahresbeginn vom AMS vorangetrieben. Nur wenn behinderte Arbeitslose erfasst werden, könnten AMS-Mitarbeiter auf ein reserviertes Budget zur Unterstützung für Behinderte in Höhe von 10 Mio. Euro zugreifen. Das bedeutet, dass die statistische Erfassung von Personen mit Behindertenpass vor 2012 noch nicht vollständig war und diese jetzt schrittweise vervollständigt wird.

Am stärksten sind Beschäftigte von Leiharbeitsfirmen von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen: Mit 3.137 oder 14,7 Prozent stieg ihre Arbeitslosigkeit fast 10 mal so stark wie die Arbeitslosigkeit der direkt in der Industrie Beschäftigten (+353 oder +1,7 Prozent). Während Stammarbeiter dauerhaft beschäftigt werden, fallen Leiharbeiter sehr stark Auslastungsschwankungen und der schwächeren Industriekonjunktur zum Opfer, so die Begründung.

Spuren am Bau

Die schwächere Konjunktur hat auch am Bau (+7,6 Prozent Arbeitslosigkeit) ihre Spuren hinterlassen. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen stieg die Arbeitslosigkeit mit 9,0 Prozent stark an, vor allem bei gering qualifiziertem Personal, während diplomierte Kräfte nach wie vor stark gesucht werden. Handel (+3,2 Prozent) und Tourismus (+5,2 Prozent) waren unterdurchschnittlich vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen.

Regional betrachtet verzeichnete die Steiermark mit 11,1 Prozent vor dem Burgenland mit 10,7 Prozent und Niederösterreich mit 8,1 Prozent den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Vorarlberg hingegen profitierte vom starken Schweizer Franken (+2,1 Prozent Arbeitslosigkeit) und lag gemeinsam mit den Tourismusbundesländern Kärnten (+2,1 Prozent), Tirol (+2,7 Prozent) an der Spitze der Bundesländer mit den geringsten Arbeitslosenquoten. (APA, 2.7.2012)

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    Mehr Arbeitslose im Juni in Österreich.

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