Aufsichtsratschef von Barclays tritt zurück

2. Juli 2012, 13:19
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Marcus Agius tritt nach dem Skandal um manipulierte Zinssätze zurück. Die Großbank will die Vorfälle intern untersuchen lassen

Der weltweite Skandal um Zinsmanipulationen hat den ersten Top-Bankmanager seinen Job gekostet. Der Verwaltungsratschef der britischen Großbank Barclays, Marcus Agius, nahm seinen Hut. Die Angelegenheit habe dem Ansehen des Instituts enorm geschadet, erklärte Agius. "Ich werde hier nicht den Schwarzen Peter weiterreichen, sondern die Verantwortung übernehmen." Vorstandschef Bob Diamond, der in dieser Woche wie Agius vor einem Parlamentsausschuss zu dem Skandal Rede und Antwort stehen muss, bleibt trotzdem massiv unter Druck. "Die Verantwortung liegt bei Diamond, daher muss er diese auch übernehmen", sagte John Mann von der oppositionellen Labour-Partei. "Es gibt keinen Platz für Leute wie Diamond, wenn die Bankenbranche das Vertrauen in sich wiederherstellen will."

Saftige Geldstrafe

Barclays war vergangene Woche zu einer Strafe von fast einer halben Mrd. Dollar (397 Mio. Euro) verdonnert worden, weil es die ermittelnden Behörden in Großbritannien und den USA als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hat. Das Institut hat als Erstes ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. An der Börse ging anschließend die Angst um, dass sich der Skandal ausweiten könnte. Am Montag erholten sich Finanzaktien aber wieder. Auch die zuletzt stark gebeutelten Barclays-Aktien zogen nach dem erwarteten Rücktritt des Managers um 3,8 Prozent an.

In den seit Monaten laufenden Untersuchungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und die UBS, geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern. Den Instituten wird vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern. Die britische Finanzaufsicht machte am Montag deutlich, dass es sich bei Barclays nicht um einen Einzelfall handle.

"Es wird schwer werden für Diamond, seinen Job zu behalten", sagte einer der 25 größten Investoren des Instituts. "Ich glaube nicht, dass er ausreichend Unterstützung bei den Aktionären aufgebaut hat in der Vergangenheit, um das auszusitzen." Größere Aktionäre haben sich bisher noch nicht festgelegt. Sie wollen die Anhörungen abwarten.

Britische Notenbank unter der Lupe

Interessant ist auch die Rolle der britischen Notenbank in dem Skandal. In der vergangenen Wochen öffentlich gewordene Unterlagen zeigen, dass Barclays-Mitarbeiter fälschlicherweise davon ausgegangen sind, dass die Bank of England (BoE) die falschen Zinsangaben erlaubt habe. Dieser Eindruck sei entstanden nach einem Gespräch Diamonds mit dem Vizegouverneur der Notenbank, Paul Tucker, sagten Insider. Bei den Anhörungen vor dem Parlamentsausschuss am Mittwoch und Donnerstag dürften auch hierzu Fragen kommen.

Barclays will in einer internen Untersuchung nun herausfinden, wie es zu den Missständen kommen konnte. "Es tut mir wirklich sehr leid, dass unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre so enttäuscht wurden", erklärte Agius, der das Amt fünfeinhalb Jahre innehatte. Er ist wie Diamond ein Investmentbanker. (APA/Reuters, 2.7.2012)

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    Der Chefaufseher von Barclays, Marcus Agius, geht.

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